France

Sauerstoff-Versorgung Plexiglas-Lunge macht den Sauerstoff-Transport sichtbar

Quelle: Pressemitteilung

Forschende der TU Bergakademie Freiberg liefern der Intensivmedizin wichtige Erkenntnisse. Mithilfe eines Plexiglasmodells einer Lunge konnte das Team den Sauerstofftransport zwischen Luftröhre und oberem Bronchialbaum sichtbar machen.

Anbieter zum Thema

Dr. Katrin Bauer betrachtet das Mittel-Teil der im Forschungsprojekt entwickelten Modell-Lunge aus Plexiglas.
Dr. Katrin Bauer betrachtet das Mittel-Teil der im Forschungsprojekt entwickelten Modell-Lunge aus Plexiglas.
(Bild: TU Bergakademie Freiberg)

Freiberg – Schon in der Schule lernen Schüler die Aufgaben der Lunge. Sie sorgt dafür, dass das Blut mit Sauerstoff aus der Atemluft versorgt wird und Kohlendioxid abtransportiert wird. „Während die Funktionsweise der Lunge bekannt ist, ist das lebenswichtige Organ selbst eine Art Black Box. Wichtige Werte wie die Sauerstoffkonzentration lassen sich nur vor der Einatmung oder im Blut genau messen. Wie genau sich der Sauerstoff auf seinem Weg durch die Lunge verteilt und was das für die intensivmedizinische Beatmung bedeutet, wurde bisher noch nicht untersucht“, sagt Prof. Rüdiger Schwarze. Der Experte auf dem Gebiet der Strömungsmechanik erforscht an der TU Bergakademie Freiberg, wie sich Flüssigkeiten physikalisch verhalten. Forschende aus dem Fachgebiet der biomedizinischen Strömungsmechanik der TU Bergakademie Freiberg haben den Sauerstoff-Transport nun mit einem Plexiglasmodell der Lunge sichtbar gemacht.

Plexiglas-Modell bringt Licht in die Black Box Lunge

Im Rahmen eines von 2015 bis 2020 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekts (Fördernummer: 257981040, Gesamtfördersumme: 440.000 Euro) haben die Forschenden eine vereinfachte Modell-Lunge aus transparentem Plexiglas entwickelt. „Dank des Modells können wir Licht in die Black Box bringen und den Prozess des Gasaustauschs von der Luftröhre bis zum oberen Bronchialbaum sichtbar machen. In der Studie haben wir den Sauerstofftransport bei einer so genannten Flüssigkeitsbeatmung untersucht“, erklärt Dr. Katrin Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Autorin des Artikels im Fachmagazin Scientific Reports. Bei dieser Beatmungsmethode erfolgt die Versorgung, statt direkt mit Sauerstoff, mit der sauerstoffhaltigen Flüssigkeit Perflourcarbon. Angewendet wurde diese Methode bisher in klinischen Studien bei akutem Lungenversagen sowie zur schonenden Beatmung von Frühgeborenen.

Den Sauerstoff in der Modell-Flüssigkeit können die Forschenden in der Plexiglas-Lunge durch einen sauerstoff-sensitiven und fluoreszierenden Farbstoff sichtbar machen und so analysieren, wie genau sich der Sauerstoff während eines simulierten Atemzyklus von der Luftröhre bis zu den oberen Bronchien verteilt. „Konkret haben wir die Konzentrationsverteilung des gelösten Sauerstoffs während der Durchströmung gemessen und mit denen aus vorangegangenen Arbeiten bekannten Geschwindigkeitsfeldern verglichen“, erläutert Mitautor Thomas Janke.

Ergebnisse lassen sich auf Sauerstoffbeatmung übertragen

Der Sauerstofftransport in der Lunge wird im oberen Bronchialbaum von Konvektion und nicht von Diffusion dominiert. Das bedeutet, dass ein Transport erfolgt, der durch die Strömung getrieben wird. So lassen sich die Ergebnisse prinzipiell von der Flüssigkeitsbeatmung auf die Sauerstoffbeatmung übertragen. „Wir konnten mithilfe des Lungen-Modells nachvollziehen, wie genau der Transport des Sauerstoffs in den oberen Lungenästen mit der Zufuhr von frischer Luft sowie dem Abtransport verbrauchter, sauerstoffarmer Luft abläuft“, erklärt Thomas Janke. „Je höher das Atemzugsvolumen, desto schneller verteilt sich der Sauerstoff und desto schneller lässt sich eine höhere Sauerstoffkonzentration erreichen. Eine erhöhte Atemfrequenz hat jedoch keinen Einfluss auf die Sauerstoffkonzentration in den unteren Atemwegen. Wer also schneller atmet, erreicht keine höhere Sauerstoffkonzentration“, ordnet Dr. Katrin Bauer die Ergebnisse ein.

Vorklinische Studien zur weiteren Validierung notwendig

Um die Ergebnisse der Grundlagenforschung der Ingenieurswissenschaftler der TU Bergakademie Freiberg weiter für die Beatmung auf Intensivstationen zu validieren, müssten in weiteren Schritten vorklinische Studien folgen. „Eine konkrete Kooperation gibt es aber derzeit noch nicht“, sagt Prof. Rüdiger Schwarze.

Originalpublikation: Bauer, K., Janke, T. & Schwarze, R. Oxygen transport during liquid ventilation: an in vitro study. Sci Rep 12, 1244 (2022). https://doi.org/10.1038/s41598-022-05105-1

Weitere Artikel zur Zukunft der Medizintechnik finden Sie in unserem Themenkanal Forschung.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:47975620)