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Medizinelektronik für den Notfall „Unsere Displays müssen in Extremsituationen zuverlässig funktionieren“

Das Gespräch führte Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter 6 min Lesedauer

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Im Rettungsdienst müssen Kompetenz, Teamarbeit und Technik zusammenwirken, damit Einsätze erfolgreich sind. Beate Junker, CFO und ehrenamtliche Rettungssanitäterin, spricht darüber, wie persönliches Engagement und moderne Rettungstechnik den Unterschied machen.

Der „corpuls3T“ ist ein kombinierter Patientenmonitor und Defibrillator. Er wurde speziell für Extremsituationen entwickelt und besteht aus einer Monitoreinheit, einer Patientenbox sowie einem Defibrillator/Schrittmacher.(Bild:  corpuls)
Der „corpuls3T“ ist ein kombinierter Patientenmonitor und Defibrillator. Er wurde speziell für Extremsituationen entwickelt und besteht aus einer Monitoreinheit, einer Patientenbox sowie einem Defibrillator/Schrittmacher.
(Bild: corpuls)

Es sind die lebensentscheidenden Momente zwischen Leben und Tod, die oftmals nur einen Herzschlag entfernt liegen. Für einen guten Rettungsdienst sind nicht nur motivierte und engagierte Leute wichtig, sondern auch das passende Equipment. Ich habe mit Beate Junker gesprochen. Sie ist CFO bei Data Modul und ehrenamtliche Rettungssanitäterin. Ihr Beispiel zeigt, wie ehrenamtlicher Einsatz und für den Rettungsdienst abgestimmte Hardware Hand in Hand gehen.

Konkret geht es um den Patientenmonitor und Defibrillator „corpuls3T“, der speziell für Extremsituationen entwickelt wurde, in denen eine lückenlose Überwachung der Patienten ohne Unterbrechung nötig ist. Die kabellose Datenübertragung ermöglicht eine sofortige Reaktion bei einer plötzlichen Verschlechterung des Zustands, und die anschließende Dokumentation aller Werte unterstützt die weitere Behandlung im Krankenhaus.

Frau Junker, können Sie uns ein konkretes Beispiel nennen, bei dem der „corpuls3T“ im Einsatz war und möglicherweise das Leben eines Patienten gerettet hat? Welche Rolle spielt das Gerät in solchen Notfallsituationen?

Beate Junker ist CFO bei Data Modul und ehrenamtliche Rettungssanitäterin. (Bild:  Data Modul)
Beate Junker ist CFO bei Data Modul und ehrenamtliche Rettungssanitäterin.
(Bild: Data Modul)

In praktisch jedem unserer Rettungseinsätze arbeiten wir mit dem modularen „corpuls3T“. Der Patientenmonitor liefert uns jederzeit wichtige Vitalparameter und ergänzt unsere Ersteinschätzung. Besonders in kritischen Situationen, wie bei Reanimationen, spielt der integrierte Defibrillator eine zentrale Rolle. Das Gerät ermöglicht eine kontinuierliche Patientenüberwachung und liefert dem Rettungsdienstpersonal entscheidende Informationen, um Diagnosen zu stellen und lebensrettende Maßnahmen einzuleiten.

Hinzu kommt seine modulare Bauweise. Sie erleichtert unseren Einsatz erheblich und steigert die Patientensicherheit. Das dreiteilige System besteht aus der Monitoreinheit, Patientenbox und Defibrillator/Schrittmacher, was in medizinischen Notfällen viele Vorteile birgt.

Bei herausfordernden Transporten, beispielsweise durch enge Treppenhäuser oder über Drehleitern, kann die Patientenbox mit dem Defibrillator beim Patienten verbleiben, während der Rettungsdienst die Monitoreinheit mitführt. So behalten wir alle Werte im Blick und können sofort reagieren, wenn sich der Zustand des Patienten verändert. Das ist meiner Meinung nach ein großer Mehrwert.

Hintergrund

Seit über 40 Jahren steht das Unternehmen Corpuls an der Spitze der Entwicklung hochmoderner Medizintechnik für die Kardiotherapie. Das Unternehmen ist bekannt für seine speziell für Notfalleinsätze konzipierten Produkte wie Defibrillatoren, Patienten-Monitoring-Systeme und Thoraxkompressionsgeräte, die in über 70 Ländern eingesetzt werden. Besondere Beachtung finden auch die digitalen Entwicklungen in der Telemedizin und des Qualitätsmanagements.

