Medtec Europe / Medical Device Manufacturing Conference

Medical Device Manufacturing: Konferenz bereichert die Messe

| Redakteur: Peter Reinhardt

Dr. med. Urs Schneider, Bereichsleiter der Medizin- und Bioproduktionstechnik und Abteilungsleiter „Biomechatronische Systeme“ am Fraunhofer IPA: „Die neue Konferenz findet parallel zur Medtec Europe in Stuttgart statt – also im Herzen von Baden Württemberg, der bedeutendsten Region für die Produktion von Medizintechnik in Europa.“
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Dr. med. Urs Schneider, Bereichsleiter der Medizin- und Bioproduktionstechnik und Abteilungsleiter „Biomechatronische Systeme“ am Fraunhofer IPA: „Die neue Konferenz findet parallel zur Medtec Europe in Stuttgart statt – also im Herzen von Baden Württemberg, der bedeutendsten Region für die Produktion von Medizintechnik in Europa.“ (Bild: Fraunhofer IPA)

Begleitend zur Messe Medtec Europe gibt es nun eine Medical Device Manufacturing Conference. Die erste ihrer Art, die die Themen Produktion und Medizintechnik zusammenführt, wie Organisator Dr. Urs Schneider vom Fraunhofer IPA im Interview mit Devicemed betont.

  • Das Gold der Zukunft bleibt die Kommunikation
  • Fertigung, Supply Chain und Ärzte zusammenzubringen
  • Dem medizintechnischen Nachwuchs dieses aufregende Berufsbild näher bringen

Herr Dr. Schneider, Sie haben die Medical Device Manufacturing Conference in Stuttgart initiiert und aufgebaut. Warum gibt es begleitend zur Messe Medtec Europe nun noch einen Kongress?

Es gibt Konferenzen für Medizintechnik und es gibt Konferenzen für Produktionstechnik. Bisher gibt es aber keine Konferenzen zur Produktion für Medizintechnik und deren Herausforderungen. Dabei ist die Produktion der Ort, an dem die Wertschöpfung entsteht. Hersteller führen die Diskussionen des Fertigens von Medizintechnik alleine. Das wollen wir ändern – und den Bedarf dafür sieht das IPA nicht alleine. Eine Pilotkonferenz fand bereits im April 2017 statt. Wir werden dabei unter anderem unterstützt vom Wirtschaftsministerium und der Landesmesse Baden-Württemberg, der VDMA-Sektion Medizintechnik und von UBM als Messeveranstalter. Denn das Gold der Zukunft bleibt die Kommunikation. In diesem Feld wollen wir durch internationalen Informationsaustausch die Forschung und Entwicklung unterstützen. Dazu halten wir eine Konferenz für das beste Format.

Welchen Mehrwert bietet der Kongress den Messebesuchern?

Der Kongress will die entscheidenden Leute zusammenbringen: Zum einen gibt es organisatorische Produktionsfragen, wie beispielsweise die Medical Device Regulation – kurz MDR –, die vergangenes Jahr in Kraft trat und bis 2020 umgesetzt sein muss. Sie zeichnet sich durch strengere Anforderungen aus, was sich zum Beispiel in der technischen Prozessdokumentation und damit indirekt auf die Produktion auswirkt. Den Zulieferer, der meist im mittelständischen Segment angesiedelt ist, wollen wir durch Informationen unterstützen und mit denjenigen enger zusammenbringen, die entscheiden, was die zukünftigen Produkte brauchen: den Endkunden. Der Produzent, der noch nie mit dem Endkunden gesprochen hat, soll direkt in Kommunikation treten und den Arzt fragen können: „Was bringt die Zukunft?“ Denn die Medizintechnikherstellung erfordert viel Schnittstellenkommunikation und bietet aber auch ad hoc Innovationschancen im Netzwerk, wie es ein einzelnes Unternehmen selten schafft. Wir stellen mit einem Vortrag die Tätigkeit in den „Advanced Operations“ zwischen Produktentwicklung und Produktion als Tätigkeit vor. Unser Anliegen ist zudem, dem medizintechnischen Nachwuchs dieses aufregende Berufsbild näher zu bringen. Auch neue Forschungsansätze werden dazu vorgestellt.

