Turck Duotec

Visionäre des Sauerlands entwickeln und fertigen Medizinelektronik

| Redakteur: Peter Reinhardt

Große Überaschung, große Ehre, große Freude: Dieter Härthe, Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft (r.), übergibt Geschäftsführer Arthur Rönisch die Ernennungsurkunde zum Senator beim Senat der Wirtschaft.
Große Überaschung, große Ehre, große Freude: Dieter Härthe, Vorstandsvorsitzender des Senats der Wirtschaft (r.), übergibt Geschäftsführer Arthur Rönisch die Ernennungsurkunde zum Senator beim Senat der Wirtschaft. (Bild: Alexander Ring / Turck Duotec)

Seit nunmehr 30 Jahren steht Turck Duotec seinen Kunden als Experte für Elektronikentwicklung und Elektronikfertigung partnerschaftlich für individuelle Lösungen zur Seite. Ein Jubiläum, das am 6. September am Standort Halver mit einer großen Überraschung gefeiert wurde.

  • Aufnahme von Turck Duotec in den exklusiven Kreis des Senats der Wirtschaft
  • Null-Fehler-Politik und Zertifizierung nach DIN EN ISO 13485 sind eine Selbstverständlichkeit
  • Sensoren zur Überwachung von Medien und Drücken in Dialysegeräten und Infusionspumpen
  • Miniaturisierte Beleuchtungseinheiten für medizinische Geräte und Encoder für Positioniereinheiten

30 Jahre sind für ein Unternehmen im industriegeschichtlich bedeutsamen Sauerland nicht auf den ersten Blick ein Grund zum Feiern. Hier, wo sich die Menschen aufgrund der bergischen Topographie schon früh für die Industrialisierung anstelle der Landwirtschaft entschieden haben, gibt es viele Unternehmen, die älter sind. Viel älter. 200 Jahre und mehr sind hier keine Seltenheit.

Geschäftsführer Rönisch wird Senator

Aber es sind die schnelllebigen Zeiten, die 30 Jahre Turck Duotec GmbH sehr wohl zum Anlass für Jubiläumsfeierlichkeiten machen: „Seit unserer Gründung haben wir den Wandel vom Wählscheibentelefon zum Smartphone erlebt“, erklärt Geschäftsführer Arthur Rönisch.

Das sehen viele Partner offensichtlich genauso. Mehr als 120 Gäste kommen Anfang September zu den Feierlichkeiten an den Firmensitz in Halver nahe Lüdenscheid. Kunden und Entwicklungspartner, Politik und Presse. Sie sollen an diesem Abend erleben, was den Experten für kundenspezifische Elektronikentwicklung und -fertigung (Electronics Engineering and Manufacturing Services, EEMS) und ODM-Anbieter (Original Design Manufacturer) antreibt.

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Einer, der das Unternehmen schon seit geraumer Zeit sehr genau beobachtet, ist Honorargeneralkonsul Dieter Härthe. Zur Feier bringt er eine besondere Überraschung mit. Er nimmt das Unternehmen in den exklusiven Kreis des Senats der Wirtschaft auf und ernennt Rönisch zum Senator. Denn Werte seien Turck Duotec wichtig. Familienunternehmen eben. Da werden Werte gelebt, da wird Nachhaltigkeit gelebt.

Kompetenzen und Kapazitäten in Sachen Elektronikfertigung Dritten anbieten

Entstanden ist Turck Duotec aus der Turck-Gruppe, einem Spezialisten für Automation und Sensorik mit über 4.500 Mitarbeitern weltweit. Unternehmenszweck der Turck’schen Duotec: die Kompetenzen und Kapazitäten in Sachen Elektronikfertigung Dritten anbieten. Zwar ist man von Beginn an eine eigenständige Gesellschaft, aber nach dem Motto „one turck“ lebt man in einer gemeinsamen Welt, so auch Rönisch. Vor 28 Jahren hat er bei Turck als Entwicklungsingenieur angefangen, ab 2012 war er General Manager des Standortes Halver, seit Oktober 2016 ist er Geschäftsführer für die gesamte Duotec.

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Die Söhne Uli und Dietrich der Turck-Gründer Hans und Werner Turck nennt er vertraut „die Jungs“. Na klar, man kennt sich schließlich gut und arbeitet vertrauensvoll zusammen: Duotec entwickelt und bietet die Dienstleistung im Markt an, Turck fertigt.

Stichwort Vertrauen: Das ist gerade in der Medizintechnik – neben Mobilität und Gebäudeautomation/Beleuchtungstechnik einer von drei fokussierten Kernmärkten von Turck Duotec – von größter Bedeutung. Null-Fehler-Politik und Zertifizierung nach DIN EN ISO 13485 sind für Turck Duotec selbstverständlich.

