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Umfrage von Swiss Medtech Schweizer Medtech-Branche stellt sich hinter das Paket Schweiz-EU

Quelle: Pressemitteilung Swiss Medtech 5 min Lesedauer

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Swiss Medtech hat nach Vorliegen des Verhandlungsresultats seine Mitglieder zum Paket Schweiz–EU befragt. Das Ergebnis: eine außergewöhnlich hohe Beteiligung und eine klare Zustimmung. Ausschlaggebend für die Befürwortung sind der direkte EU-Marktzugang und die Personenfreizügigkeit.

Swiss Medtech hat seine Mitglieder zum Paket Schweiz-EU befragt. Das Ergebnis: eine klare Zustimmung der Medtech-Unternehmen.(Bild:  GPT Image Editor / KI-generiert)
Swiss Medtech hat seine Mitglieder zum Paket Schweiz-EU befragt. Das Ergebnis: eine klare Zustimmung der Medtech-Unternehmen.
(Bild: GPT Image Editor / KI-generiert)

Swiss Medtech hat das Meinungsforschungsinstitut gfs.bern damit beauftragt, seine über 800 Mitglieder zu den Bilateralen III zu befragen. „Dem Vorstand ist es wichtig, die Position des Verbands zum Paket Schweiz-EU nicht einfach von oben herab zu bestimmen, sondern die Stimme der Unternehmerinnen und Unternehmer einzuholen. Sie verantworten Innovation und Arbeitsplätze – ihre Sicht ist für die politische Diskussion deshalb unverzichtbar“, sagt Damian Müller, Präsident von Swiss Medtech.

Bilateraler Weg

Europapolitische Ziele der Schweiz bleiben die Sicherung und Weiterentwicklung eines weitgehenden Zugangs zum EU-Binnenmarkt sowie die Zusammenarbeit mit der EU in ausgewählten Interessensbereichen unter Wahrung grösstmöglicher politischer Eigenständigkeit.

Den Zugang zum EU-Binnenmarkt ermöglichen fünf Abkommen der Bilateralen I von 1999. Die Bilateralen II betrafen weitere wirtschaftliche Interessen, dehnten die Zusammenarbeit aber auf wichtige politische Bereiche wie innere Sicherheit, Asyl und Umwelt aus. Doch auch nach Inkrafttreten der Bilateralen II im Jahr 2004 bauten die EU und die Schweiz ihre Zusammenarbeit aus, etwa in der Unternehmensbesteuerung oder der Polizeizusammenarbeit. Der bilaterale Weg soll fortgesetzt werden: der Schweizer Bundesrat verabschiedete Anfang März 2024 das Mandat für Verhandlungen mit der EU. Mitte März 2024 begannen die Verhandlungen, im Dezember wurden sie materiell beendet. Im Mai 2025 wurden die Abkommen des Pakets Schweiz-EU in Bern paraphiert, womit der Verhandlungsprozess formell abgeschlossen wurde. Am 13. Juni 2025 hat der Bundesrat die Abkommen gutgeheißen und die Vernehmlassung mit der Empfehlung eröffnet, die Abkommen, die Schweizer Umsetzungsgesetzgebung und die Begleitmaßnahmen anzunehmen. Die Verabschiedung der Botschaft zuhanden des Parlaments erfolgt voraussichtlich im ersten Quartal 2026.

Der Paketansatz erlaubt es, den bewährten bilateralen Weg fortzusetzen, ermöglicht neue, zusätzliche Abkommen und vergrößert den Spielraum für Lösungen. Die fünf bestehenden Binnenmarktabkommen (Personenfreizügigkeit, Luftverkehr, Landverkehr, technische Handelshemmnisse und Landwirtschaft) sollen aktualisiert und zwei weitere in den Bereichen Strom und Lebensmittelsicherheit abgeschlossen werden. Darüber hinaus strebt der Bundesrat den Abschluss eines Kooperationsabkommens im Gesundheitsbereich sowie eine systematische Teilnahme an den künftigen EU-Programmen an.

Bilateraler Weg ist für die Medtech-Branche unentbehrlich

Acht von zehn Unternehmen stehen hinter dem bisherigen bilateralen Weg. Gut zwei Drittel befürworten das neue Paket Schweiz-EU und würden heute Ja stimmen. Über 70 Prozent der Medtech-Unternehmen stufen das Paket Schweiz-EU als wichtig ein für ihr eigenes Geschäft. Noch deutlicher zeigt sich die Einschätzung mit Blick auf den gesamten Medtech-Standort Schweiz – hier bewerten über 80 Prozent das Paket als wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit. Diese deutliche Zustimmung unterstreicht, dass stabile vertragliche Beziehungen zur EU für die Medtech-Branche einen zentralen Stellenwert haben. Die EU ist der wichtigste Handelspartner der Schweizer Medizintechnikindustrie. Jeder dritte der über 70.000 Arbeitsplätze in der Branche hängt direkt von Aufträgen aus der EU ab.