Die Philosophie basiert auf Qualität, Langlebigkeit und Robustheit. Die Geräte sind nicht nur für die heutigen Herausforderungen ausgelegt, sondern auch bereit für künftige Software- und Hardware-Updates, um den technologischen Fortschritt langfristig zu sichern. Das Gerät „corpuls 3T“, in das Data Modul sein Display Know-how einfließen lassen durfte, ist eines der erfolgreichsten Produkte von Corpuls.

Alle Produkte entsprechen höchsten Sicherheitsstandards, darunter der europäischen DIN EN 1789 für Rettungsfahrzeuge, RTCA DO 160 für Luftfahrzeuge und MIL-STD 810 für militärische Anwendungen.

Ursprünglich im Hobbykeller von Günter Stemple im Jahr 1982 gegründet, setzt Corpuls weiterhin auf das Leitmotiv „FÜR-MENSCHEN-LEBEN“, getrieben von der Mission, durch fortschrittliche Technologie die Rettung von Menschenleben weltweit zu unterstützen.

Welchen Anteil hat Data Modul am Gesamtkonzept und wie konnten Sie Ihr Wissen aus dem Ehrenamt in die Entwicklung einfließen lassen?

Der „corpuls3T“ ist Patientenmonitor und Defibrillator in einem Gerät. Er ist speziell für Extremsituationen entwickelt und besteht aus der Monitoreinheit, Patientenbox und Defibrillator/Schrittmacher.(Bild:  corpuls)
Der „corpuls3T“ ist Patientenmonitor und Defibrillator in einem Gerät. Er ist speziell für Extremsituationen entwickelt und besteht aus der Monitoreinheit, Patientenbox und Defibrillator/Schrittmacher.
(Bild: corpuls)

Data Modul liefert für den ‚corpuls3T‘ eine komplette Display-Baugruppe, die aus Display, Touch-Sensor und Schutzglas zu einer Einheit gebondet ist. Bei der Entwicklung lag unser Fokus auf maximaler Robustheit gegen Stöße, Vibrationen, Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen, da die Geräte sowohl im Rettungswagen als auch im Außeneinsatz zuverlässig funktionieren müssen. Besonders wichtig ist dabei die optimierte Ablesbarkeit: Durch eine vollflächige Verklebung können wir beispielsweise gewährleisten, dass der Displayinhalt auch bei direkter Sonneneinstrahlung jederzeit gut sichtbar ist – ein entscheidender Vorteil in Einsätzen, in denen die ständige Verfügbarkeit der Daten die Patientensicherheit immens erhöht. Auch die Integration in die modulare Architektur des Geräts war entscheidend – mechanisch, elektrisch und softwareseitig.

Das übergeordnete Ziel ist immer eine intuitive, zuverlässige und schnelle Bedienung des Geräts für die medizinischen Fachkräfte. Daher ist das Resultat eine besonders leichte und kompakt gestaltete Baugruppe, die neben dem Touchscreen zusätzliche Bedienelemente bietet: Sollte eine Touch-Bedienung aus unerklärlichen Gründen einmal nicht möglich sein, stehen Druckknöpfe als redundantes Bedienelement zur Verfügung. Sie gewährleisten, dass das Gerät weiterhin bedient werden kann, ohne das Wohl des Patienten zu gefährden.

Inwiefern beeinflusst die technische Partnerschaft zwischen Data Modul und Corpuls Ihre Produktentwicklung und welche Rückmeldungen erhalten Sie von Ihrem Kunden hinsichtlich Verbesserungspotenzialen?

Durch die hohen Anforderungen an Stabilität, Sicherheit und Robustheit konnten wir unter anderem unser sogenanntes Gelpad-Bonding, das für besonders feste Klebeverbindungen eingesetzt wird, entscheidend optimieren. Wir wissen heute, wie wir die Klebekraft maximieren und gleichzeitig den Ausschuss in der Fertigung minimieren können. Das ist für uns ein wertvolles Know-how, das die Kompetenz in der Medizintechnik insgesamt gestärkt hat und für das wir sehr dankbar sind.

Als ehrenamtliche Rettungssanitäterin haben Sie sicherlich den ‚corpuls3T‘ im Einsatz erlebt. Können Sie beschreiben, wie Ihre praktischen Erfahrungen darauf Einfluss hatten, welche Features ein solches Gerät haben sollte?

