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„Es reicht nicht, nur eine Maschine zu beschaffen“

| Redakteur: Julia Engelke

Im Rahmen des Seminars „Discover 3D-Printing Medical“ erklärt Kristian Arntz, Fraunhofer IPT, die Bedeutung der Additive Manufacturing (AM) für die Medizintechnik.

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Kristian Arntz, Fraunhofer IPT: „Als Faustformel für den Einsatz von Additive Manufacturing in der Medizintechnik sollte gelten: Erfolgreiche AM-Bauteile sind klein, komplex, erfüllen eine besondere Funktion und müssen nicht in zu großer Stückzahl gefertigt werden.
Kristian Arntz, Fraunhofer IPT: „Als Faustformel für den Einsatz von Additive Manufacturing in der Medizintechnik sollte gelten: Erfolgreiche AM-Bauteile sind klein, komplex, erfüllen eine besondere Funktion und müssen nicht in zu großer Stückzahl gefertigt werden.
(Bild: Fraunhofer IPT)

Warum, glauben Sie, tun sich Medizintechnikunternehmen mit der Anwendung von AM-Technologien noch immer schwer?

Die Additive Fertigung weist eine Reihe spannender Vorteile auf, die in den letzten Jahren dazu geführt haben, dass neben Prototypen auch komplexe Bauteile in kleinen und mittleren Serien hergestellt werden können. Es zeigt sich aber auch, dass die Vorteile der Technologien nur erschlossen werden können, wenn es gelingt, diese auch in die Strukturen im Unternehmen zu integrieren – sonst werden sie meist nicht wettbewerbsfähig sein. Dazu gehören die Frage nach den richtigen Bauteilen oder deren Nachbearbeitung ebenso wie die digitale Prozesskette – also die Fähigkeit zur schnellen Gestaltung der Bauteile ebenso wie zur effizienten Einstellung von Prozessen. Es reicht eben nicht, nur eine Maschine zu beschaffen.

Was ist mit den heutigen 3D-Drucktechnologien schon in der Medizintechnik möglich?

Die Additive Fertigung hat sich in den letzten Jahren sehr schnell weiterentwickelt. Entscheidend ist das richtige Bauteil – möglichst komplex und in nicht zu großer Stückzahl zu fertigen. Wenn solche Komponenten identifiziert sind, können bereits heute diverse medizintechnisch zugelassene Werkstoffe verarbeitet und häufig voll-kommen neue Funktionen realisiert werden. Erste Beispiele patientenindividueller Implantate oder Geräte zeigen zudem, dass die Technologien wie in anderen Branchen insbesondere dann ihr großes Potential entfalten, wenn etablierte Strukturen und Geschäftsmodelle in Frage gestellt werden.

Wie lässt sich AM in der Medizintechnik gewinnbringend einsetzen?

Von entscheidender Bedeutung ist es, dass der Einstieg gut geplant wird. Dazu gehört es, Erfolgsgeschichten genau zu analysieren und vor allem auch weniger erfolgreiche Fälle zu verstehen. „Bad Practices“ sind ebenso aufschlussreich wie „Best Practices“. Als Faustformel sollte gelten: Erfolgreiche AM-Bauteile sind klein, komplex, erfüllen eine besondere Funktion und müssen nicht in zu großer Stückzahl gefertigt werden. Gerade diese Grenze verschiebt sich mit der schnell steigenden Produktivität der Anlagen allerdings zusehends. Betrachtet werden muss dann immer die gesamte Prozesskette – AM-Bauteile sind nur in seltenen Fällen direkt aus der Maschine einsatzfertig. Wenn man diese Punkte beachtet, können häufig vollkommen neue, funktionale Bauteile realisiert werden, die den Aufwand mehr als wert sind.

Gemeinsam mit dem Aachen Center for Additive Manufacturing als fachlichem Partner und Devicemed als Medienpartner lädt der Formnext-Veranstalter Mesago am 8. Oktober zum kostenlosen Halbtagesseminar „Discover 3D-Printing Medical“ an die Universitätsmedizin Mainz ein. Hier geht es zur Anmeldung.

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