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Fachsymposium Medtech meets Pharma Siemens-Vize Meyer und Nanomedizin-Experte Alexiou im Interview

Redakteur: Peter Reinhardt

Die Beispiele für Kombinationsprodukte und Kooperationen zwischen Medizintechnik- und Pharmaindustrie häufen sich. Mit Prof. Dr. med. Christoph Alexiou und Dr. Michael Meyer hat Devicemed dazu im Vorfeld des Fachsymposiums „Medtech meets Pharma“ zwei Experten mit reichlich Erfahrung befragt.

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Dr. Michael Meyer: „Durch engere Zusammenarbeit können sicher Synergien in einem neuen Healthcare-Ecosystem gehoben werden.“
Dr. Michael Meyer: „Durch engere Zusammenarbeit können sicher Synergien in einem neuen Healthcare-Ecosystem gehoben werden.“
(Bild: Siemens)

Sowohl Alexiou wie auch Meyer werden auf dem Fachsymposium am 21. Oktober in Würzburg vortragen. Meyer ist Vice President Health Policy und zugleich Vice President National Account Management bei Siemens Healthcare; Alexiou ist Oberarzt der HNO-Klinik und Leiter der Sektion für Experimentelle Onkologie und Nanomedizin (SEON) am Universitätsklinikum Erlangen.

Wo agieren Sie heute bereits an der Schnittstelle zwischen Medizintechnik und Pharma?

Meyer: Ende letzten Jahres haben wir mit Pfizer einen Vertrag über die Entwicklung und Kommerzialisierung von Labordiagnostik-Tests unterschrieben. Unsere Tests sollen als begleitende Diagnostika die Therapieprodukte von Pfizer unterstützen. Ziel dieser Kooperation ist die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin.

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Alexiou: Seit 2009 bekleide ich die bundesweit erste W3-Stiftungsprofessur (Else Kröner-Fresenius-Stiftung) für Nanomedizin. Wir verfolgen das Ziel, mit Hilfe wirkstoffbeladener magnetischer Nanopartikel und externer Magnetfeldsteuerung inklusive Bildgebung lokale und nebenwirkungsarme Tumortherapien zu generieren. Diese Kombination stellt hier eine klassische Schnittstelle dar.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei schon gemacht?

Meyer: Wir stehen am Anfang eines Umsetzungsprozesses – spüren jedoch schon großes Interesse im Markt und sehen uns in unserer Entscheidung für die Partnerschaft bestätigt.

Und was war dabei Ihr größter Erfolg?

Alexiou: Von besonderer Bedeutung war, dass wir vergangenes Jahr im führenden Nanomedicine Journal die weltweit größte Studie zur erfolgreichen Anwendung wirkstoffbeladener magnetischer Nanopartikeln bei tumortragenden Tieren veröffentlichen konnten.

Welches Potenzial sehen Sie für gemeinsame Projekte von Medizintechnik- und Pharmaindustrie?

Meyer: Die Herausforderungen hierzulande werden früher oder später alle beteiligten Akteure zwingen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die auch langfristig ein qualitativ hochwertiges und bezahlbares Gesundheitssystem ermöglichen. Nicht nur die Kooperation zwischen dem ambulanten und stationären Sektor wird gefragt sein, sondern auch eine Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen der industriellen Gesundheitswirtschaft. Pharma- und Medizintechnikfirmen bewegen sich im gleichen Umfeld und entwickeln oftmals mit den gleichen Akteuren neue Lösungen. Hier können durch eine engere Zusammenarbeit sicherlich Synergien in einem neuen „Healthcare-Ecosystem“ gehoben werden.

Alexiou: Die Schnittstelle zwischen Medizintechnik und Pharma eröffnet neue und innovative Anwendungsfelder – gerade in der Nanotechnologie. Drug Delivery und Imaging sind hier die zwei wohl wichtigsten und erfolgversprechendsten Anwendungsfelder, um die große Herausforderung einer alternden Gesellschaft im Hinblick auf Tumorerkrankungen und kardiovaskuläre Erkrankungen zu meistern.

Was sind die größten Herausforderungen im Dialog zwischen Medizintechnik und Pharma?

Meyer: Die Produkte der Pharma- und der Medizintechnikunternehmen unterscheiden sich in einigen wesentlichen Punkten wie Zulassung, Vergütung und Patentschutz. Hier ist es wichtig, gegenseitiges Verständnis für die jeweiligen Rahmenbedingungen zu entwickeln, um diese schon frühzeitig bei neuen Lösungen berücksichtigen zu können. Ein aktuelles Beispiel ist das „Regulatory Framework“ für integriertes Therapiemanagement, bei dem dies nur in Ansätzen zu erkennen ist.

Alexiou: Eine der größten Aufgaben ist es, Industriepartner für die präklinische Entwicklung zu begeistern. Vor allem, da es Schnittstellen gibt und die von der Industrie angestrebte exklusive Partizipation an Forschungsergebnissen nicht immer möglich ist. Darüber hinaus stellt die Zusammenführung der unterschiedlichen Sichtweisen von Medizintechnik- und Pharmaindustrie auf zu generierende Marktpotentiale eine große Herausforderung dar.

Die Fragen stellte Peter Reinhardt.

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