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Innovationsforum Zerspanungstechnologie

„Das Geld wird an der Schneidkante verdient“

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Aber offensichtlich weiß man dort mit diesen Herausforderungen umzugehen. Gemeinsam mit der Syntellix AG aus Hannover wurden die ersten zugelassenen Knochenschrauben aus einer Magnesiumlegierung entwickelt. Das Besondere: Das Material löst sich nach ein bis zwei Jahren auf, so dass diese Implantate nicht in einer zweiten Operation entfernt werden müssen.

Modulation der Amplituden sorgt für kontrollierten Spanbruch

Über Späne-Probleme anderer Art hat Michael Maier, Geschäftsleitung/CEO von Maier Werkzeugmaschinen berichtet: „Gerade beim Drehen von Implantaten aus schwer zerspanbaren Materialien verhindern Späne, die sich um die Werkstücke wickeln, häufig die Wirkung von Kühlschmierstoffen und die Übergabe in die Abgreifspindel.“ Um dies abzustellen, hat Maier in verschiedenen Versuchen Materialien mit hoch- und niederfrequenten Schwingungen zerspant und dabei festgestellt, dass durch die Modulation der Amplituden ein kontrollierter Spanbruch erzeugt werden kann. Dadurch sei der Span keine Unbekannte mehr, sondern individuell beeinflussbar, ohne die Werkzeuggeometrie zu verändern. „Eine Beeinflussung des Spanbruchs durch modulierte Schwingungen verbessert die Prozessstabilität beim Drehen und Bohren von Implantaten aus schwer zerspanbaren Materialien“, so Maier.

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Industrie 4.0 steht in den Startlöchern

Auch wenn das Thema Industrie 4.0 in verschiedenen Vorträgen bereits vereinzelt angesprochen wurde, sieht Volker Marquardt, Gründer und Inhaber von Synop Systems, diese Technologie bei den Herstellern von Implantaten und Instrumenten bislang bestenfalls in den Startlöchern. Zwar würden in der medizinischen Diagnostik schon intensiv Daten aus Prozessen und Geräten genutzt, um neue Geschäftsmodelle zu erschließen, doch in der Fertigung sei noch ein stark unterschiedlicher Reifegrad bei der Nutzung verfügbarer Daten festzustellen. Dabei hat Marquardt keine Zweifel, dass auch – oder gerade – hier großes Potenzial sei. Andere Branchen wie die Hausgeräteindustrie, die Agarindustrie mit Traktorenherstellern und nicht zuletzt die Automobilindustrie böten hier gute Beispiele für smarte Fertigung, smarte Produkte und smarte Services.

Die Automobilindustrie macht es Medizintechnikherstellern vor

Auf die Automobilindustrie lenkt auch Nina Hönig, Junior Consultant Medical Device bei Chemgineering Business Design, die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Denn einen goldenen Standard für ihr Lieferantenmanagement suchen Medizintechnikhersteller bislang vergebens. Manch einer von ihnen mag daher neidisch auf die Automobilindustrie blicken. Denn alleine dort gibt es hierfür bislang eine vielversprechende Strategie. Das präventive Lieferantenmanagement oder PPAP (Production Part Approval Process) ist sinnvoll für Produkte, die unter Routinebedingungen hergestellt werden – also auch chirurgische Instrumente und Implantate. Zwar weichen viele Begrifflichkeiten zwischen den beiden Branchen voneinander ab, doch stecken letztlich oft die gleichen Prozesse und Verfahren dahinter. Insofern luden Hönigs „Übersetzungen“ dazu ein, Berührungsängste abzubauen. „Denn letztlich können mit PPAP pragmatische statt bürokratischer Prozesse umgesetzt werden“, so Hönig.

Ein regionales Zerspanungsnetzwerk etablieren

Damit spiegelt Hönig voll die Intention der Veranstalter wieder. Stellvertretend für alle Akteure hofft Prof. Azarhoushang, „das Momentum dieses Forums nutzen zu können, um ein regionales Netzwerk zu etablieren, das Industrie, Verbände, Hochschulen und Institute verbindet.“ Auf diese Weise würde eine nachhaltige Stärkung der Forschung im Bereich der Zerspanung erreicht, von der alle Beteiligten profitieren könnten.

Immerhin: Die hohe Besucherzahl bei dieser Erstveranstaltung spricht für ein attraktives Veranstaltungskonzept und interessante Inhalte. Das nächste Innovationsforum Zerspanungstechnologie ist in zwei Jahren geplant.

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