Der „corpuls3T“ besteht aus drei Elementen. Die komplette Display-Baugruppe aus Display, Touch-Sensor und Schutzglas ist eine gebondete Einheit und wurde von Data Modul entwickelt.(Bild:  corpuls)
Der „corpuls3T“ besteht aus drei Elementen. Die komplette Display-Baugruppe aus Display, Touch-Sensor und Schutzglas ist eine gebondete Einheit und wurde von Data Modul entwickelt.
(Bild: corpuls)

Aus der Praxis weiß ich: Geräte müssen leicht, stabil und unter allen Bedingungen zuverlässig einsetzbar sein. Sie müssen bei Sonneneinstrahlung, Hitze, Regen oder Erschütterungen zuverlässig funktionieren.

Gleichzeitig ist eine intuitive Bedienung entscheidend, gerade in Stresssituationen. Darum bietet der ‚corpuls3T‘ sowohl Touch-Bedienung als auch physische Tasten, ergänzt um haptisches Feedback, für eine sichere und effiziente Bedienung im anspruchsvollen Rettungsalltag.

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Technisch bedeutet das für uns als Lieferant höchste Anforderungen an Reaktionsgeschwindigkeit, Genauigkeit und Ablesbarkeit. Unsere Touchscreens müssen sofort und zuverlässig reagieren. Auch mit Handschuhen oder unter Einfluss von Flüssigkeiten muss die Funktionalität vollständig gegeben sein.

Zudem stellen wir bei unseren Displaylösungen hohe Kontraste und exzellente Lesbarkeit, selbst bei direkter Sonne, sicher. Und nicht zuletzt: Displays müssen enorme Temperaturschwankungen aushalten, etwa wenn ein Gerät von 20 °C im Rettungswagen ins Freie bei -10 °C wechselt.

Welche Trends in der Medizintechnik sehen Sie als besonders vielversprechend und wie positioniert sich Ihr Unternehmen, um diese Chancen in Zusammenarbeit mit Corpuls zu nutzen?

Wir sehen mehrere Trends, die das Marktumfeld nachhaltig prägen: Miniaturisierung, die Integration von Komponenten, der steigende Anspruch an hochauflösende, energieeffiziente Displays, Vernetzung und Interoperabilität sowie das Thema Nachhaltigkeit.

Wir sehen uns als verlässlicher und dank unseres Bestehens seit über 50 Jahren als erfahrener Partner für unsere Kunden. Unsere Expertise in Display-Vorbaugruppen schafft so die Grundlage für Geräte mit maximaler Zuverlässigkeit, intuitiver Bedienbarkeit und hoher visueller Performance. Die Faktoren sind in medizinischen Notfällen entscheidend.

Im Falle von Corpuls bedeutet das konkret: Wir entwickeln unsere Lösungen so, dass sie heutigen Anforderungen entsprechen, aber auch zukünftige Technologien unterstützen. Das beginnt bei robusteren Materialien bis hin zu durchdachten Schnittstellen. Aus Praxissicht sind außerdem Entwicklungen wie haptisches Feedback direkt am Display, die Integration eines Telenotarztes oder KI-Unterstützung bei der Interpretation von EKG-Kurven hochrelevant. All das kann dazu beitragen, die Arbeit der Rettungskräfte zukünftig noch effizienter zu machen.

Was motiviert Sie in Ihren beiden Rollen als CFO bei Data Modul und als Rettungssanitäterin, und wie hoffen Sie, dass Ihre Arbeit die Entwicklung lebensrettender Technologien beeinflusst? Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft, um das Ehrenamt weiter zu stärken?

Die Rollen als CFO und als Rettungssanitäterin sind sehr unterschiedlich, und doch gibt es Parallelen: Verantwortung, Fachkompetenz, Teamwork und einen hohen Qualitätsanspruch. Während im CFO-Alltag strategische Entscheidungen und langfristige Ziele im Vordergrund stehen, geht es im Rettungsdienst um unmittelbares Handeln unter Zeitdruck, oft mit existenzieller Verantwortung für die Patienten.

Für die Einsatzkräfte wünsche ich mir ein Notfallsystem, das Ressourcen verantwortungsvoll einsetzt und Reformen anstößt, die wirklich entlasten: mehr Gesundheitskompetenz in der Gesellschaft, eine Reduktion unnötiger Einsätze und eine klare Fokussierung des Rettungsdienstes auf seine Kernaufgaben. Dazu gehören Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung, konsequentes Vorgehen gegen Gewalt und Beleidigungen sowie mehr Wertschätzung für all jene Berufe, für die es notwendig ist, vor Ort zu sein, die direkt am Patienten arbeiten, bei Wind und Wetter einsatzbereit sind und rund um die Uhr Verantwortung tragen und übernehmen.

Dieser Artikel ist zuerst auf unserem Partnerportal www.elektronikpraxis.de erschienen.

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