K.O.M.

Wenn Ängste die Unternehmens­nachfolge gefährden

| Redakteur: Kathrin Schäfer

„Bei einer zu spät vorgenommenen Firmenübergabe scheitert der Nachfolger in der Hälfte der Fälle binnen vier Jahren“, sagt Winfried Neun, Experte in Unternehmensnachfolgeprozessen.
„Bei einer zu spät vorgenommenen Firmenübergabe scheitert der Nachfolger in der Hälfte der Fälle binnen vier Jahren“, sagt Winfried Neun, Experte in Unternehmensnachfolgeprozessen. (Bild: K.O.M.)

Nur wenige Nachfolgeprozesse in Unternehmen scheitern an den betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten der potentiellen Nachfolger. Vielmehr sind die Ängste und Unsicherheiten der noch agierenden Firmenpatriarchen ein Hauptgrund für immense Probleme, die ohne externe Hilfe kaum zu bewältigen sind.

  • Familienmitglieder als Nachfolger in der Firmenleitung
  • Nachfolgeprozesse sinnvoll regeln

Die Nachfolgeplanung wird oft nicht mit klugen Kriterien unterfüttert, sondern innerfamiliären Strukturen, emotionalen Hürden oder nicht marktgerechten unternehmerischen Vorstellungen von der Weiterführung des Betriebes untergeordnet, so Winfried Neun, Gründer und Geschäftsführer der K.O.M. Kommunikations- und Managementberatung GmbH. „Viele mittelständische Unternehmer und Großindustrielle sind Alphatiere. Diese möchten sich nicht unterordnen. Noch viel weniger möchten sie die Entscheidungsmacht in ihrem Unternehmen kampflos und uneingeschränkt anderen überlassen“, so Neun.

Sind diese potentiellen Nachfolger auch noch Familienmitglieder, müssen diese oft hinnehmen, dass ihnen das Alphatier auch nach seinem Ausscheiden aus der Firma ständig im Nacken sitzt. „Wer möchte da schon Nachfolger werden?“, fragt Neun und fügt hinzu, dass selbst wenn die Unternehmensnachfolge auf mehrere familiäre Schultern verteilt wird, das nicht immer ein Erfolgskonzept ist.

Viele Firmenchefs verdrängen das Thema Nachfolge, anstatt es anzugehen

Aber auch Ängste spielen eine entscheidende Rolle, wenn Unternehmer sich nur schwer von „Ihrer Firma“ lösen können, so Neun. „Die Angst vor einer zukünftigen Sinnlosigkeit des eigenen Seins und vor einer fehlenden Herausforderung gepaart mit der Angst, durch die fehlende Aufgabe in der Bedeutungslosigkeit zu versinken, sind bestimmende Faktoren eines zumindest erschwerten Nachfolgeprozesses“, urteilt der Allensbacher Experte. Vielfach ist auch die Angst vor der Zerstörung des „Lebenswerks“ durch die Nachfolger ein Hauptgrund, warum Firmenpatriarchen sich nur sehr zögerlich von ihrer bisherigen Position trennen können. „Im Grunde spielen vorwiegend Ängste und Unsicherheiten eine wichtige Rolle im Nachfolgeprozess. Diese gilt es gezielt zu überwinden und psychologische wie betriebswirtschaftliche Hilfestellungen auch von externer Seite anzunehmen“, rät Neun betroffenen Unternehmern.

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Um die Ängste zu überwinden muss im wahrsten Sinne des Wortes „Platz geschaffen“ werden für Neues. Viele Unternehmer, die eine Nachfolge angehen, müssen sich von gewohnten Routinen und Prozessen lösen, um neue Aufgaben angehen und neu erlernen zu können. „Sich ohne neue Ziele als ausscheidender Unternehmer in den so wohlverdienten Ruhestand zu begeben, scheitert nach meinen Erfahrungen in der Praxis fast immer“, so Neun. „Und: es treten unausweichlich Probleme auf, wenn alte und neue Routinen aufeinander treffen. Es muss daher Raum für Neues geschaffen werden“.

Aber auch der Verlust von gewohnten Abläufen führt bei vielen Patriarchen zu einem Gefühl der Unsicherheit, führt Neun weiter aus. „Routinen entlasten und helfen dabei den Überblick nicht zu verlieren. Fehlt dieser Mechanismus, so ist Unsicherheit aufgrund fehlender Routine die logische Folge.“ Diese eigene Unsicherheit führt dann zwangsläufig zu einem ständigen und fast zwanghaften Prüfverhalten des Ist-Soll-Zustands und behindert den Nachfolgeprozess erheblich.

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Erschwerend kommt hinzu, dass wenn das Thema Nachfolge ansteht, es oft genug verdrängt wird. Erst kurz vor Schluss beginnen viele Unternehmer, ihre Firma in andere Hände abzugeben. „Laut Statistik nehmen etwa ein Drittel aller mittelständischen Unternehmer die Nachfolgeproblematik nicht zum Anlass, rechtzeitig aktiv zu werden. Bei einer zu spät vorgenommenen Firmenübergabe scheitert der Nachfolger in der Hälfte der Fälle binnen vier Jahren“, zeigt Neun anhand konkreter Zahlen auf.

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