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Interview: Start-ups in der Medizintechnik „Wir wollen den Zugang zu Diagnostik und die Akzeptanz von Gesundheitsangeboten verbessern“

Das Gespräch führte Bayern Innovativ 4 min Lesedauer

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Im Partnernetzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH sind viele Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die VOC-Advanced Breath Diagnostics GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Prof. Dr. Wieland Voigt, CEO des Start-ups im Interview.

Prof. Dr. Wieland Voigt ist CEO von der VOC-Advanced Breath Diagnostics GmbH.(Bild:  Burner Marketing)
Prof. Dr. Wieland Voigt ist CEO von der VOC-Advanced Breath Diagnostics GmbH.
(Bild: Burner Marketing)

Was macht die VOC-Advanced Breath Diagnostics GmbH? Was ist das Besondere an VOC-Advanced Breath Diagnostics?

Prof. Dr. Wieland Voigt: Ich denke, die Besonderheit kann man vielleicht schon ein bisschen am Namen erkennen: Im Gegensatz zu den meisten anderen Diagnostik-Einrichtungen oder -Firmen beschäftigen wir uns mit der Diagnostik des menschlichen Atems. Wir arbeiten daran, bestimmte Substanzen im Atem genauer zu spezifizieren und diese für diagnostische Zwecke nutzbar zu machen. Eine unserer Stoßrichtungen ist die Nutzung von Atemgaskondensaten. Hier hatten wir auch ein gemeinsames Projekt mit Bayern Innovativ, bei dem es darum ging, die Aerosole im Atem zu verflüssigen und diese dann im Sinne des Atemgaskondensats nutzbar zu machen. Durch spezielle Methoden, wie die Flüssigchromatographie-Massenspektroskopie, können wir die Substanzen in ihre Einzelteile zerlegen und daraus diagnostische Rückschlüsse ziehen. Die andere Stoßrichtung unserer Arbeit betrifft die Analyse einfacher Gase wie Wasserstoff, Methan, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, aber auch komplexe volatile organische Substanzen, z. B. verschiedene Aldehyde. Aus diesen Substanzen können wir eine Art „Fingerabdruck“ im Atem erstellen und erneut diagnostische Rückschlüsse ziehen. Wir sind mit einigen Tests bereits im Markt vertreten, vertreiben diese Tests und schaffen so Schritt für Schritt weitere Innovationen. Gerade aktuell im Bereich Kolonkarzinom – einer bösartigen Tumorerkrankung des Dickdarms – haben wir einen Test entwickelt, der kürzlich prämiert wurde und am Bundesausscheid des Preises Innovator des Jahres 2025 teilnimmt. Ziel dieses Tests ist die Risikostratifizierung von Menschen für die Entwicklung von Dickdarmkrebs. Wir hoffen damit, die Früherkennung zu verbessern und gleichzeitig die Wirksamkeit von Ernährungsänderungen überwachen zu können. Wichtig ist: Mit diesem Atemtest im Bereich Dickdarmkrebs wollen wir nicht die bestehenden Früherkennungsprogramme verändern oder ersetzen. Vielmehr wollen wir das Risiko einer möglichen Erkrankung nachweisen, um Menschen gezielt zur Teilnahme an bestehenden Früherkennungsprogrammen, wie der Dickdarmspiegelung, zu motivieren.

Was ist Ihre Mission, was treibt Sie an?

Voigt: Die Mission und Vision hatten wir ja schon teilweise mit der ersten Frage angesprochen. Im Grunde wollen wir durch die Entwicklung und Kommerzialisierung von atembasierten Tests die Lebensqualität und auch die Lebenserwartung von Menschen verbessern, gerade im Bereich Kolonkarzinom. Wir möchten diese nicht-invasiven Testsysteme und Atemprobensammelsysteme, die auch für die Heimanwendung geeignet sind, den Menschen besser zugänglich machen. Das bedeutet, den Zugang zu Diagnostik und die Akzeptanz von Gesundheitsangeboten zu verbessern. Langfristig wollen wir so weltweit zur besseren Diagnostik bestimmter Erkrankungen beitragen. Unser Ziel ist, in den für uns relevanten Märkten und kritischen Indikationen bis zu einem Prozent des gesamten adressierbaren Marktes langfristig zu erreichen und für uns zu gewinnen.

