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Hörimplantate MHH versorgt zweijähriges Kind mit zweitem Hirnstammimplantat

Quelle: Pressemitteilung Medizinische Hochschule Hannover 2 min Lesedauer

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Die Medizinische Hochschule Hannover hat einem zweijährigen Mädchen ohne Hörnerven ein zweites "Auditory Brainstem Implant" (ABI) eingesetzt. Eine beidseitige Hirnstammimplantat-Versorgung in diesem Alter gilt selbst im internationalen Vergleich als außergewöhnlich selten.

ABI-Operationen zählen zu den anspruchsvollsten Eingriffen der Hörrehabilitation und werden weltweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt.(Medizinische Hochschule Hannover / G. Deußing, KI-generiert)
ABI-Operationen zählen zu den anspruchsvollsten Eingriffen der Hörrehabilitation und werden weltweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt.
(Medizinische Hochschule Hannover / G. Deußing, KI-generiert)

Ein zweijähriges Mädchen hat an der HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein zweites "Auditory Brainstem Implant" (ABI) erhalten und trägt nun beidseits Hirnstammimplantate. Nach Angaben der Klinik wird eine solche beidseitige Versorgung weltweit selbst bei Erwachsenen nur äußerst selten durchgeführt. 

Das Kind kam ohne Hörnerven zur Welt. Bei beidseitiger Hörnervenaplasie lässt sich Schall nicht auf dem üblichen Weg zum Gehirn weiterleiten, Cochlea-Implantate scheiden aus, da sie einen intakten Hörnerv voraussetzen. Ein Hirnstammimplantat umgeht den Hörnerv, indem es Elektroden direkt am Hirnstamm platziert und den Nucleus cochlearis, die erste zentrale Hörstation im Gehirn, elektrisch stimuliert.

Erste Versorgung vor gut einem Jahr 

Das Mädchen hatte bereits vor gut einem Jahr an der MHH ein erstes ABI erhalten und danach erste Wörter sprechen gelernt. Die jetzt erfolgte Versorgung der zweiten Seite soll, ähnlich wie beim natürlichen beidseitigen Hören oder bei bilateralen Cochlea-Implantaten, räumliches Hören sowie eine differenziertere Verarbeitung von Geräuschen und Stimmen ermöglichen. Ob sich dieser Effekt bei ABI-Versorgung in vergleichbarem Maß einstellt wie bei Cochlea-Implantaten, für die die Datenlage zu bilateralem Hören umfangreicher ist, lässt die Pressemitteilung offen.

Hochspezialisierter Eingriff 

ABI-Operationen zählen zu den anspruchsvollsten Eingriffen der Hörrehabilitation und werden weltweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt. Die Operation führten laut MHH die aktuelle Klinikdirektorin Anke Leichtle, der frühere kommissarische Klinikdirektor Rolf Salcher sowie Thomas Lenarz gemeinsam durch, der die Klinik über drei Jahrzehnte leitete und an der internationalen Entwicklung implantierbarer Hörsysteme beteiligt war.
 
Zwei Tage nach der Operation, ungewöhnlich früh für eine ABI-Versorgung, wurde das Implantat im Rahmen eines sogenannten Probentons erstmals aktiviert. Dabei werden unter anderem Impedanzen gemessen und erste elektrische Reize appliziert. Das Kind zeigte nach Angaben der Klinik erste Reaktionen, die auf eine Hörwahrnehmung hindeuten könnten; eine gesicherte Aussage lässt sich daraus nach eigener Einschätzung der Klinik noch nicht ableiten. Die eigentliche Erstanpassung des Implantats sowie die anschließende Hör- und Sprachtherapie stehen in den kommenden Tagen und Wochen noch aus.

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