Cluster Medizintechnologie Mannheim

Viel Neues beim Medtech-Dialog

| Autor: Peter Reinhardt

Yasmin Pavlovic (li.) wird sich künftig neuen Aufgaben widmen. Neu zur Seite steht Dr. Elmar Bourdon von nun an Kerstin Müller (PwC), um den Medtech-Dialog zu organisieren.
Yasmin Pavlovic (li.) wird sich künftig neuen Aufgaben widmen. Neu zur Seite steht Dr. Elmar Bourdon von nun an Kerstin Müller (PwC), um den Medtech-Dialog zu organisieren. (Bild: Reinhardt/DeviceMed)

Eine personelle Veränderung steht an beim Medtech-Dialog. Yasmin Pavlovic, PwC, die den Branchentreff Clusters Medizintechnologie Mannheim als Partnerin seit dem Jahr 2013 mit aufgebaut und geprägt hat, wendet sich anderen Aufgaben zu. Zuvor gab es vor rund 100 Teilnehmern aber noch einmal wie gewohnt Impulsvorträge. Im Fokus diesmal: der Wandel vom Auftragsfertiger zum Entwicklungspartner für Medizintechnikhersteller.

Zum ersten Mal haben sich die Initiatoren getraut, den Medtech-Dialog außerhalb der Stadtgrenzen Mannheims stattfinden zu lassen. Aber das tut dem Zuspruch keinen Abbruch. Längst hat die Netzwerk-Veranstaltung überregionale Anziehungskraft entwickelt. Und so sind am 22. September in Weinheim sogar Vertreter aus Berlin unter den rund 100 Anwesenden. Veranstaltungsort ist die Villa Hermannshof im gleichnamigen Schau- und Sichtungsgarten, die der Freudenberg-Konzern als Seminarhaus nutzt. Das Geschäftsfeld Freudenberg Medical ist Partner des 12. Medtech-Dialogs.

Yasmin Pavlovic scheidet beim Medtech-Dialog aus

Bevor die Impulsvorträge starten, wird Yasmin Pavlovic verabschiedet. Zuständig fürs Business Development Medtech der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, hat sie als Frau der ersten Stunde den vierteljährlich stattfinden Medtech-Dialog aufgebaut, gemeinsam mit Dr. Elmar Bourdon, Manager des Clusters Medizintechnologie Mannheim. Da Pavlovic PwC in Kürze verlässt, um sich einer neuen beruflichen Herausforderung zu widmen, endet auch ihr Engagement für den Medtech-Dialog. Zwar bleibe sie „der Branche erhalten“, so Pavlovic, „doch nun ist es an der Zeit, den Staffelstab weiterzugeben.“ Zuständig für die Organisation und Gestaltung ist fortan Kerstin Müller, Partner bei PwC Frankfurt/Mannheim, die bereits mitten in den Vorbereitungen für den 13. Medtech-Dialog steckt, der noch im Dezember dieses Jahres im Cubex 41 stattfindet. Das Gründer- und Kompetenzzentrum auf dem Gelände des Universitätsklinikums Mannheim war bereits in der Vergangenheit Veranstaltungsort des Medtech-Dialogs.

Die fünf aktuellen Trends in der Medizintechnik

Doch zurück in die Gegenwart. Was sind die Trends in der Medizintechnik und welche Möglichkeiten ergeben sich daraus für Zulieferpartner? Antworten hierauf gibt Iris Herrmann, Mitglied der Geschäftsleitung von Strategie&, dem Strategieberatungsunternehmen innerhalb des PwC-Firmennetzwerks, den Zuhörern.

  • 1. Konsolidierung und Konvergenz: Derzeit sind zahlreiche M&A-Aktivitäten zu beobachten. Eines der Hauptziele ist dabei, in der Breite zu wachsen, um Komplettlösungen anbieten zu können. Geschwindigkeit ist hierbei Trumpf. Jedoch sind vermehrt auch Anstrengungen von etablierten Unternehmen aus anderen Märkten zu beobachten. Das ist zwar ein Zeichen für die Attraktivität der Medtech-Branche, stellt aber durchaus auch eine ernstzunehmende Herausforderung dar.
  • 2. Strukturelle Marktveränderungen: Mehr Ausbringung für weniger Geld, lautet hier das Motto. Insbesondere regionale Aspekte sind hierbei zu beachten. Für Produkte in Low-Budget-Ländern genügt es nicht, auf einzelne Features von Hightech-Produkten zu verzichten, um die Kosten zu senken. Vielmehr ist hier ein eigenständiges Design erforderlich.
  • 3. Chancen durch Innovation: Inkrementelle Verbesserungen stellen in der Regel keine Innovation dar. Doch die Chancen für echte Quantensprünge sind überschaubar. Vergleichsweise großes Potenzial bietet hier die Digitalisierung. Aber auch mit neuen Materialien sind echte Innovationen möglich.
  • 4. Verschärfung der Regulatory Affairs: Weltweit ist eine Verschärfung der behördlichen Anforderungen festzustellen. Für deutsche Medtech-Exporteure behindern zudem immer häufiger lokale Einfuhrbeschränkungen und nationaler Protektionismus den Zugang zu attraktiven Auslandsmärkten.
  • 5. Anhaltender Kostendruck: Medtech-Hersteller und deren Zulieferer leiden mit dem gesamten Gesundheitssystem unter zunehmendem Kostendruck. Insofern bleibt ihnen nichts anderes, als sich mit der Situation der Kostenerstatter und Anbieter von Gesundheitsdienstleistern auseinanderzusetzen.
Mergers & Acquisitions in der Medizintechnik (Teil 5): M&A im 1. Halbjahr 2016

