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Durchstarten 2021 „Wir sind als Team in der Corona-Pandemie noch stärker zusammen gewachsen“

Autor: Marc Platthaus

Am Aachen Center for Additive Manufacturing beschäftigen sich Wissenschaftler mit anwendungsnahen Arbeiten rund um den 3D-Druck. Wie hat sich die Arbeit in den vergangenen Monaten durch die Corona-Pandemie verändert? Die Technology- und Project-Managerin Lea Eilert gibt Antworten.

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Lea Eilert ist Technology- und Project-Managerin beim Aaachen Center for Additive Manufacturing (ACAM).
Lea Eilert ist Technology- und Project-Managerin beim Aaachen Center for Additive Manufacturing (ACAM).
(Bild: ACAM)

Frau Eilert, beschreiben Sie das allgemeine Stimmungsbild in Ihrem Unternehmen.

Als Dienstleistungs- und Beratungsunternehmen im Bereich des industriellen 3D-Drucks sehen auch wir uns natürlich stürmischen Zeiten ausgesetzt. Während der Krise ist der 3D-Druck nicht nur im Bereich der Produktionstechnik mehr in den Fokus gerückt. Auch viele Menschen außerhalb der Branche haben angefangen, sich mit dieser spannenden Technologie auseinander zu setzen und ihre Möglichkeiten zu entdecken. Das stimmt uns sehr optimistisch! Wir sind momentan sehr zuversichtlich und freuen uns darauf, hoffentlich bald wieder wie gewohnt durchstarten zu können.

Welche Herausforderungen treten in Ihrem Unternehmen während der COVID-19-Krise auf?

Wir sind ein kleines und recht junges Team, das auch vor der Pandemie schon sehr gut eingespielt war. Mit virtueller Zusammenarbeit im Team hatten wir glücklicherweise keinerlei Probleme. Größere Herausforderungen ergaben sich jedoch im Hinblick auf unsere halbjährlich stattfindenden Community-Meetings. Das organisatorische sowie technische Einbinden mehrerer beteiligter Parteien in eine entsprechende Networking-Plattform sowie das Managen der Events selbst, stellte mit einer Vielzahl an Referent*innen und in diesem Ausmaß ein absolutes Neuland für uns dar. Dazu sind Abstimmungsprozesse in Projektkonsortien doch deutlich zeit- und kommunikationsintensiver als sonst.

Wie wirken sich diese Probleme auf Ihre eigene Arbeit aus?

Ich selbst beschäftige mich im Rahmen von Projektmanagement viel mit Themenfindung sowie der Ausgestaltung von Projekten. Dabei ist eine frühzeitige und detaillierte Planung von Abstimmungsprozessen sowie eine genaue Kommunikation dieser Prozesse essenziell, gerade wenn einem zur Visualisierung am Ende nur der geteilte Bildschirm bleibt. Für mein Empfinden ist eine strukturierte Moderation und Dokumentation hierbei wichtiger denn je, so soll sich doch auch in größeren Runden jede/r abgeholt und gehört fühlen. Gerade im Bereich virtuell stattfindender Meetings mit einer Vielzahl an Beteiligten nimmt auch die Komplexität in der Organisation deutlich zu. Teilnehmer*innen benötigen nicht mehr „nur“ eine Adresse, zu der sie anreisen müssen. Alle beteiligten Personen müssen sich stattdessen mit dem zeitlichen Ablauf und den technischen Gegebenheiten genau vertraut machen. Wir haben daher viel Zeit in Testläufe investieren müssen.

Werden wir wieder zu einem „Normalzustand“ wie vor der Krise zurückkehren oder werden sich Prozesse und Abläufe künftig dauerhaft ändern? Wenn ja, mit welchen Änderungen rechnen Sie?

Die Pandemie hat in uns allen, persönlich wie beruflich, verschiedenstes in Gang gesetzt. Aus den Bemühungen, der Situation flexibel und agil zu begegnen, haben wir vieles gelernt, dass nicht nur für die aktuelle Situation wichtig und bedeutend ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in vielen Ebenen der Zusammenarbeit vermehrt auf die Möglichkeiten der Digitalisierung setzen werden: Mehr Meetings wie auch Seminare werden virtuell stattfinden, dadurch wird die ein oder andere Reise dann überflüssig. Darüber hinaus werden viele Unternehmen dem Thema Homeoffice/Remotearbeit sicherlich mit mehr Offenheit begegnen als noch vor der Pandemie.

Welche Lerneffekte haben Sie aus der Krisensituation mitgenommen und fühlen Sie sich für die Zukunft gewappnet?

Wir werden für internationale Projektpartner*innen zukünftig auch eine digitale Alternative zu Events und Meetings anbieten, um ihnen eine Teilnahme auch ohne längere Reisen zu ermöglichen. Ganz allgemein ist das Denken in Szenarien da sicherlich ein wichtiges Learning, um in zukünftigen Krisensituationen jeglicher Art schnell und flexibel reagieren zu können. Für mich persönlich habe ich gelernt, dass gerade im Homeoffice die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit leicht verschwimmen kann und eine bewusste Trennung sowie Phasen der Entschleunigung daher sehr wichtig sind.

Gibt es positive Aspekte, die Sie für Ihren Arbeitsalltag aus der Covid-19-Krise mitnehmen?

Wir sind als Team noch mehr zusammengewachsen, bemühen uns sehr uns gegenseitig zu unterstützen und uns zu motivieren, wo immer es nötig ist. Die Zusammenarbeit ist persönlicher geworden, nicht nur mit den eigenen Kolleg*innen, sondern auch mit Projektpartner*innen. Dieses Gefühl von Zusammenhalt wird mit Sicherheit auch nach der Krise noch einen positiven Effekt auf unser aller Arbeitsalltag haben.

Wenn Sie einem/r Einsteiger*in Ihr Arbeitsgebiet schmackhaft machen wollen, wie machen Sie das?

Der industrielle 3D-Druck ist eine spannende Technologie, mit der sich komplexe Geometrien realisieren lassen, die sich mit konventionellen Verfahren nicht oder nur schwierig herstellen lassen. Da diese Technologie noch recht jung ist, haben wir es mit einer dynamischen und dazu sehr stark wachsenden Branche zu tun, in der sich bereits viele Akteure bewegen, sich jedoch auch ständig neue Möglichkeiten auftun. Wir alle teilen vor allem die Faszination für diese Technologie und für ihr weitreichendes Potential. Mit seinen Möglichkeiten gewinnt der 3D-Druck nicht nur produktionstechnisch, sondern auch gesamtgesellschaftlich weiter an Bedeutung; denn immer mehr Menschen lassen sich von der Begeisterung anstecken und wollen in den 3D-Druck einsteigen.

Welche persönlichen Worte möchten Sie Kolleg*innen in Ihrer Branche und Ihrem Unternehmen mit auf den Weg geben?

Der 3D-Druck hatte definitiv seinen eigenen Moment während dieser Pandemie, haben doch viele Initiativen durch das Drucken von Masken, Tupfern, Beatmungsgeräten etc. vielerorts zu einer erfolgreichen Bekämpfung beigetragen. Wir haben dadurch einmal mehr gezeigt, was mit dieser Technologie möglich ist und sie vor allem mehr in das gesellschaftliche Bewusstsein gerückt. Ich bin sicher, dass wir gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden und uns auf weitere großartige Innovationen freuen können.

Frau Eilert, vielen Dank für Ihre Antworten.

Ihre Meinung ist gefragt!

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(Bildquelle: VCG)

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