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Automatica Serviceroboter für die Medizin

Redakteur: M.A. Frauke Finus

Die Servicerobotik findet auch in Medizin und Pflege immer mehr Anwendung. Ob in der Chirurgie, in der Rehabilitation oder in der Logistik von Krankenhäusern – für Serviceroboter gibt es vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Auf der Automatica in München werden vom 3. bis 6. Juni die neusten Entwicklungen der Servicerobotik in Halle A4 vorgestellt.

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Der Lokomat von Hocoma ist eine robotergestützte Gangorthese, die die Lokomotionstherapie auf einem Laufband automatisiert und die Effizienz des Laufbandtrainings steigert.
Der Lokomat von Hocoma ist eine robotergestützte Gangorthese, die die Lokomotionstherapie auf einem Laufband automatisiert und die Effizienz des Laufbandtrainings steigert.
(Bild: Hocoma)

Dank Bewegungserfassung, Navigation, Lernfähigkeit und künstlicher Intelligenz bilden Mensch und Maschine immer öfter ein perfektes Team. Im Krankenhaus zum Beispiel positionieren Roboter Patienten, realisieren Konzeptstudien zur Knochenchirurgie und tragen in der Rehabilitation dazu bei, Autonomie und Lebensqualität von Schlaganfall-Patienten zu verbessern.

Servicerobotik in der Logistik moderner Krankenhäuser

Wertvolle Dienste leistet Servicerobotik in der Logistik moderner Krankenhäuser, zum Beispiel im Niguarda Ca‘ Granda Hospital in Mailand. Auf rund 340.000 Quadratmetern zirkulieren 32 fahrerlose Transportfahrzeuge. Sie bringen die Mahlzeiten aus der Küche auf die Stationen, entsorgen Wäsche sowie Abfall, holen Medikamente aus dem Lager und nehmen Sterilisierungen vor.

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Roboter hilft wieder gehen zu lernen

Erfolge verbuchen Serviceroboter auch in der Rehabilitation. „Erkenntnisse über die Neuroplastizität des zentralen Nervensystems und des funktionsorientierten Lernens zeigen, dass Patienten mit neurologischen Bewegungsstörungen ihre Gehfähigkeit durch intensives Training wiedererlernen können“, erklärt Dr. Gery Colombo, CEO von Hocoma. Der Neurorehabilitationsroboter Hocoma-Lokomat hilft zum Beispiel Schlaganfall-Patienten, wieder gehen zu lernen. Der Lokomat automatisiert die Gangtherapie auf dem Laufband und ermöglicht so ein intensives und repetitives Training. Zudem bietet er motivierende Übungen in virtueller Realität und ein ständiges Leistungsfeedback, das Therapeuten und Patienten bei der Bestimmung weiterer Therapieziele unterstützt.

Durch Serviceroboter die Qualität verbessert

„Die zukünftige Herausforderung für Serviceroboter sind ihre Kommunikationsfähigkeit und ihre enge Interaktion mit dem Menschen“, stellt Dr. Roko Tschakarow, Geschäftsbereichsleitung Mobile Greifsysteme bei Schunk, fest. Besonders interessant sind Serviceroboter dort, wo sie präziser arbeiten als der Mensch. So realisierte Schunk mit der italienischen Technologiebrutstätte Loccioni in einer Krankenhaus-Apotheke einen Roboter, dessen Greifer toxische Substanzen für die Tumortherapie mischen kann. Dank dieser Automatisierung ist die Qualität nachweislich verbessert.l

Chirurgieroboter führt komplexe Eingriffe durch

Auch in OPs werden Serviceroboter eingesetzt. Der Chirurgieroboter da Vinci des Herstellers Intuitive Surgical wir von Kardiologen, Viszeralchirurgen und Urologen eingesetzt. Einschränkend sei hier aber gesagt, dass der Nutzen des Roboters nicht einstimmig anerkannt ist. Die Vorteile da Vincis gegenüber den menschlichen Kollegen: reduziertes Infektionsrisiko, da nur wenige kleine Schnitte nötig sind. Außerdem verringert sich für die Patienten oft die Zeit des stationären Aufenthalts. Dem gegenüber stehen Berichte, dass eine Roboterhand während der OP eine Patienten geschlagen hat. Oder auch, dass nur ein Neustart des Systems während der OP den Roboter zum Loslassen eines Tupfers bringen konnte.

Prof. Dr. Hubertus Feußner von der Chirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum rechts der Isar erklärt:„Der Chirurgieroboter wurde zunächst mit hohen Erwartungen von Kardiologen und anschließend von Viszeralchirurgen eingesetzt – jeweils ohne bahnbrechende Erfolge. Derzeit versuchen sich Urologen an dem Chirurgieroboter, was zu funktionieren scheint. Letztlich wäre es besser gewesen, den Einsatz zunächst auf eine überschaubare Anzahl an medizinischen Zentren zu begrenzen und die Ergebnisse kritisch zu bewerten.“

Auch die Wirtschaftlichkeit ist kritisch zu betrachten. Ein Team der Columbia University in New York hat nach 260.000 Gebärmutterentfernungen festgestellt, dass eine von Roboterhand durchgeführte Operation etwa 2.000 Dollar mehr kostet als eine von Menschenhand durchgeführte, aber die Zahl der Komplikationen sowie der benötigten Bluttransfusionen etwa gleich ist.

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