Bridts Corporate Finance

Mergers & Acquisitions in der Medizintechnik (Teil 5): M&A im 1. Halbjahr 2016

03.08.16 - M&As sind derzeit vom Bestreben vieler mittelständischer Akteure geprägt, ihre weitere strategische Entwicklung abzusichern und an technologischen Innovationen zu partizipieren. Dabei werden ungebremst alle Register gezogen: China, Private Equity, Fokussierung. Devicemed beleuchtet die Hintergründe und fasst alle Aktivitäten in einer Übersicht zusammen. lesen

Medtech-Hersteller und -Zulieferer müssen neue Fähigkeiten beherrschen

Fazit: Die Medizintechnikherstellung erfolgt in einem sehr dynamischen Umfeld, in dem sich die Anzahl strategischer Entscheidungen multipliziert. „Um hier Schritt zu halten, müssen Hersteller und Zulieferer neue Fähigkeiten beherrschen“, erklärt Herrmann. Eine davon sei die Fähigkeit, in echten Partnerschaften zu agieren. „Für Zulieferer bedeutet das, sich zum Systemlieferanten weiterzuentwickeln“, fordert Herrmann. Leicht gesagt, doch schwer getan. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, die folgenden Fragen ehrlich und selbstkritisch zu beantworten:

  • Wie sind wir als Unternehmen positioniert, wie werden wir von Kunden wahrgenommen?
  • Wie vielversprechend ist unser Geschäftsmodell, welche Wachstumserwartung darf damit realistischer Weise verknüpft werden, wie verhält es sich mit dem Thema Erstattung?
  • Wie viel Risiko sind wir bereit zu tragen (Stichworte: rechtliche Produktverantwortung, Compliance) und wie gut sind wir befähigt, dieses Risiko zu tragen?

Praxisbeispiel für die Entwicklung vom Auftragsfertiger zum Entwicklungspartner

Ein Unternehmen, das hier auf bestem Weg ist, ist Freudenberg Medical. Und so liefert CEO Dr. Max Gisbert Kley als Partner und Gastgeber des 12. Medtech-Dialogs im Rahmen eines Impulsvortrags ein gelungenes Praxisbeispiel für die Entwicklung vom Auftragsfertiger zum Entwicklungspartner. „Das traditionelle Handlungsfeld des Zulieferers von der Prozessentwicklung bis zur Verpackung und Sterilisation von Medizinprodukten hat Schwächen“, so Kley. Freudenberg Medical setze daher inzwischen längst darauf, Kunden schon bei der Erstellung und Auswahl von Konzepten für neue Produkte zu unterstützen und die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich Logistik, Marketing und Vertreib zu begleiten.

Was es hierfür braucht, ist Erfahrung mit den regulatorischen Anforderungen der Branche und im Projektmanagement. „Hier müssen Sie auf der Höhe der Zeit sein“, macht Kley unmissverständlich deutlich.“ Aktuell arbeite Freudenberg Medical am elektronischen Datenaustausch mit den Kunden in der Konstruktion. „Mögliche Risiken und Probleme wie zunehmende Komplexität im Projektmanagement, Reibungsverluste durch zusätzliche Schnittstellen und der Umgang mit Intellectual Property treten gegenüber den Vorteilen in den Hintergrund“, bilanziert Kley.

Räumliche Nähe und einheitliche Qualitätsstandards sind unverzichtbar

Und noch etwas habe die Vergangenheit gelehrt: „Gerade in der Medizintechnik spielt die räumliche Nähe zu den Medtech-Herstellern eine große Rolle“, so die Erfahrung bei Freudenberg Medical. Für große Länder wie die USA erfordere das gegebenenfalls auch mehrere Standorte, so zum Beispiel einen an der Westküste und einen an der Ostküste, um innerhalb einer Zeitzone zusammenarbeiten zu können. Und natürlich sind weltweit einheitliche Qualitätsstandards einzuhalten. „Der Aufwand hierfür ist zwar groß“, weiß Kley, „erleichtert aber die Auditierung“.

Letztlich fällt Kleys Fazit wie folgt aus: „Die Einbindung von Zulieferern in die Entwicklung bringt Vorteile für beide Partner.“ Diese reichen auf der Seite der OEMs von Verbesserungen bei der Designqualität bis zur Einsparung von Zeit und Kosten und für die Zulieferer von einer tieferen Kundenbeziehung inklusive verbreitertem Leistungsportfolio bis zur Risikoreduzierung in der Herstellungsphase (Stichwort: Design for Manufacturability).

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