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BV-Med-Herbstumfrage 2026 Die Stimmung in der Medtech-Branche hellt sich auf

Quelle: Pressemitteilung BV-Med 5 min Lesedauer

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Die Stimmung in der deutschen Medizintechnik-Branche hat sich nach der BV-Med-Herbstumfrage 2026 gegenüber den Vorjahren leicht aufgehellt. Damit verbindet sich aber die klare Erwartung an die Politik, die MDR-Revision, den Bürokratieabbau und einen verbesserten Innovationszugang voranzutreiben. 

BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll hat auf der Jahrespressekonferenz des Medtech-Verbandes die Ergebnisse der diesjährigen Herbstumfrage vorgestellt.(Bild:  BV-Med/Tina Eichner)
BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll hat auf der Jahrespressekonferenz des Medtech-Verbandes die Ergebnisse der diesjährigen Herbstumfrage vorgestellt.
(Bild: BV-Med/Tina Eichner)

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz stellte BV-Med-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll die Ergebnisse der diesjährigen BV-Med-Herbstumfrage vor. Die 120 teilnehmenden BV-Med-Mitgliedsunternehmen erwarten in Deutschland für dieses Jahr einen Umsatzanstieg von 3,9 Prozent gegenüber 2025. „Die Umsatzerwartung ist 2026 optimistischer als in den Vorjahren. Die Gewinne der KMU-geprägten Branche stehen aber durch steigende Kosten für Bürokratie, Zertifizierungen, Personal, Logistik und Transport stark unter Druck. Und dabei sind die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes noch nicht abgebildet“, sagte Möll.

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45 Prozent der Unternehmen gehen von einer Verschlechterung der Gewinnsituation aus. Der wichtigste Grund für die angespannte Geschäftssituation sind laut der BV-Med-Umfrage die stark steigenden Kosten am Standort Deutschland. 63 Prozent der befragten BV-Med-Unternehmen beklagen sich über den zunehmenden bürokratischen Aufwand als Kostentreiber. Darauf folgen mit 60 Prozent die steigenden Personalkosten sowie mit 58 Prozent die steigenden Logistik- und Transportkosten. 55 Prozent der Unternehmen nennen Sparmaßnahmen im GKV-System, 52 Prozent den Preisdruck durch Einkaufsgemeinschaften und Klinikketten.

Der zunehmende Druck auf die Gewinnsituation der Branche wirkt sich auch auf die Investitionen am Standort Deutschland aus, die gegenüber dem Vorjahr insgesamt stagnieren. 27 Prozent der befragten Unternehmen verlagern Investitionen ins Ausland, insbesondere in die USA, nach China und Indien.

Positiver sieht die Entwicklung im Bereich Forschung und Entwicklung aus. 33 Prozent der Unternehmen geben an, ihre Investitionen für Forschung und Entwicklung in den nächsten fünf Jahren trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage steigern zu wollen. 32 Prozent planen, das aktuelle Niveau zu halten. Im Durchschnitt investieren die an der BV-Med-Herbstumfrage teilnehmenden Unternehmen 9,2 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Das liegt über dem Branchendurchschnitt von rund 8 Prozent. Ein Drittel der Investitionen geht allerdings nach wie vor in die Erfüllung der regulatorischen Anforderungen durch die MDR. Nur knapp ein Drittel fließt in echte Neuentwicklungen bzw. innovative Produkte und Lösungen.

Branche bleibt Jobmotor

Trotz der Krisenauswirkungen und dramatisch steigender Kosten schafft die Medizintechnik-Branche in Deutschland weiter zusätzliche Arbeitsplätze. 37 Prozent der Unternehmen, die sich an der BV-Med-Herbstumfrage 2026 beteiligten, erhöhen die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr. 38 Prozent halten die Arbeitsplätze stabil. Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der Medtech-Branche sind dabei weiter ausgezeichnet. 82 Prozent der Unternehmen halten die Aussichten für unverändert gut bzw. besser.

Gesucht werden v. a. lernende kaufmännische Berufe, Ingenieure, lernende technische Berufe, Medizintechniker, Informatiker bzw. Data Scientists, Naturwissenschaftler sowie Pflegekräfte. Personal suchen fast 80 Prozent der BV-Med-Unternehmen in Deutschland, v. a. im Vertrieb. Der Fachkräftemangel ist auch in der Medizintechnik stark spürbar. So geben über 80 Prozent der Unternehmen, die aktuell Personal suchen, an, dass sie Probleme haben, offene Stellen zu besetzen.

10-Punkte-Plan, um den MedTech-Standort Deutschland zu stärken

Mark Jalaß, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Medizintechnologie (BV-Med)
(Bild: BV-Med/Tina Eichner)

„Der Herbst der Reformen muss jetzt kommen. Wir brauchen ein einheitliches und strategisches Handeln der Bundesregierung. Ein Schlüssel für den Weg aus der Krise ist die Innovationskraft der industriellen Gesundheitswirtschaft, insbesondere der Medtech-Branche. Wichtig ist jetzt eine abgestimmte und ressortübergreifende Gesamtstrategie, die den Unternehmen Verlässlichkeit und Planungssicherheit für Investitionen gibt“, so der BV-Med-Vorstandsvorsitzende Mark Jalaß auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Berlin.