Wie geht es weiter mit VOC-Advanced Breath Diagnostics?

Voigt: Wir sind aktuell noch ein relativ kleines Team mit insgesamt sieben Mitarbeitern in Voll- und Teilzeit. Wir planen zunächst die klinische Weiterentwicklung unseres Kolonkarzinom-Risikoindikator-Tests sowie unserer SIBO-Testkit-Familie, die eine bakterielle Dünndarmfellbesiedelung diagnostiziert. Hier haben wir gerade einen weiteren Test auf den Markt gebracht und arbeiten bereits an der klinischen Studie für einen Test, der voraussichtlich eine höhere Sensitivität als die bisherigen SIBO-Tests haben wird. Das heißt, wir wollen die diagnostische Performance dieser SIBO-Tests verbessern und sie dann zumindest europaweit Patienten zugänglich machen. Wir arbeiten in Kooperation mit klinischen Partnern, u. a. mit der Universität Bayreuth, um die Verbindung zwischen SIBO und bestimmten Erkrankungen, z. B. Fettleber, zu erhärten. Daraus könnten sich dann auch klinische Konsequenzen ableiten lassen. Das heißt, Menschen mit einer neudiagnostizierten Fettleber könnten möglicherweise zukünftig von einer Testung auf Dünndarmfehlbesiedlung profitieren. Wenn wir zeigen können, dass diese Assoziation tatsächlich besteht und SIBO ein Risikofaktor für die Progression einer Fettleber in Richtung Hepatitis oder Leberzirrhose sein könnte, ist das eine wichtige wissenschaftliche Fragestellung. Damit sind wir insgesamt als Firma gut aufgestellt für unsere weitere Skalierung. Wir sind aktuell auf der Suche nach Risikokapitalgebern, um sowohl unsere vertriebliche Skalierung voranzutreiben, also Investitionen in Marketing und Personalaufbau, um unser Sales-Team zu verstärken und in klinische Kooperationen mit Partnern zu intensivieren. Zudem soll das Kapital auch die Durchführung unserer klinischen Studien unterstützen, da diese recht groß sein müssen, um die entsprechende klinische Evidenz zu schaffen. Diese Evidenz ist notwendig, um sowohl die klinische Implementierung der Tests zu rechtfertigen als auch langfristig die Bezahlung über das Gesundheitssystem zu ermöglichen.

Gibt es einen Funfact über VOC-Advanced Breath Diagnostics?

Voigt: Ich habe mich bereits bei meinen früheren beruflichen Tätigkeiten mit Atemdiagnostik beschäftigt und hier eine vergleichende Studie durchgeführt, nicht allein, sondern im Vergleich von Medizintechnik versus Hundestaffel. Tatsächlich sind die sogenannten Sniffer Dogs relativ gut darin, bestimmte Erkrankungen zu erkennen, u. a. auch Krebs. Fakt ist natürlich, dass es aufwendig ist, solche Hunde zu halten und zu trainieren. Außerdem erschöpfen sie nach etwa 20 Minuten, weil ihr olfaktorisches Organ ermüdet. Dann muss man die Hunde austauschen, bevor man sie wieder einsetzen kann, da sie eine längere Pause benötigen. Wir selbst machen das als Firma heute nicht mehr, aber die Motivation für Atemdiagnostik basiert ein Stück weit auf der Beobachtung, dass Hunde Erkrankungen erschnüffeln können. Dieses Wissen wird immer wieder als Argument herangezogen, in diesen Bereich zu investieren und wir sind eine der Firmen, die sich genau damit beschäftigen.

Vielen Dank!

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