Zum anderen arbeiten wir daran, Fertigung, Supply Chain und Ärzte zusammenzubringen, damit gefragt werden kann: „Was machst du eigentlich?“ Dadurch kann bestehenden Problemen zusammen auf den Grund gegangen werden. Ein Hersteller könnte einen Hüftchirurgen beispielsweise fragen: „Warum willst du eigentlich diesen Winkel an dem Implantat? Dafür muss ich zwei Mal umspannen und das kostet mich Zeit. Je niedriger mein Zeitaufwand ist, desto besser verdiene ich.“ Der Hüftchirurg versteht das Problem und kann darauf reagieren: „Den Winkel brauche ich gar nicht, der sieht einfach nur gut aus. Dann lassen wir ihn weg.“ Da, wo gefertigt wird, wollen wir durch Kommunikation die Prozessqualität schaffen – das motiviert und begeistert.

Was sind die Top-Themen, und wer werden die Top-Vortragenden des Kongresses sein?

Das eine brennende Thema ist die personalisierte Medizin. Bezahlbare, hochindividualisierte – und damit effektive Medizin und Medizintechnik für die Patienten. Auf der Technikseite heißt das: Personalisierung durch 3D-Druck und digitale Prozessketten von Patient zu Patient. Nur dann sind personalisierte effiziente Prozesse möglich. Den digitalen Prozessketten in der Medizin mangelt es teilweise an technischem Inhalt. Vieles ist noch deskriptiv, da wird behandelt nach Größe und Gewicht; spezifischere Maße fehlen teilweise. Zwischen Input und Output ist für die Prozesseffizienz in der Medizin noch viel zu holen. Zum anderen entstehen kontinuierlich neue und modifizierte Fertigungs- und Montageverfahren für die Medizintechnik, bei denen man permanent wach sein und Chancen für die eigene Produktion verstehen und einschätzen muss.

Ein Themen-Highlight ist die Herstellung personalisierter Medizintechnik, die mit neun internationalen Beiträgen in einer technologisch und einer organisatorisch orientierten Session beleuchtet wird. Vorgestellt wird auch das im Mai 2018 neu zu eröffnende Leistungszentrum „Mass Personalization“ von Fraunhofer und Universität in Stuttgart. Wir freuen uns zudem, in der Keynote Neues zu Implantatfertigungsprozessen zu hören. Sie wird gehalten von Prof. Dr.-Ing. Birgit Glasmacher, Vorstandssprecherin des Zentrums für Biomedizintechnik der Leibniz Universität Hannover.

Zurück zur Medical Device Manufacturing Conference, die nun schon zum zweiten Mal in Stuttgart stattfindet. Wie sind Kongress und Messe miteinander verknüpft?

Wir haben auf der Landesmesse Stuttgart eine sehr gute Konferenzumgebung. Statt dem bisherigen Innovationsprogramm auf der Messe wollen wir – zeitgleich zur Messe – das Konferenzprogramm vor Ort ansiedeln, sodass Besucher auch zwischen den Veranstaltungen springen können. Kongress und Messe finden zeitgleich, räumlich benachbart statt. Der Kongress ist durch das Fraunhofer IPA mit UBM geplant, das Ticketsystem wird durch UBM gewährleistet. Für 2019 planen wir, ein französisches Meet & Match einzubinden – ein Medizintechnikveranstaltungsformat, das bisher in der Liederhalle stattfindet – sodass in Zukunft die Messe Medtec Europe, die Konferenz Medical Device Manufacturing und ein Meet & Match zur Medizintechnik parallel als Marktplatz auf der Landesmesse Stuttgart stattfinden. Immerhin sind wir in Baden-Württemberg, der bedeutendsten Region für die Produktion von Medizintechnik in Europa.

Die Fragen stellte Peter Reinhardt.

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