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Ernst & Young Die richtige PLM-Strategie als Wettbewerbsvorteil

| Autor/ Redakteur: Simon Flöth, Dr. Adrian Reisch und Felix Bier* / Julia Engelke

Die Produktentwicklung in der Medizintechnik ist von steigenden Kundenanforderungen und Innovationsdruck geprägt. Ein modernes Produktlebenszyklusmanagement (PLM) hilft Unternehmen, den Fokus nicht zu verlieren.

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Ein ganzheitlicher Ansatz kombiniert strategische und umsetzungsorientierte Faktoren.
Ein ganzheitlicher Ansatz kombiniert strategische und umsetzungsorientierte Faktoren.
(Bild: Ernst & Young)
  • Die richtige PLM-Strategie führt zu mehr Effizienz
  • Unternehmens-Analyse als Ausgangspunkt
  • Visionäres Zielbild gibt Orientierung bei der Entwicklung
  • End-to-End-Betrachtung ist Garant für eine erfolgreiche Strategie

Steigende Markt- und Kundenanforderungen erhöhen die Variantenvielfalt von Produkten. Wachsende regulatorische Anforderungen lassen die ohnehin schon hohe Komplexität weiter steigen, und die Verlagerung von mehr und mehr Funktionalitäten in die Software führt zu exponentiell steigenden Mengen an Produktdaten. Dabei zwingt ein hoher Innovationsdruck die Medizintechnikunternehmen, Produkte immer schneller auf den Markt zu bringen.

Produktlebenszyklusmanagement hilft bei Datenflut

Als Ergebnis dieser Trends und Herausforderungen stehen viele Unternehmen einer Datenflut gegenüber: Immer mehr Informationen müssen in kürzerer Zeit, zu geringeren Kosten und unter engeren Vorgaben erstellt und vorgehalten werden. Besonders für Hersteller medizintechnischer Geräte herrscht ein traditionell hoher Druck zur durchgängigen Produktvalidierung. Behalten sie ihre konventionellen Prozesse bei, laufen Unternehmen der Branche Gefahr, ihre Aufwände in Risiko-, Freigabe- und Qualitätsmanagement zu vervielfachen.

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Die notwendigen Dokumentationen zur Marktfreigabe eines Produkts dominieren oft das Tagesgeschäft. Damit werden die eigentlich wesentlichen, kundenzentrierten Ziele in den Hintergrund gedrängt und der Fokus auf innovative Produkte erschwert. Spätestens dann sollten Unternehmen ihre etablierten Prozesse und Systeme rund um die Produktentstehung überdenken: Es bedarf einer konsistenten, zukunftsfähigen Strategie zum unternehmensweiten Produktlebenszyklusmanagement (PLM).

Mit der richtigen PLM-Strategie zu mehr Effizienz und rascheren Markteinführungen

In den meisten Unternehmen sind bereits große Mengen produktbezogener Informationen vorhanden. Was aber häufig fehlt, ist deren konsistente Digitalisierung und Integration über verschiedene Funktionen und Systeme hinweg. Hierdurch entstehen Mehraufwände, u.a. durch Suche, Wiederaufbereitung, manuelle Übertragung und redundante Erstellung von Informationen. Ein modernes PLM-Konzept sieht hingegen vor, dass Formate zwischen den Systemen automatisch umgewandelt werden – gestützt durch einen durchgängigen Entwicklungsprozess. Die logische, produktzentrische Verknüpfung und digitalisierte Freigabe der Daten erfolgt dabei über eine zentrale Integrationsplattform als „single source of truth“.

Durch diese einheitliche Datenbasis lässt sich die zunehmend interdisziplinäre und globalisierte Zusammenarbeit trotz steigender Komplexität effizienter gestalten. Integrierte Geschäftsprozesse führen zu weniger Nach- und Doppelarbeiten, höherer Planungssicherheit, Zuverlässigkeit und zufriedeneren Kunden. Die parallele Erfüllung regulatorischer Anforderungen – z.B. das Vorhalten der Produkt-Entwicklungshistorie in einem Design History File (DHF) – kann dabei weitestgehend automatisiert und somit zeitsparend übernommen werden. Darüber hinaus bildet ein konsistentes Produktdatenmanagement entlang des Lebenszyklus die notwendige Basis für zukunftsweisende IoT-Architekturen, Augmented-Reality-Anwendungen und den Digital Twin.

PLM-Projekte sind mehr als IT-Systemeinführungen

Vergleichbar mit einem Kompass kann die Entwicklung eines „PLM-Nordsterns“ als visionäres Zielbild einer Organisation Orientierung vor und während einer Transformation geben. Um abschätzen zu können, welche Zwischenschritte zur Zielerreichung erforderlich sind, muss die operative Wirklichkeit des Unternehmens – bestehend aus einer Bottom-up-Sicht und der Analyse externer Einflussfaktoren – herangezogen und der top-down-entwickelten Vision gegenübergestellt werden. Eine solche Fit-Gap-Analyse beeinflusst die Definition der PLM-Strategie wesentlich. Die Unternehmensstrategie, das Geschäftsmodell und das Produktportfolio bilden dabei die zentralen Ausgangspunkte für die Formulierung des PLM-Nordsterns.

PLM-Strategie ganzheitlich optimieren

Ähnlich relevant ist der unternehmensindividuelle PLM-Reifegrad von Belegschaft, Prozessen und IT. Auch die Entwicklungs- und Fertigungstiefe, der Grad der Globalisierung sowie die Form der Zusammenarbeit mit externen Partnern haben entscheidenden Einfluss. Nicht zu vernachlässigen sind unternehmenskulturelle Aspekte: Neue Ansätze können nicht greifen, wenn interne Entscheidungswege, informelle Kommunikationsstrukturen sowie gelebte Transparenz und Kollaboration zwischen verschiedenen Unternehmensbereichen nicht berücksichtigt werden.

Insbesondere Medizintechnikunternehmen müssen zudem besonders darauf achten, dass interne Anforderungen stets im Einklang mit externen regulatorischen Rahmenbedingungen erfüllt werden, wie etwa mit der neuen EU-Medizinprodukteverordnung (Medical Device Regulation – kurz: MDR).

Berücksichtigung der kommerziellen Seite

Neben der inhaltlichen Ausgestaltung muss bei der Verabschiedung eines PLM-Nordsterns auch die kommerzielle Seite berücksichtigt werden, und zwar in Form eines detaillierten Business Case. Auf Basis dieser Entscheidungsgrundlage und mit Rückendeckung durch das Top-Management lassen sich Grobkonzepte zur Ausgestaltung und digitalen Abbildung der PLM-Prozesse ableiten und eine Vorauswahl der benötigten IT-Lösungen treffen.

Bei der Abstimmung der Prozessgestaltung und der Steuerung der Implementierung können ein externer Partner und dessen unabhängiger Blick wertvoll unterstützen. Das gilt auch für die Strategieentwicklung, die Analyse und Verschlankung der IT-Landschaft sowie die Auswahl neuer Systeme und Implementierungspartner.

Die Fähigkeit zur End-to-End-Betrachtung – von der Entwicklung und Einbettung einer globalen PLM-Vision in die Unternehmensstrategie bis zur Steuerung der agilen Umsetzung von einzelnen Prozessschritten im System – ist dabei der wichtigste Garant für eine ganzheitlich optimierte PLM-Strategie.

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* Die Autoren: Dr. Adrian Reisch und Felix Bier sind im Product Lifecycle Management Team von Ernst & Young, Simon Flöth ist ehemaliger Mitarbeiter bei Ernst & Young.

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