Hohe Beteiligung – klarer Auftrag

Berücksichtigt man die Anzahl der Mitarbeiter und den Umsatz, vertritt Swiss Medtech mit über 800 Mitgliedern rund 90 Prozent der Schweizer Medizintechnikindustrie. „Die Rücklaufquote der Umfrage ist mit 40 Prozent außerordentlich hoch – zumal sie mitten in die Sommerferien fiel“, erklärt Lukas Golder, Co-Leiter des Meinungsforschungsinstituts gfs.bern, das für die Durchführung verantwortlich war.

„Das überrascht mich nicht. Viele Unternehmen sind direkt betroffen und haben sich deshalb zu Wort gemeldet“, sagt Adrian Hunn, Direktor von Swiss Medtech. Über 70 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich der Verband zugunsten des Pakets engagieren soll. „Das eindeutige Votum unserer Mitglieder verstehe ich nicht nur als Legitimation, sondern als klaren Auftrag, die Bilateralen III im Interesse der Medtech-Branche engagiert zu unterstützen“, so der Direktor.

Ausschlaggebend: Marktzugang und Personenfreizügigkeit

Direkter Marktzugang über das Handelsabkommen MRA (Mutual Recognition Agreement) und Personenfreizügigkeit sind die beiden entscheidenden Gründe für die breite Zustimmung der Branche zum Paket Schweiz-EU. Seit dem Abbruch der Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU im Mai 2021 hat die Medtech-Industrie den direkten Zugang zum EU-Binnenmarkt verloren. „Unsere Unternehmen müssen nicht spekulieren – sie wissen seit Mai 2021 genau, was der Verlust des reibungslosen Zugangs zum wichtigsten Handelspartner bedeutet. Keine andere Industrie in der Schweiz ist legitimierter, sich hierzu zu äußern“, so Adrian Hunn.

Fast 80 Prozent sehen im Wegfall des direkten Marktzugangs eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit des Medtech-Standortes Schweiz. Diese Einschätzung zieht sich durch alle Unternehmensgrößen und Sprachregionen und verdeutlicht, wie stark die gesamte Branche durch die zusätzlichen Markthürden belastet wird.

Kritische Stimmen zum Paket sind deutlich in der Minderheit. Dabei sind sie fast ausschließlich ideologisch oder institutionell geprägt. Der Prozess der Meinungsbildung ist noch im Gange. Mit zunehmender Information dürfte sich diese weiter zugunsten des Pakets entwickeln, denn für die Mehrheit der Firmen ist der gesicherte Zugang zum europäischen Binnenmarkt von essenzieller Bedeutung. „Unser Wohlstand basiert wesentlich auf der exportstarken Industrie. Der internationale Konkurrenzkampf ist hart – deshalb brauchen unsere Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen. Damit unsere Industrie investieren, wachsen und Arbeitsplätze sichern kann, braucht sie unbürokratischen Marktzugang und Rechtssicherheit“, erklärt Damian Müller, Präsident von Swiss Medtech.

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Das Wichtigste auf einen Blick
  • Beteiligung: Es wurden alle 823 Swiss Medtech Mitglieder befragt. 323 unter ihnen haben geantwortet. Das entspricht einer sehr hohen Rücklaufquote von rund 40 Prozent.
  • Haltung zum bilateralen Weg: Gut acht von zehn Medtech-Unternehmen (81 Prozent) stehen klar hinter dem bisherigen bilateralen Weg.
  • Haltung zum neuen Paket Schweiz-EU: Gut zwei Drittel (63 Prozent) der Medtech-Unternehmen unterstützen das Paket und würden heute Ja stimmen. Dagegen sind 11 Prozent, 13 Prozent haben noch keine Haltung gebildet und weitere 13 Prozent keine Antwort gegeben.
  • Auftrag an den Verband: 71 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sich der Verband zugunsten des Pakets engagieren soll.
  • Bedeutung des Pakets Schweiz-EU für die Wettbewerbsfähigkeit: 73 Prozent der Medtech-Unternehmen stufen das Paket als wichtig ein für ihr eigenes Geschäft. Gar 83 Prozent bewerten es als wichtig für den Medtech-Standort Schweiz als Ganzes.
  • Gründe für die Zustimmung: Marktzugang über das MRA und Personenfreizügigkeit sind die beiden Hauptgründe für die breite Zustimmung zum Paket Schweiz-EU.
  • Geschlossenheit: Es gibt leichte Unterschiede in den Ergebnissen zwischen Großunternehmen und KMU sowie zwischen den Sprachregionen. Start-ups sowie Unternehmen in der Romandie sind tendenziell zurückhaltender. Insgesamt sind die Unterschiede aber nicht statistisch signifikant.

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