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Seleons Nähkästchen Das Mindesthaltbarkeitsdatum einer Konformitätserklärung

Redakteur: Julia Engelke

Im sechsten Teil unserer Kolumne der Regulatory-Affairs-Experten von Seleon dreht sich alles um Konformitätserklärungen. In den letzten Wochen vor dem Start der Medical Device Regulation (MDR) werden viele Themen diskutiert, aber das ist ein wenig auf der Strecke geblieben. Wie steht es mit der Gültigkeit der Konformitätserklärungen? Und gibt es ein Mindesthaltbarkeitsdatum?

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Damit Ihre Projekte nicht Gefahr laufen zu platzen: das Seleon-Nähkästchen zu Regulatory Affairs.
Damit Ihre Projekte nicht Gefahr laufen zu platzen: das Seleon-Nähkästchen zu Regulatory Affairs.
(Bild: Devicemed/Daniel Grimm)

Es ist April 2021 und der Start der Medical Device Regulation (MDR) rückt immer näher. Es gibt Themen, die werden groß und breit diskutiert, es gibt Arbeitsgruppen oder Schulungen mit den unterschiedlichsten Inhalten. Sei es in den Bereichen UDI, Eudamed-Registrierung, Umstellung der technischen Dokumentation auf Anhang II und III, aber auch die klinische Bewertung oder die Post-Market-Surveillance. Gewiss gibt es hier bei einigen Herstellern noch Luft nach oben. Doch es gibt ein Thema, das trotz all der Aktivitäten noch nicht deutlich thematisiert wurde: Die Gültigkeit der Konformitätserklärungen oder besser gesagt, deren Mindesthaltbarkeitsdatum.

Nun wird manch einer sagen: Aber es gibt doch im Artikel 120 der MDR die Übergangsbestimmungen und diese orientieren sich an der Gültigkeitsdauer des jeweiligen Zertifikats. Kommt es zu keiner signifikanten Änderung, ist doch alles klar.

Doch bei näherem Betrachten fühlt sich das Ganze schon anders an. Eher wie der vergessene Joghurt im hinteren Eck des Kühlschranks, dessen MHD bereits seit einer Woche abgelaufen ist. Kann man das noch essen? Kann man es noch anderweitig verbrauchen? Oder wirft man es lieber gleich weg?

Hersteller haben unterschiedliche Ansätze

Hersteller haben verschiedene Ansätze für die Ausstellung ihrer Konformitätserklärung. Manche sind an die Gültigkeitsdauer ihres Zertifikats angelehnt. Andere stellen ihre Konformitätserklärung aber auf jährlicher Basis aus. Manche QM-Systeme machen auch im Falle nicht-signifikanter Änderungen die Neuausstellung einer Konformitätserklärung notwendig. Unter Umständen wird die Konformität chargenbezogen erklärt.

Für Klasse 1 Produkte gibt es recht deutliche Vorgaben basierend auf dem MDCG Guidance 2020-2 Rev. 1: „A valid Declaration of Conformity, according to Annex VII of the MDD, must be drawn up before 26 May 2021“.

Klare Antwort? Fehlanzeige

Antworten auf die Fragestellungen, die sich aus der individuellen Erstellung von jährlichen oder chargenbezogenen Konformitätserklärungen ergeben, gibt es in diesem Dokument leider nicht. Es wird lediglich auf den Blue Guide der EU verwiesen, der sich jedoch noch auf dem Stand von 2016 befindet und somit vor Erscheinen der MDR im Jahr 2017. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass sich dieser Satz auch auf höherklassige Produkte übertragen lässt, jedoch liegt den betroffenen Klasse-I-Produkten kein Zertifikat zu Grunde, in dessen Rahmen eine benannte Stelle eingebunden wäre.

Was also tun?

  • Die aktuelle Version der Konformitätserklärung in Bezug auf deren Gültigkeitsdauer prüfen
  • Das MDCG Guidance zu den Major Changes für die Übergangsphase beachten: MDCG 2020-3
  • Die benannte Stelle und deren Position zu der Thematik befragen
  • Das QM-System anpassen, soweit dies in der gebotenen Zeit noch möglich ist

Letztlich muss jeder wie bei dem Joghurt abwägen, welchen Weg er wählt. Es wird wohl keinen geben, der jedem gerecht wird. Nur auf das Verderben warten, das sollte man nicht.

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