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ZVEI 20 Vorschläge für eine erfolgreiche Digitalisierung der Gesundheitsversorgung

| Redakteur: Peter Reinhardt

Das enorme Potenzial der digitalen Gesundheitsversorgung wird bisher längst nicht ausgeschöpft. Der ZVEI sagt nun ganz konkret, wo Handlungsbedarf besteht und übergibt 20 Vorschläge an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

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Dr. Klaus Mittelbach (l.), Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, und Hans-Peter Bursig (r.), Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik, übergeben 20 Vorschläge für eine erfolgreiche Digitalisierung der Gesundheitsversorgung an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.
Dr. Klaus Mittelbach (l.), Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, und Hans-Peter Bursig (r.), Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik, übergeben 20 Vorschläge für eine erfolgreiche Digitalisierung der Gesundheitsversorgung an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.
(Bild: ZVEI)
  • Neben innovativer Medizintechnik braucht es auch digitale Versorgungsprozesse
  • Ziesemer fordert Zielbild für E-Health
  • Deutschland droht international den Anschluss zu verlieren

„Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern dient dem Ziel, jedem Einzelnen die Gesundheitsversorgung anzubieten, die am besten zu seinem Gesundheitszustand und zu seinen Lebensumständen passt“, erklärte ZVEI-Präsident Michael Ziesemer am Rande des ZVEI-Jahreskongresses am 22. Mai 2019 in Berlin.

20 Vorschläge für die digitale Transformation

Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft stand im Fokus des ersten Kongresstages. Dort übergaben Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, und Hans-Peter Bursig, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik, 20 praxisrelevante Vorschläge für eine erfolgreiche Digitalisierung der Gesundheitsversorgung an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Der hat die Vorschläge mehr oder weniger kommentarlos entgegengenommen, um postwendend eine Keynote zum Thema „Digitale Versorgung gestalten – Chancen nutzen“ zu halten, in der er einmal mehr betonte, dass die Digitalisierung der deutschen Gesundheitswirtschaft jetzt mit konkreten Schritten vorangebracht werden müsse.

Ergänzendes zum Thema
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Alle 20 Vorschläge kurz und knapp im Überblick sowie ausführlich zum Download
  • 1. Einen gesetzlich definierten Rahmen für die Nutzung von personenbezogenen Daten mit einer Muster-Einwilligung und bundesweit einheitlichem Nutzungsmodell für personenbezogene Daten, ausschließlich für Verwendungen in den Bereichen Forschung und Entwicklung, schaffen.
  • 2. Gesetzliche Kriterien für den Entfall des Personenbezugs definieren.
  • 3. Gesetzlich die Weitergabe von Adressdaten im Falle einer nachträglichen Einwilligung für Forschungs- und Versorgungszwecke regeln.
  • 4. Ein Rechtemanagement bei jedem Leistungserbringer und eine Meldepflicht bei Verstößen verpflichtend einführen.
  • 5. Alle Leistungserbringer gesetzlich dazu verpflichten, angemessene Cybersicherheitsmaßnahmen vorzunehmen.
  • 6. Den Expertenkreis „Cybermed“ in der Allianz für Cyber-Sicherheit als Referenzgremium für das Thema Cyber-Sicherheit und Medizintechnik etablieren.
  • 7. Eine gesetzliche Grundlage für die retrospektive Nutzenbewertung für digitale Versorgungsangebote als gleichberechtigten Weg zur Nutzenbewertung mit befristeter Erstattung und Evaluation schaffen.
  • 8. Forschungsprojekte zur zukünftigen Berücksichtigung von weiteren Nutzen- bzw. Surrogatparametern und deren Nachweis als Alternative zu RCTs anschieben.
  • 9. Den § 140 a-d SGB V zur Integrierten Versorgung entbürokratisieren und eine gesetzliche Basis für die Überführung erfolgreicher IV-Modelle in die Regelversorgung schaffen.
  • 10. Eine nationale Koordinierungsstelle E-Health einrichten.
  • 11. Die Beteiligung von Mitarbeitern aus Wissenschaft und medizinischer Versorgung an internationaler Normungsarbeit und der Koordinierungsstelle E-Health fördern.
  • 12. Die aktive Mitarbeit Deutschlands im europäischen Datenschutzausschuss sicherstellen.
  • 13. Einen deutschen Vorstoß für einen „Digital Single Market Health“ innerhalb der EU einbringen.
  • 14. Die Snomed-CT-Lizenz für Deutschland erwerben.
  • 15. Grundwissen zur Datenanalyse / zum Datenmanagement in allen Ausbildungsgängen integrieren sowie vorhandenes Personal entsprechend weiterbilden und dies durch eine bundesweite Informationskampagne zu „Digital Health Literacy“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ergänzen.
  • 16. „Data Sharing“ als Grundprinzip für die Gesundheitsversorgung vermitteln.
  • 17. Ein Berufsprofil „Medical Data Scientist“ entwickeln.
  • 18. Eine öffentliche Debatte zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Solidarprinzip führen.
  • 19. Eine Informationskampagne zum Datenschutz und Cybersicherheit in der digitalen Gesundheitsversorgung durch die BZgA auf den Weg bringen.
  • 20. Eine Vertrauensstelle für Gesundheitsdaten einrichten, damit eine Datenspende von Gesundheitsdaten möglich wird.

