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Diagnose im Rettungswagen Strokecap erkennt mobil Schlaganfälle

Von Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 3 min Lesedauer

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Die Strokecap bietet neue Möglichkeiten in der medizinischen Diagnostik: Das mobile Gerät nutzt das Magnetpartikel-Imaging (MPI). Dabei machen magnetische Nanopartikel die Durchblutung des Gehirns ohne ionisierende Strahlung in Echtzeit sichtbar.

Mit der Strokecap kann die Durchblutung des Gehirns in Echtzeit und mobil visualisiert werden. (Bild:  Universität Würzburg)
Mit der Strokecap kann die Durchblutung des Gehirns in Echtzeit und mobil visualisiert werden.
(Bild: Universität Würzburg)

Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute und bereits im Rettungswagen können diagnostische Maßnahmen eingeleitet und Behandlungsentscheidungen vorbereitet werden. Die Strokecap füllt die wesentliche Lücke in der Notfallversorgung von Schlaganfallpatienten, indem sie eine mobile und schnelle Diagnostik ermöglicht, bevor die Patienten das Krankenhaus erreichen. Die Strokecap, die in Echtzeit die Durchblutung des Gehirns mithilfe injizierbarer magnetischer Nanopartikel visualisiert, ermöglicht genau das. Dank ihrer Mobilität kann sie direkt im Rettungswagen eingesetzt werden, um frühzeitig festzustellen, ob ein Patient an einem Schlaganfall leidet.

Die Idee hinter Strokecap

Das Konzept zur Strokecap wurde von PD Dr. med. Stefan Herz und Dr. Patrick Vogel entwickelt. Während ihrer Arbeit an auf Magnetic Particle Imaging (MPI) basierenden Tomographen für die interventionelle Bildgebung am Menschen erkannten sie das Potenzial dieser Technologie für die Schlaganfalldiagnostik. Anders als herkömmliche Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) ist die Strokecap klein, leicht und mobil und kann direkt vor Ort vom Rettungsdienst eingesetzt werden, um eine schnelle Einschätzung des Zustandes des Patienten zu erlangen. „Was das EKG für den Herzinfarkt ist, kann die Strokecap für den Schlaganfall sein“, sagt Herz. Vogel ergänzt: „Besonders in ländlichen Regionen mit langen Anfahrtszeiten kann sie helfen, das richtige Krankenhaus sofort anzusteuern.“

Zeitlich veränderliche Magnetfelder

Das zugrundeliegende Verfahren basiert auf der schnellen Lokalisierung eines in den Menschen eingebrachten Eisentracers mithilfe von zeitlich veränderlichen Magnetfeldern. „Die Besonderheit von MPI gegenüber MRT oder CT ist die hintergrundfreie Bildgebung des Tracers ohne ionisierende Strahlung, was die Anwendung sehr sicher macht“, erklärt Volker Behr, ebenfalls Mitglied des Entwicklerteams. MPI-Scanner werden bereits erfolgreich für die präklinische Forschung eingesetzt, eine Skalierung auf Menschengröße ist in Vorbereitung.

Das Alleinstellungsmerkmal der Strokecap ist der sehr frühe Ansatz für die Patientenversorgung. Das hierfür entwickelte innovative Design soll eine frühzeitige Diagnostik am Patienten schon wenige Sekunden nach Gabe eines für den Einsatz am Menschen bereits zugelassenen Tracers ins Gefäßsystem ermöglichen. Dieser kann dann eindeutig im Körper lokalisiert werden. Über den zeitlichen Verlauf des Signals lassen sich direkte Rückschlüsse auf die Durchblutung einzelner Regionen ziehen. Kombiniert mit einem robusten Aufbau und einem intuitiven Benutzerinterface, soll die Strokecap leicht in etablierte Workflows, beispielsweise in einem Rettungswagen integriert werden können. Durch diese neuartige Technik kann wertvolle Zeit eingespart werden, bis die gezielte Behandlung in einem spezialisierten Krankenhaus eingeleitet werden kann. Dadurch kann die Prognose der Patienten deutlich verbessert werden.

Renommierte Auszeichnung für die Strokecap

Die Strokecap befindet sich derzeit in der Phase der Weiterentwicklung. Das Entwickler-Team hat jetzt den Medical Valley Award 2024 erhalten, eine renommierte Auszeichnung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Der Preis ging gleich zweimal an Teams aus der Universitätsmedizin Würzburg. Mit dem Preisgeld des Medical Valley Awards soll der bestehende Demonstrator zu einem voll einsatzfähigen Prototyp entwickelt werden, der anschließend in klinischen Studien getestet wird. Diese Studien werden auf Basis realer Schlaganfalldiagnosen durchgeführt, die mit CT oder MRT erfasst wurden. Ziel ist es, das System weiter zu optimieren und es für den praktischen Einsatz bei Patienten vorzubereiten.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf unserem Partnerportal www.elektronikpraxis.de.

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