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Interview Agentische KI im Gesundheitssystem

Das Gespräch führte Julia Engelke 2 min Lesedauer

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Welche Chancen und welche Herausforderungen ergeben sich für agentische KI im Gesundheitssystem? Und welche Voraussetzungen müssen für ihren Einsatz geschaffen werden? Darüber hat Devicemed im Interview mit Hans-Peter Bursig* vom ZVEI gesprochen.

„Als relevanter Lieferant von Gesundheitsdaten ist moderne Medizintechnik Basis digitaler und vernetzter Versorgungsprozesse“, so Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik” im ZVEI. (Bild:  ZVEI/Melanie Bauer Photodesign)
„Als relevanter Lieferant von Gesundheitsdaten ist moderne Medizintechnik Basis digitaler und vernetzter Versorgungsprozesse“, so Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer Fachverband „Elektromedizinische Technik” im ZVEI.
(Bild: ZVEI/Melanie Bauer Photodesign)

Herr Bursig, was ist agentische KI?

Hans-Peter Bursig: „Klassische“ KI, etwa zur Texterstellung oder Datenanalyse, reagiert auf Eingaben. Agentische KI kann darüber hinaus Aufgaben erfassen und eigenständig nächste Schritte planen, digitale Werkzeuge nutzen und einzelne Prozessschritte relativ selbstständig koordinieren. Künstliche Intelligenz entwickelt sich damit von einer punktuellen Entscheidungshilfe zu einem System weiter, das ganze Versorgungsprozesse aktiv begleitet.

Welche Chancen und welche Herausforderungen ergeben sich für agentische KI im Gesundheitssystem?

Bursig: Die besondere Chance agentischer KI liegt darin, dass sie komplexe Abläufe im Versorgungsgeschehen aktiv begleiten kann. Sie führt Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammen, bereitet die jeweils nächsten Schritte vor, und verknüpft digitale Werkzeuge miteinander. Sie hilft damit dort, wo bisher häufig Brüche entstehen: an den Schnittstellen zwischen Diagnostik, Therapieentscheidung, Dokumentation, Nachsorge und administrativen Abläufen. Kurz, KI wird zum aktiven Begleiter von Patienten auf ihren Behandlungspfaden. Für Ärzte sowie Pflegekräfte kann das eine spürbare Entlastung bedeuten, für Patienten abgestimmte und schnellere Prozesse. Auch für die Hersteller von Medizintechnik eröffnen sich neue Möglichkeiten: Als relevanter Lieferant von Gesundheitsdaten ist moderne Medizintechnik Basis digitaler und vernetzter Versorgungsprozesse.

Die Herausforderungen sind entsprechend größer als bei klassischen KI-Anwendungen. Wenn Systeme eigenständig Schritte planen oder Prozesse koordinieren, müssen Datenqualität und auch Verantwortlichkeiten noch eindeutiger als heute schon bei „klassischer“ KI geregelt sein.

Welche notwendigen Voraussetzungen müssen für ihren Einsatz geschaffen werden?

Bursig: Agentische KI braucht ein verlässliches Datenfundament: hochwertige, strukturierte und interoperable Gesundheitsdaten aus verschiedenen Quellen. Nur so lassen sich solche Systeme überhaupt belastbar entwickeln und später in der Praxis verlässlich betreiben. Im Einsatz muss die Qualität der Daten genauso gut sein wie während der Entwicklung. Gleichzeitig müssen die anwendenden Stellen kritische Punkte wie Datenschutz und Cybersicherheit von Anfang an mitdenken. Entscheidend ist in jedem Fall, dass vielversprechende Anwendungen nicht im Pilotstadium stecken bleiben. Sie sollten unter klaren Rahmenbedingungen in die Versorgung gelangen. Hierfür muss das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitssystem (GeDIG) eine Grundlage schaffen. So müssen Gesundheitsdaten für Forschung und Entwicklung, auch in der Industrie, rechtssicher nutzbar sein. Wichtig sind zudem interoperable Datenräume, Reallabore und KI-spezifische Testumgebungen.

*Hans-Peter Bursig ist Geschäftsführer des Fachverbands „Elektromedizinische Technik“ im ZVEI, dem Verband der Elektro- und Digitalindustrie.

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