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Fachmessen 2017 Welche Medtech-Messe behauptet sich in Deutschlands Süden?

| Autor / Redakteur: Kathrin Schäfer / Kathrin Schäfer

Wer wird sich behaupten? Mit der MT-Connect findet 2017 in Deutschland erstmals eine dritte Zuliefermesse für die Medizintechnik statt. Hinzu kommen die branchenübergreifenden Fachmessen.

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19.000 Besucher haben sich 2016 in den Hallen 8a und 8b der Compamed getummelt.
19.000 Besucher haben sich 2016 in den Hallen 8a und 8b der Compamed getummelt.
(Bild: Messe Düsseldorf/ctillmann)

Traditionell gibt es in Deutschland zwei Fachmessen für die Medizintechnik-Industrie: im Frühjahr die Medtec Europe in Stuttgart, im Herbst die Compamed in Düsseldorf. Alles halbe Jahr schauen, was es Neues in Sachen Maschinen, Komponenten oder Dienstleistungen gibt? Das war bislang eine gute Sache. Nun jedoch findet mit der neuen MT-Connect eine dritte Veranstaltung in Nürnberg statt. Sie wird angegliedert an den Medtech-Summit, einen der bedeutendsten Medizintechnik-Kongresse hierzulande. Drei Messen für eine Branche, die durch den demografischen Wandel zwar stabil, aber für viele Zulieferer nur eine Nische ist? Das wird auf Dauer wohl nicht funktionieren. Auch deshalb, weil sich die neue Messe ab 2018 zeitlich unmittelbar zur Medtec Europe positioniert: Beide Veranstaltungen finden dann im April statt. Ein Kampf also, den die Nürnberger bewusst gewählt haben. Es wird an der Industrie, also an Ausstellern und Besuchern sein zu entscheiden, welche Plattform auf Dauer erfolgreich ist. Unangefochten derweil die Position der Compamed, die parallel zur weltgrößten Medizinmesse Medica in Düsseldorf stattfindet. Seit Jahren ausgebucht, seit Jahren mit Warteliste, kann sie vor allem auch eines vorweisen: mit zuletzt 19.000 eine ausreichende Zahl qualifizierter Fachbesucher. Dies ist letztendlich die Währung einer jeden Messe. Damit steht und fällt jede Veranstaltung.

Auch im Nachbarland Schweiz buhlen 2017 zwei Messen um die Aufmerksamkeit von Ausstellern und Besuchern. Das zweite Mal findet in Luzern die Swiss Medtech Expo für den drittgrößten Medtech-Markt in Europa statt. Wie international sie ist, wird sich in den nächsten Jahren erst zeigen. Die EPHJ-EPMT-SMT ist es in jedem Fall. Auf dem Gelände der Messe Genf gelegen, ist sie vom Genfer Flughafen fußläufig in 10 Minuten zu erreichen. Die Teilmesse SMT, eine Abkürzung für Swiss Medical Technologies, bündelt alle jene Firmen, die schwerpunktmäßig oder gar ausschließlich die Medizintechnik ansprechen. Dies sind alles in allem nahezu dreihundert Aussteller.

Trendthemen wie 3D-Druck sind auf Medtechmessen unterrepräsentiert

Ob in der Schweiz oder in Deutschland, was allen Medtech-Messen gemein ist: Es finden sich wenige Maschinen oder Anlagen in ihren Hallen. Komponentenanbieter und Dienstleister machen in der Regel den Großteil der Aussteller aus, branchentypisch kleinteilig sind auch ihre Exponate. Wenn es auch wie zuletzt auf der Compamed vereinzelt eine Spritzgussmaschine oder eine Verpackungsanlage zu entdecken gibt, so muss, wer eine Verpackungsanlage, eine Maschine, ein Automatisierungssystem, eine Werkzeugmaschine oder gar einen 3D-Drucker braucht, auf branchenübergreifende Technologieevents ausweichen. In diesem Zusammenhang ist die Interpack vom 4. bis 10. Mai 2017 in Düsseldorf interessant. Auf der noch jungen Moulding Expo in Stuttgart vom 30. Mai bis 2. Juni werden Maschinen, Materialien, Komponenten, Dienstleistungen sowie Mess- und Prüfmittel für den Werkzeug- und Formenbau fokussiert. Auch die additive Fertigung spielt eine Rolle. Ihr hat sich, wenige Tage später, die Rapid.Tech in Erfurt ganz verschrieben. Als Kongressmesse sind dort vom 20. bis 22. Juni Branchengrößen wie Eos, Concept Laser, Materialise, Protolabs und Stratasys vor Ort. Ein Fachforum Medizintechnik greift Themen wie additiv gefertigte, individuelle Knochenimplantate und Prothesen auf. Additive Fertigung und 3D-Druck, hierum dreht sich übrigens alles auf der Fachmesse Formnext vom 14. bis 17. November 2017 in Frankfurt am Main.

Ein weiteres Trendthema neben dem 3D-Druck sind Wearables – tragbare Medizincomputer, gerne auch integriert in Kleidungsstücke wie T-Shirts, Strümpfe und mehr. Mit der Techtextil hat sich die Messe Frankfurt des Themas Textiltechnik angenommen. Diese Messe findet nur zweijährig statt. Gut 370 der über 1.300 Techtextil-Aussteller und -Partner zeigten 2015 technische Textilien und Vliesstoffe für die Medizintechnik.

Frankfurt am Main ist außerdem wieder Veranstaltungsort der Cleanzone. Reinraumbauer, Hersteller von Reinraumbekleidung, spezialisierte Reinigungsfirmen sowie Qualifizierungsdienstleister – sie alle kann man vom 7. bis 8. November in der Mainmetropole treffen.

Mit der Fakuma findet nach dem K-Jahr 2016 wieder eine Fachmesse für Kunststoffverarbeitung in Friedrichshafen statt. Sie feiert vom 17. bis 21. Oktober 2017 ihren 25. Geburtstag und steht, wie übrigens auch die Cleanzone, neuerdings zunehmend im Zeichen von Industrie 4.0. Die sage und schreibe 1.700 Aussteller der Fakuma bieten allein durch ihre Zahl einen umfassenden Überblick über sämtliche Kunststofftechnologien. Ob Extrusion oder Thermoformen, ob Materialien, Werkzeug, Heißkanal- oder Spritzgusstechnik – die Fakuma bildet die gesamte Prozesskette ab – inklusive Automatisierung und Handling. Thematisch ganz ähnlich gelagert ist die Swiss Plastics Expo, die bereits zu Jahresanfang vom 24. bis 26. Januar in Luzern ihre Tore öffnet.

Abschließend lässt sich sagen: Wer Lösungen für die Medizintechnik sucht, kommt um die Branchenmessen kaum herum. Lösungen für Trendthemen wie 3D-Druck, Industrie 4.0 oder Wearables sind auf den Branchenmessen zwar vertreten, aber noch weitgehend unterrepräsentiert. Hier lohnt es, die einschlägigen Themenmessen aufzusuchen und sich gegebenenfalls gleich noch Inspiration aus anderen Branchen zu suchen.

Weitere Meldungen über die Medtech-Branche finden Sie in unserem Themenkanal Szene.

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