Die 20 Vorschläge für eine erfolgreiche digitale Transformation der Gesundheitsversorgung in voller Länge finden Sie hier.

Für die Umsetzung der Digitalisierung schlägt der ZVEI unter anderem vor, einen gesetzlich definierten Rahmen für die Nutzung von personenbezogenen Daten sowie eine Vertrauensstelle für Gesundheitsdaten zu schaffen, damit eine freiwillige Weitergabe von Gesundheitsdaten (Datenspende) möglich wird. „Das aktuelle Datenschutzmodell in Deutschland passt weder zu einer datenbasierten Wirtschaft, noch zu einer digitalisierten Gesundheitsversorgung“, so Ziesemer. Zudem schlägt der ZVEI vor, alle Leistungserbringer gesetzlich zu folgendem zu verpflichten:

  • angemessene Cybersicherheitsmaßnahmen vornehmen
  • eine nationale Koordinierungsstelle E-Health einrichten
  • ein Berufsprofil „Medical Data Scientist“ entwickeln
  • eine öffentliche Debatte zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Solidarprinzip führen

Antworten auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung

Um das Potenzial einer digitalisierten Gesundheitsversorgung zu heben, bedarf es aus Sicht des ZVEI einer Definition strategischer gesundheitspolitischer und gesamtgesellschaftlicher Ziele. „Diese müssen in einem E-Health-Zielbild festgelegt werden“, betont Ziesemer. „Erst dann können alle Beteiligten im Gesundheitssystem die richtigen Maßnahmen in den jeweiligen Bereichen umsetzen, die anschließend in Summe zum gewünschten Ziel führen.“

„Die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft bietet Antworten auf die Herausforderungen der demografischen Entwicklung und trägt zur langfristigen Finanzierbarkeit der Krankenversicherung in Deutschland sowie der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts bei“, so Ziesemer weiter. Die Umsetzung des digitalen Wandels könne aber nur gelingen, wenn es zusätzlich zu innovativer Medizintechnik auch eine Digitalisierung der Versorgungsprozesse gäbe, also eine gänzlich neue Herangehensweise an die Gesundheitsversorgung

Die digitale Transformation der Gesundheitswirtschaft müsse in vielen verschiedenen Feldern gleichzeitig vorangetrieben werden, bekräftigt Bursig. „Auch wenn es schwierig ist, in dieser komplexen Situation den Überblick zu bewahren, muss der Prozess der digitalen Transformation jetzt Fortschritte machen. Sonst droht Deutschland international den Anschluss zu verlieren“, so der Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik.

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