70 Prozent Wachstum binnen fünf Jahren

Aber Moment mal. Sauerland, Halver, wo liegt das eigentlich? Im Nirgendwo? Weit gefehlt. „Südwestfalen ist neben München und Baden-Württemberg die Wirtschaftsregion in Deutschland“, machen Rönisch und weitere Jubiläumsredner Standortpolitik. Für Kunden der Medizintechnik-Branche ist derweil vor allem der Standort Delémont im Grenzbereich der deutsch- und französischsprachigen Schweiz zuständig. Aber auch an den weiteren Standorten im sächsischen Beierfeld und in Mexiko spielt diese Wachstumsbranche eine Rolle.

Nächstes Stichwort: Wachstum. Um etwa 70 Prozent ist Turck Duotec in den vergangenen fünf Jahren gewachsen. Damit das so weitergeht, soll vor allem die Medizintechnik weiter gestärkt werden. Im sogenannten Medical Valley, also der Metropolregion Nürnberg/Erlangen, wurde dafür unlängst ein Vertriebsbüro eröffnet.

Direktumspritzung von Medizinelektronik

Besondere Anerkennung erfährt Turck in dieser Branche für die Direktumspritzung von Medizinelektronik. Das Verfahren schützt empfindliche elektronische Komponenten vor Flüssigkeiten, wie sie im medizinischen Alltag auftreten. Sogar für das Sterilisieren mittels Autoklav sind die direktumspritzten Medizinelektroniken geeignet. Beispiele für die Elektroniken, die von Turck Duotec für Kunden entwickelt und produziert werden, sind Sensoren zur Überwachung von Medien und Drücken in Dialysegeräten und Infusionspumpen, miniaturisierte Beleuchtungseinheiten für medizinische Geräte und Encoder für Positioniereinheiten.

Künstliche Intelligenz in der Medizin

„Visionäre des Sauerlands“ nennt daher Thomas Gemke, Landrat des Märkischen Kreises, die Turck-Macher. Da passt es, dass anlässlich des Firmenjubiläums nicht nur gefeiert wird, sondern dass auch Visionen geteilt werden. Zwei Gastredner nehmen die Gäste mit auf eine Reise in zukünftige Welten, die längst die Gegenwart bestimmen: Matthäus Hose, Verlagsleiter der Weka Fachmedien, berichtet kurzweilig über Künstliche Intelligenz und zeigt dabei auch deren Potenzial in der Medizin, zum Beispiel die Erkennung von schwarzem Hautkrebs. „Erfahrene Dermatologen haben hier eine Trefferquote von gut 80 Prozent. Mit künstlicher Intelligenz lässt sich diese auf 96 Prozent steigern. Ein lebensentscheidender Unterschied“, so Hose.

Partner digitaler Start-ups

Nicht minder fesselnd spricht Prof. Dr. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen über die allgegenwärtigen Auswirkungen der Digitalisierung. Im Fokus dabei: Die Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen. Für Geschäftsführer Rönisch hat er später folgenden Rat parat, den sich durchaus auch andere Manager zunutze machen sollten: „Das Internet alleine erobern zu wollen, ist kaum möglich. In der heutigen Zeit nur Komponentenlieferant zu sein, ist ebenfalls problematisch. Also schmieden Sie Allianzen. Werden Sie Partner digitaler Start-ups.“

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Gesagt, getan, könnte man meinen. So ist Turck Duotec längst Partner des Start-ups FES Sensor Technology und unterstützt das junge Unternehmen dabei, den Gassensor in die Serienproduktion zu überführen. Zudem ist Turck Duotec seit 2016 Mitglied im Netzwerk Universal Home und hat sich vergangenes Jahr gemeinsam mit weiteren Mitgliedern zum Universal Home Accelerator zusammengeschlossen. Alleine dieses Jahr wurden aus diesem Gremium heraus vier Start-ups gefördert – überwiegend solche mit digitalem Geschäftsmodell. „Dabei steht das Monetäre weniger im Vordergrund. Wesentliches Ziel des Accelerators ist das Voneinanderlernen“, erklärt Rönisch. Das Programm soll 2019 weitergeführt werden.

Zuhören statt Reden bestimmt das Handeln

Zusammen mit der Art, wie Turck Duotec sein Jubiläum feiert, verrät dieses Engagement viel über die Kultur des Unternehmens. Eine Inszenierung nach dem Motto „Mein Haus, mein Auto, mein Pferd“, das ist nicht die Sache der Sauerländer. Vielmehr bestimmt Zuhören statt Reden das Handeln. Auch im Tagesgeschäft, wie die Mitarbeiter zu berichten wissen. Und so wird Rönisch das ein oder andere Mal schmerzlich in seinem Büro vermisst, weil er bei Kunden ist oder „auf der Tour durch die Fertigung mal wieder hängengeblieben ist.“ Aber das ist wahrlich nicht die schlechteste Eigenschaft für einen sauerländischen Visionär ohne eigene Produkte.

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