Der BV-Med hat dazu einen 10-Punkte-Forderungskatalog an die Bundesregierung vorgestellt. Ziel ist es, den Medtech-Standort Deutschland zu stärken und eine smarte Gesundheitsversorgung durch technologische Innovationen zu ermöglichen. Der 10-Punkte-Plan enthält insgesamt 50 Einzelforderungen zu den folgenden Bereichen:

  • Kabinettsbeschluss zur Medtech-Strategie mit einem klaren Umsetzungszeitplan und einer Verstetigung des Medtech-Dialogs.

  • Wettbewerbsfähigkeit des Medtech-Standorts durch einen konsequenten Bürokratieabbau stärken, insbesondere durch eine zügige MDR-Revision.

  • Planungssicherheit für Standortinvestitionen der Unternehmen erhöhen.

  • Handelshemmnisse abbauen und Exporte stärken.

  • Innovationszugang beschleunigen und Bewertungsverfahren transparenter gestalten.

  • Smarte Gesundheitsversorgung durch eine bessere KI- und Datennutzung sowie die digitale Versorgung mit Telemonitoring in die Fläche bringen.

  • Nachhaltige Krankenhausfinanzierung sicherstellen, Medizinprodukte adäquat vergüten und Investitionen im Krankenhausbereich erhöhen.

  • Ambulante Versorgung – insbesondere die Hilfsmittel- und Homecare-Versorgung – stärken.

  • Volkskrankheiten strategischer angehen sowie Prävention und Früherkennung stärken.

  • Langfristig angelegte Krisenvorsorge-Strategie, bei der die Medtech-Branche frühzeitig eingebunden werden muss.

FDA beliebter als EU-MDR

Die Zeiten, in denen das europäische Regulierungssystem für Medizinprodukte, das europäische CE-System, dem US-amerikanischen FDA-System überlegen war, sind lange vorbei. Das verdeutlicht die BV-Med-Herbstumfrage seit mehreren Jahren. Der Trend hat sich 2026 sogar noch weiter verstärkt. Eine deutliche Mehrheit von 62 Prozent der Unternehmen präferiert das FDA-System. Im Vorjahr waren es 56 Prozent. Nur 9 Prozent der BV-Med-Mitglieder ziehen das MDR-System der EU vor.

Die MDR muss also nach Meinung der BV-Med-Unternehmen dringend weiterentwickelt und verbessert werden. 77 Prozent der Unternehmen wünschen sich dabei v. a. weniger Bürokratie. Wichtig sind den Unternehmen zudem die Abschaffung der Rezertifizierung alle fünf Jahre, vorhersehbare und klare Fristen sowie Fast-Track-Verfahren für Innovationen. Ebenfalls weit oben auf der Forderungsliste: berechenbare Kosten, die gegenseitige Anerkennung von ausländischen Zulassungen sowie mehr Verfahrens-Transparenz bei den benannten Stellen.

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Neben der anhaltenden Großbaustelle MDR beklagen die BV-Med-Unternehmen insbesondere die zusätzlichen Belastungen aus umweltrechtlichen Regelungen und nachhaltigkeitsbezogenen Berichtspflichten.

Innovationszugang verbessern

Neben einer zügigen MDR-Revision erwarten die Unternehmen v. a., dass der Innovationszugang verbessert und beschleunigt, dass der ressortübergreifende Medtech-Dialog der Bundesregierung verstetigt und das Gesundheitssystem insgesamt digital und datenbasiert ausgerichtet wird. Weit oben auf der Forderungsliste steht zudem, die G-BA-Verfahren zu überarbeiten und zu beschleunigen, die Krankenhausleistungen bedarfs- und ergebnisorientiert zu finanzieren, die Hilfsmittel-Versorgung und Homecare zu stärken und deren qualifizierte Fachkräfte einzubinden sowie Volkskrankheiten früher zu erkennen und zu behandeln.

Der BV-Med-Innovationsklimaindex, der seit 2012 ermittelt wird, steigt auf 4,4 von 10 Punkten. Das ist eine weitere Verbesserung gegenüber den Vorjahren und dem absoluten Tiefstwert aus dem Jahr 2023. „Der Wert zeigt die Hoffnung, dass die Politik die Probleme des Standorts nicht nur erkannt hat, sondern nun auch geeignete Gegenmaßnahmen umsetzt und die Unternehmen von überflüssiger Bürokratie befreit und Prozesse beschleunigt“, so BV-Med-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll abschließend.

Zur BV-Med-Herbstumfrage

Der BV-Med führte bei seinen Mitgliedsunternehmen im August und September 2026 eine umfassende Online-Befragung mit insgesamt 29 Fragen durch. Von den 220 ordentlichen BV-Med-Mitgliedern mit Stimmrecht haben sich 120 Unternehmen beteiligt.

An der BV-Med-Umfrage nahmen v. a. Hersteller von Medizinprodukten teil, aber auch Fach- und Großhändler, Hilfsmittel-Leistungserbringer und Homecare-Versorger, Zulieferer, DiGA-Hersteller sowie Software-Unternehmen. Die vom BV-Med vertretenen Produktbereiche sind dabei heterogen: von Verbandmitteln und Hilfsmitteln über OP-Produkte, Implantate und Geräte bis hin zu digitalen Versorgungslösungen und Homecare.

Die Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, haben ihren Hauptsitz zu 63 Prozent in Deutschland, zu 18 Prozent im europäischen Ausland – darunter 7 Prozent in Frankreich – und zu 13 Prozent in den USA.

Alle Ergebnisse der Herbstumfrage und weitere Informationen gibt es auf der Website des BV-Med.