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Menschliches Blut als Sensor
Interessant ist in diesem Zusammenhang der Vorschlag von Dr. Stefan Fennrich, Universitätsklinik Tübingen, menschliches Blut als Sensor für die Bestimmung von Kontaminationen auf Oberflächen zu nutzen. Hintergrund: Implantate müssen steril und pyrogenfrei sein, also frei von biologisch aktiven Partikeln, um nach einer Intervention möglicherweise lebensbedrohliche Entzündungsreaktionen bei Patienten zu vermeiden. Dies bedingt, dass die Herstellung von Medizinprodukten und insbesondere von Implantaten an möglichst reinen Arbeitsplätzen erfolgen muss. Der Nachweis der Reinheit könne durch einen neu entwickelten Humanen Bluttest erfolgen. Dieser wertet die Immunreaktion des Blutes auf von der Arbeitsplatzoberfläche gewonnenen Proben aus.
Biologische Verträglichkeitsprüfung von Medizintechnikprodukten
Dem Biokompatibilitätsmonitoring von Medizinprodukten widmet sich Dr. Ute Müller vom BMP Labor für medizinische Materialprüfung, Aachen. Denn jedes Medizintechnikprodukt muss einer biologischen Verträglichkeitsprüfung unterzogen werden, um sicherzustellen, dass beim Kontakt mit Patienten keine physiologischen oder chemischen Gefahren bestehen. Ausgangspunkt für solche Gefahren können die Produkte selbst oder deren möglicherweise toxisch wirkende Oberflächen, austretende Substanzen wie Weichmacher oder auch verbliebene Produktionsrückstände wie Trennmittel sein. Als eine oft vernachlässigte Problematik nennt Müller die Auswirkungen nicht geeigneter Reinigungs- und Desinfektionsmittel oder nicht eingehaltener maximaler Aufbereitungszyklen, die die Biokompatibilität der Werkstoffe in eine Toxizität umschlagen lassen können.
Sensoren an der Spitze von Endoskopen verlängern die Hände
Auf die Herstellung von polymerbasierten Sensorkonzepten geht Dr. Michael Strohmayr vom Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt in Weßling ein. Durch ein innovatives 3D-Druckverfahren für Elastomere gelingt es, elastische taktile Sensoren mit einer räumlichen Auflösung von 1 bis 2 mm und reproduzierbarer, hochdynamischer Messempfindlichkeit im Gramm-Bereich herzustellen. Eingesetzt an der Spitze von Endoskopen ermöglichen diese Sensoren quasi die Verlängerung der Hände in den menschlichen Körper hinein. Weitere Anwendungsgebiete liegen in einer künstlichen Haut auf Robotersystemen, die, verwendet als Kollisionskontrolle, in ferner Zukunft die Interaktion von Industrierobotern mit dem Menschen ermöglichen soll.
Piraterie kostet Marktanteile und Reputation
Wichtig ist, innovative Produkte auch wirksam zu schützen. Dr. Sasan Habibi-Naini, Pheneo GmbH, Bremen: „Oft werden Aufwendungen zum Produktschutz als reiner Kostenfaktor gesehen, die jedoch in Anbetracht der wirtschaftlichen Schäden durch Kopien in Form von Umsatzrückgang, Imageverlust und Verlust der Qualitätskontrolle mit der Folge unzulässiger Garantiefälle und ungerechtfertigter Schadensersatzforderungen anders bewertet werden sollten.“ Über den ökonomischen Aspekt hinaus bringe funktionierender Produktschutz auch mehr Sicherheit für die Gesundheit der Patienten. Dabei ist die Bandbreite der Möglichkeiten groß und reicht vom Markereinsatz in den verarbeiteten Kunststoffen über auf Produkten angebrachten Hologrammen bis zu Mitteln des Patent- und Markenrechts. Habibi-Naini plädiert dafür, gerade in der Medizintechnik neben den technischen Möglichkeiten den Rechtsweg auszureizen: „Schutzrechte kosten zwar Geld, Piraterie aber Marktanteile und Reputation.“
Die Autoren Dipl.-Ing. Erhard Krampe vom Institute of Medical and Polymer Engineering am Lehrstuhl für Medizintechnik – Medtech der TU München und Prof. Dr. Dr. Erich Wintermantel, Ordinarius der Technischen Universität München, waren Mit-Organisatoren des SKZ- Kongresses „Kunststoffprodukte in der Medizin“ am 8. und 9. Oktober 2014 in Würzburg.
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