Universitätsmedizin Mainz

Erste erfolgreiche Speiseröhrenkrebs-OP mit Da-Vinci

| Redakteur: Kathrin Schäfer

Mit dem neuen Da-Vinci OP-Roboter erweitert die Universitsmedizin Mainz ihr Spektrum robotergestützter Operationen.
Mit dem neuen Da-Vinci OP-Roboter erweitert die Universitsmedizin Mainz ihr Spektrum robotergestützter Operationen. (Bild: Peter Pulkowski / Universitsmedizin Mainz)

Übertreffen Roboter Ärzte als Operateure? Präzisere Eingriffe ermöglichen sie in jedem Fall – auch wenn sie bislang „nur“ unterstützend eingesetzt werden. An der Universitätsmedizin Mainz kommt seit Ende 2016 die neueste Generation des Da-Vinci-OP-Roboters zum Einsatz.

Dort führen Urologen jetzt beispielsweise auch Blasenentfernungen roboterassistiert durch. Doch nicht nur die Urologen können ihr OP-Spektrum mit dem neuen Da-Vinci-OP-Roboter erweitern. Auch die Chirurgen der Klinik für Abdominal-, Viszeral- und Transplantationschirurgie (AVTC) der Universitätsmedizin Mainz nutzen jetzt das neue System. Erstmals in Rheinland-Pfalz haben sie erfolgreich eine Speiseröhre ausschließlich mit roboter-unterstützter, minimal-invasiver Technik entfernt. Darüber hinaus kommt der neue Da-Vinci Roboter bei Operationen am Darm und der Bauchspeicheldrüse zum Einsatz.

Robotertechnik erhöht die Präzision chirurgischer Eingriffe

Bei dem jüngsten Eingriff setzten Chirurgen der AVTC um Oberarzt Dr. Peter Grimminger, Leiter der Magen- und Speiseröhrenchirurgie, den neuen Da-Vinci-OP-Roboter für eine komplette Speiseröhrenkrebs-Operation und deren Rekonstruktion ein. Bislang führte die AVTC-Eingriffe dieser Art bereits komplett minimal-invasiv mittels der sogenannten Schlüssellochtechnik durch. „Das Da-Vinci-OP-System versetzt uns in die Lage, die Präzision des Eingriffs noch weiter zu erhöhen. Die erste roboterassistierte Speisenröhrenoperation ist erfolgreich verlaufen“, betont Dr. Grimminger.

Tatsächlich zeichnet sich der neue Roboter durch eine verbesserte 3D-Bildqualität mit einer noch höheren Auflösung aus. Zudem lässt er sich vergleichsweise einfach bedienen. „Beides sind entscheidende Faktoren für präzisere chirurgische Eingriffe. Denn vor allem die Bildgebung dient uns Chirurgen in hohem Maße, um wichtige anatomische Strukturen wie Nerven und Blutgefäße bei einer OP zu schonen und die Funktion von Organen erhalten zu können. Gerade für den Erhalt der Kontinenz und Potenz bei einer Prostataentfernung ist das von zentraler Bedeutung“, pflichtet auch der Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie, Univ.-Prof. Dr. Axel Haferkamp, bei.

Unwillkürliche Bewegungen kann Da-Vinci ausgleichen

„Mithilfe der beim neuen Da-Vinci-OP-Roboter noch leichter führbaren Instrumente können wir jetzt auch beispielsweise eine Blasenentfernung roboterassistiert durchführen. In derselben OP kann dabei eine Harnableitung aus dem Darm erfolgen, ohne dass der Bauchraum geöffnet werden muss“, so Prof. Haferkamp. Auch sind jetzt eine Nierenteilentfernung bei Nierenkrebs, das Erstellen einer Nierenbeckenplastik bei Harnleiterenge und die Senkung der Gebärmutter roboterassistiert machbar.

Wie beim Vorgängermodell steuert der Chirurg die beweglichen Greifarme des neuen Da-Vinci-OP-Roboter mittels einer Steuerkonsole. Die Greifarme sind mit einer endoskopischen Kamera und Operationsinstrumenten wie Scheren und Pinzetten ausgestattet. Sie lassen sich durch kleine Schnitte in den Bauchraum einführen. Computergestützt werden die Handbewegungen an der Konsole auf die elektronischen Roboterarme übertragen. Das geschieht millimetergenau, und unwillkürliche Bewegungen werden dabei ausgeglichen. Der Hersteller Intuitive Surgical bezeichnet letzteres als Anti-Tremorwirkung.

Im Vergleich zur minimal-invasiven Chirurgie bietet die Roboter-Chirurgie den Vorteil, dass die Instrumente im Hinblick auf ihre Freiheitsgrade an die menschliche Hand angepasst sind. Daraus resultiert eine erhöhte Beweglichkeit, mit der sich die operative Präzision steigern lässt.

Den neuen Roboter will die Klinik für Abdominal-, Viszeral- und Transplantationschirurgie künftig nicht nur für Speiseröhrenkrebs-Operationen, sondern noch in anderen Bereichen einsetzen, beispielsweise um bestimmte Tumoroperationen an der Speiseröhre, am Magen, an der Bauchspeicheldrüse und dem Darm noch präziser durchzuführen.

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