Die 3D-Drucktechnologie hat viele Bereiche der Medizinlandschaft grundlegend verändert. Maßgeschneiderte chirurgische Instrumente verbessern die präoperative Planung als auch die eigentlichen Eingriffe. Besonders in der Gehirnchirurgie erhöht der 3D-Druck die Präzision und verringert das Risiko bei invasiven Operationen.
Röhrenförmige Retraktoren werden in der Kavernom Chirurgie eingesetzt.
(Bild: Synergy 3DMed)
Kavernome (auch als kavernöse Hämangiome bezeichnet) sind abnormale Ansammlungen kleiner Blutgefäße im Gehirn und betreffen etwa einen von 200 Menschen. Die Behandlung erfordert häufig einen chirurgischen Eingriff, um das Risiko von Rupturen und Blutungen zu minimieren. Allerdings birgt eine solche Operation ein unvermeidlich hohes Risiko, gesundes Gewebe zu schädigen. Neurologische Defizite und Beeinträchtigungen wie Sehverlust können die Folgen sein. Weiterentwickelte chirurgische Verfahren sowie neue Instrumente können enorme Auswirkungen auf den Operationserfolg haben.
Von CAD zum Operationssaal: Die Mikro-Chance
Die additive Fertigung hat sich im chirurgischen Bereich längst etabliert. Die mikroadditive Fertigung (Mikro-AF) kann chirurgische Prozesse weiter verfeinern und die Behandlungsergebnisse verbessern. Traditionelle Positionierungswerkzeuge wie röhrenförmige Retraktoren für die Kavernom Chirurgie werden bereits in bestimmten Fällen 3D-gedruckt.
Mikro-3D-gedruckter Röhrenretraktor mit eingearbeiteten Fiber Optics
(Bild: Synergy 3DMed)
Ein neurochirurgischer Röhrenretraktor ermöglicht Chirurgen, Kavernome effektiver zu erreichen und zu entfernen. Früher wäre das chirurgische Hilfsmittel ein einfaches, monofunktionales Werkzeug gewesen. Durch die Verwendung von Mikro-3D-Druck konnte Synergy 3DMed den Röhrenretraktor neu gestalten und Fiber Optics in seine sehr dünne Struktur einarbeiten. Dies führt zu erweiterten Funktionen, die die Chirurgie einfacher und präziser machen und letztendlich die Ergebnisse für den Patienten verbessern. Zum Einsatz kam das Mikro-AF-System Fabrica von Nano Dimension.
Die Bereitstellung von 3D-gedruckten Lösungen direkt am Point-of-Care ermöglicht es, hochgradig angepasste Teile entsprechend der spezifischen Größe, Lage und Form des Kavernoms sowie der medizinischen Anforderungen jedes einzelnen Patienten zu produzieren. Für Krankenhäuser wird der Einsatz von Mikro-3D-Druck für solche patientenspezifischen Instrumente entscheidend für die Point-of-Care-Versorgung sein. Die Möglichkeit, die Form des Retraktors entsprechend den medizinischen Scans und den Anforderungen des Arztes anzupassen, ist ein entscheidende Faktor in diesem neuen Ansatz.
„Durch den Einsatz von Mikro-AF können wir winzige, integrierte Kanäle im Gerät hinzufügen, die nur 300 Mikrometer im Durchmesser sind und für die Einführung von Fiber Optics genutzt werden können“, erklärt Mickey Librus, CEO von Synergy 3DMed. „Die Möglichkeit, sowohl Licht als auch eine chirurgische Kamera zu integrieren, verwandelt das mikro-3D-gedruckte Instrument von einem reinen Positionierungstool in eine entscheidende Ergänzung für die Chirurgie. Es ist ein zentrales Element mit enormem Potenzial, die Patientenergebnisse in der Zukunft zu verbessern“, fügt er hinzu.
Bessere Ergebnisse – auch über den Operationssaal hinaus
Anstatt externes Zubehör zu verwenden, ist die direkte Integration von Licht und Kameras in das Retraktionswerkzeug für das neurochirurgische Team bahnbrechend. „Diese zusätzlichen Funktionen verbessern die Sichtbarkeit durch eine bessere Beleuchtung des Operationsfeldes. Indem das Licht nah am Kavernom positioniert wird, können Chirurgen alle Schatten eliminieren, die bei herkömmlicher Beleuchtung von oben auftreten könnten, und so eine bessere Sicht auf das Kavernom erhalten“, erklärt Librus. „In Kombination mit Kameras kann das gesamte Operationsteam den Eingriff aus nächster Nähe und in Echtzeit verfolgen, was ihnen ermöglicht, mit erhöhter Klarheit und Präzision zu operieren. Durch eine vergrößerte Ansicht des Bereichs mit integrierten Kameras können die Chirurgen eine genauere Navigation erreichen und das Trauma für das umliegende Gewebe minimieren“, fügt er hinzu.
Wenn das chirurgische Team Werkzeuge nutzt, die Nahaufnahmen der Operation ermöglichen, ergeben sich zusätzliche Möglichkeiten für die postoperative Analyse und Dokumentation. Diese zusätzlichen Funktionen optimieren nicht nur die Ergebnisse für jeden einzelnen Kavernom-Patienten. Sie fördern zudem die Ausbildung und verbessern langfristig die Behandlungsergebnisse.
Mikro-3D-Druck: Zukunft für die Kavernom-Behandlung
Die Entwicklung dieses mikro-3D-gedruckten Retraktionswerkzeugs für die Kavernom-Behandlung ist noch relativ neu. Sein potenzieller Einfluss auf die zukünftige Versorgung ist aber schon klar erkennbar. Die Bedeutung dieser Entwicklung reicht weit über Kavernome hinaus. Sie ebnet den Weg für eine neue Ära präziser chirurgischer Werkzeuge. 3D-Druck auf Mikrometerniveau zu bringen, eröffnet ein nahezu unvorstellbares Feld neuer Möglichkeiten, die die Point-of-Care-Versorgung von Krankenhäusern verbessern und chirurgische Geräte mit integrierten Zusatzfunktionen aufwerten. Diese können nicht nur die chirurgischen Fähigkeiten optimieren, sondern auch die Behandlungsergebnisse in zahlreichen medizinischen Bereichen transformieren und Hoffnung für einige der komplexesten Operationen bieten. Für den Moment scheint es, als ob die Zukunft der Kavernom-Behandlung bereits da ist – einflussreicher und vielversprechender denn je, dank Werkzeugen in Mikrogröße.
Stand: 08.12.2025
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*Michael Librus ist CEO und Gründer von Synergy 3DMed.