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Offene Standards im vernetzten Operationssaal

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Die semantische Interoperabilität sicherstellen

Metriken werden nach demselben Prinzip durch weitere Parameter beschrieben, um die semantische Interoperabilität sicherzustellen. Beispielsweise ist die (Maß-)Einheit ein wichtiger Bestandteil: So kann die Patientensicherheit nur gewährleistet werden, wenn klar ist, ob die Flussrate eines Medikaments in Milliliter pro Minute oder pro Stunde angegeben ist. Das Service-Modell definiert die Möglichkeiten der Interaktion zwischen den Medizingeräten. So existieren Services die es einem Klienten ermöglichen, sowohl die Gerätebeschreibung als auch den Gerätezustand auszulesen.

Ebenso kann ein Gerät Event-Benachrichtigungen bereitstellen. Klienten, die diese abonniert haben, werden dann je nach Verfügbarkeit und Anwendungsfall periodisch oder bei Änderungen über den Gerätezustand informiert. Auch für die Fernsteuerung können Services angeboten werden, welche die in der Gerätebeschreibung definierten Einstell- und Auslöseoperationen zugänglich machen.

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Der dritte vorgeschlagene Standard mit der Bezeichnung IEEE P11073-20701 beschreibt das Zusammenspiel der beiden vorher genannten. Die SOA wird darin zur „Service-Oriented Medical Device Architecture“ (SOMDA) spezialisiert. Dabei wird auf weitere Aspekte wie Zeitsynchronisation und Quality of Service (QoS) des genutzten Netzwerks eingegangen. Alle drei Standardvorschläge werden unter der Bezeichnung IEEE 11073 „System and Device Connectivity“ (SDC) zusammengefasst. Das Bild illustriert die drei Standardvorschläge und bettet diese schematisch in ein Medizingerät ein. Das so definierte Kommunikationsprotokoll wird im OR.NET-Projekt als „Open Surgical Communication Protocol“ (OSCP) bezeichnet, eignet sich aber auch für patientennahe Medizingeräte außerhalb des OPs.

Interessant für kleine und mittelständische Unternehmen

Die Integration von Medizingeräten wird sich mit standardisierten Schnittstellen vereinfachen, da keine Implementierungen von verschiedenen proprietären Protokollen mehr vorgenommen werden müssen. Das Konzept ist vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) geschäftsmodellfördernd. Denn KMUs prägen das Bild der deutschen Medizintechnik-Branche. Standardisiert-vernetzte OP-Geräte eröffnet vor allem diesen Unternehmen den Zugang zum Markt integrierter OPs. Ergänzend ist ein standardisiertes Konformitätsbewertungsverfahren, das Kosten reduziert und ein Treiber für neue Innovationen ist, was direkt den Patienten zugutekommt.

Aktuelle monolithischen Systeme integrierter OPs sind auf einige wenige Hersteller beschränkt. Hat sich ein Klinikbetreiber für ein System entschieden, ist er für eine lange Zeit gebunden. Eine standardisierte Vernetzung dagegen ermöglicht die herstellerunabhängige Vernetzung. Somit können die Geräte gekauft werden, die für den gegebenen Anwendungsfall das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Diese Ressourceneinsparungen können zur Verbesserung der Behandlungsqualität genutzt werden.

Die im OR.Net-Projekt entwickelten Konzepte erlauben ein Plug-and-play von Medizingeräten. Geräte können zwischen mehreren integrierten OP-Sälen bewegt werden, ohne das die sie aufwendig konfiguriert werden müssten. Doppelte Anschaffungen sowie zusätzliche Service- und Wartungsaufwände sind vermeidbar, weil die Vernetzung auf Standardnetzwerktechniken basiert. Zusätzliche Spezialhardware muss weder angeschafft noch betrieben werden. Auch drahtlose Netzwerke für bestimmte Anwendungsfälle sind möglich.

Dieser Artikel ist erschienen auf www.elektronikpraxis.de.

* Martin Kasparick forscht am Institut für Angewandte Mikroelektronik und Datentechnik der Universität Rostock und Björn Andersen forscht am Institut für Medizinische Informatik der Universität zu Lübeck.

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