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ZVEI exklusiv „Digitalisierung bleibt wichtigster Treiber für Fortschritt“

| Redakteur: Peter Reinhardt

Was sind die Erwartungen und Herausforderungen der Hersteller von Medizinprodukten fürs Jahr 2020? Das erklärt Hans-Peter Bursig* vom ZVEI exklusiv für Devicemed im Interview.

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Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI: „In Zukunft werden Hersteller deshalb die positiven Effekte der eigenen Produkte innerhalb von Behandlungsketten belegen müssen. Die reine CE-Kennzeichnung reicht dann nicht mehr für den wirtschaftlichen Erfolg aus.“
Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI: „In Zukunft werden Hersteller deshalb die positiven Effekte der eigenen Produkte innerhalb von Behandlungsketten belegen müssen. Die reine CE-Kennzeichnung reicht dann nicht mehr für den wirtschaftlichen Erfolg aus.“
(Bild: Devicemed)
  • Grundsätzlich weiter rund 5 Prozent Wachstum erwartet
  • MDR wird Branche über den Geltungsbeginns hinaus beschäftigen
  • Digitalisierung steigert technische Komplexität, doch Experten sind rar

Die Elektroindustrie erwartet insgesamt allenfalls ein stabiles Jahr 2020. Sehen Sie für die Elektromedizin eine bessere Perspektive?

Die langfristigen Perspektiven für die Medizintechnik sind unverändert positiv. Grundsätzlich erwarten wir deshalb, wie in den letzten Jahren, ein Wachstum von etwa fünf Prozent. Allerdings ist die tatsächliche Entwicklung sowohl von der weltweiten Konjunktur als auch den Entwicklungen der internationalen Handelspolitik abhängig. Wachsen kann die Elektromedizin vor allem in den Schwellenländern in Asien und Lateinamerika.

Welche Technologien und Trends sind hier die Treiber?

Telemedizin und die Unterstützung für das medizinische Personal durch IT-Systeme sind dabei aktuell die bestimmenden Bereiche, die es voranzutreiben gilt. Sie sind in Industrie- und Schwellenländern gleichermaßen von Interesse – entweder als Antwort auf die demografische Entwicklung oder als Möglichkeit eine flächendeckende Versorgung aufzubauen. Damit ist und bleibt die Digitalisierung wichtigster Treiber für technologischen wie wirtschaftlichen Fortschritt. Sie ermöglicht, die medizinische Versorgung effizient und mit hoher Qualität zu organisieren.

Welches sind über die Umsetzung der MDR hinaus Herausforderungen, die das Wachstum der Branche bremsen, schlimmstenfalls verhindern?

Zu den großen Herausforderungen in den nächsten zwei bis drei Jahren gehört die Umsetzung der Medical Device Regulation. Sie wird die Branche auch über den Geltungsbeginn hinaus noch einige Zeit beschäftigen und in den Unternehmen weiterhin Ressourcen binden. Aus Sicht der Hersteller ist deshalb eine Entlastung bei den regulatorischen Anforderungen notwendig, wie etwa eine Harmonisierung zwischen den wichtigen internationalen Märkten, die im International Medical Device Regulators Forum (IMDRF) kooperieren, und der EU. Vorstellbar ist hier eine gegenseitige Anerkennung von Audits oder Zertifikaten.

Eine weitere Herausforderung ist die starke Zunahme der technischen Komplexität vieler Produkte durch die Digitalisierung. Entsprechende Experten für diese Entwicklung sind rar. Hinzu kommt, dass diese Produkte häufig Teil einer Behandlungskette sind, die aus Sicht der Kunden und Anwender wichtiger ist als das einzelne Medizinprodukt. In Zukunft werden Hersteller deshalb die positiven Effekte der eigenen Produkte innerhalb solcher Behandlungsketten belegen müssen, wodurch die reine CE-Kennzeichnung für den wirtschaftlichen Erfolg dann nicht mehr ausreicht.

Die Fragen stellte Peter Reinhardt, Chefredakteur von Devicemed.

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* Hans-Peter Bursig ist Geschäftsführer des Fachverbands „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI – Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V.

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