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Interview: Start-ups in der Medizintechnik „Wir wollen zeigen, was mit modernen Technologien im medizinischen Kontext möglich ist“

Das Gespräch führte Bayern Innovativ 3 min Lesedauer

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Im Partnernetzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH sind viele Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die Adjucor GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Dr. Andreas Maier, Chief Technology Officer des Start-ups, im Interview.

Dr. Andreas Maier, Chief Technology Officer von Adjucor(Bild:  Adjucor GmbH)
Dr. Andreas Maier, Chief Technology Officer von Adjucor
(Bild: Adjucor GmbH)

Was genau macht Adjucor? Was ist das Besondere an Adjucor?

Dr. Andreas Maier: Adjucor entwickelt und produziert ein minimalinvasives Herzunterstützungssystem für Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzschwäche sowie für Kinder mit angeborenem Herzfehler. Unser Produkt „reBEAT“ besteht aus einem individuell an die Herzgeometrie angepassten, pneumatisch betriebenen Implantat, das synchron zum nativen Herzschlag die Herzleistung unterstützt. Der mit dem Implantat verbundene Antrieb befindet sich außerhalb des Körpers und liefert die pneumatische Energie. Das System kommt ohne direkten Blutkontakt aus und kann beide Ventrikel – also die linke und rechte Herzkammer – gleichzeitig unterstützen. Das Implantat ist hüllenartig und sehr dünn und wird in einem minimalinvasiven Eingriff um das Herz positioniert. In das Implantat integrierte EKG-Elektroden erfassen den Herzrhythmus des Patienten. Darauf basierend wird das Implantat gesteuert – so arbeitet es synchron zum natürlichen Herzrhythmus. Während der Systole bläst sich das Implantat auf und übt sanften Druck auf den Herzmuskel aus, wodurch die Kontraktion und Blutförderung unterstützt werden. Während der Diastole entleert sich das Implantat und erleichtert die Füllung des Herzens. Ziel ist nicht die vollständige Übernahme der Herzfunktion, sondern eine gezielte mechanische Unterstützung – vergleichbar mit einem E-Bike: Der Motor unterstützt, man tritt aber selbst. Das Prinzip hinter unserem System ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich beschrieben, doch erst Adjucor hat mit den modernen Möglichkeiten in der medizinischen Bildgebung, Datenverarbeitung und modernen Fertigungstechnologien ein klinisch anwendbares Produkt realisiert.

Was ist Ihre Mission? Was treibt Sie an?

Maier: Mich motiviert vor allem, zu zeigen, was mit modernen Technologien im medizinischen Kontext möglich ist. Wir arbeiten an Schnittstellen, die technisch faszinierend sind und ein enormes Innovationspotenzial bieten. Gleichzeitig ist auch der Bedarf für solche Produkte riesig. Zwischen etablierten elektrischen Herzschrittmachern und mechanischen Blutpumpen gibt es eine Versorgungslücke. Viele Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten profitieren von einer rein elektrischen Therapie nicht mehr ausreichend, während blutkontaktierende Pumpen am anderen Ende mit hohen Risiken verbunden sind. Adjucor schließt diese Lücke. Unser System liefert die Unterstützung, die das Herz braucht, um wieder mit physiologischen Werten zu arbeiten. Es ist unkompliziert, schnell implantierbar und risikoarm – davon werden viele Patientinnen und Patienten profitieren.

Und wie geht es jetzt gerade weiter mit Adjucor?

Maier: Wir sind seit über zehn Jahren in der Entwicklung aktiv und haben im vergangenen Jahr einen wichtigen Meilenstein erreicht: Wir konnten unsere klinische First-in-Human-Studie erfolgreich abschließen. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Hochschule Hannover, dem Freeman Hospital in Newcastle upon Tyne und dem Rigshospitalet Kopenhagen durchgeführt. In deren herzchirurgischen Kliniken konnte unser „reBEAT“-System bei zehn Patientinnen und Patienten erprobt werden und so wertvolle klinische und technische Erkenntnisse liefern. Aktuell bereiten wir die nächste Studie mit längeren Implantationsdauern von bis zu 30 Tagen vor. Ziel ist, Patientinnen und Patienten mit „reBEAT“ bis zur Herztransplantation zu überbrücken und zu unterstützen. Die Therapieart nennt sich Bridge-to-Transplant. Wir denken aber auch an Systeme für den dauerhaften Einsatz, also Destination-Therapie, und an Anwendungen für Kinder, für die es bislang kaum Optionen gibt.

Gibt es einen Fun Fact über Ihr Unternehmen?

Maier: Lustig ist, dass fast jede Ärztin und jeder Arzt unser Implantat anders nennt. Eigentlich heißt es „reBEAT“. Ich glaube, der allererste Arzt hat es „Dose“ genannt, weil die Form dazu verleitete. In einem Artikel wurde es sogar einmal als „Verhüterli gegen Herzversagen“ bezeichnet. Während der Studie schrieb auch die BILD einen Artikel über die Implantation in Hannover, darin haben sie unser System „Herzpumpe-to-Go“ genannt. Am Ende steht immer das Ziel, unseren Patienten ihre Lebensfreude zurückzugeben.

Vielen Dank!

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