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Mergers & Acquisitions in der Medizintechnik (Teil 9): M&A im 1. Halbjahr 2018

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Kleine und mittlerer Transaktionen in der D/A/CH-Region

In der D/A/CH-Region ist das Geschehen derweil von einer Vielzahl kleiner und mittlerer Transaktionen gekennzeichnet. Eindeutige Transaktionstreiber sind dabei nicht gehäuft zu erkennen. Vielmehr fallen diese thematisch sehr heterogen aus.

Zahlreiche Aktivitäten im Segment Health-IT

Auf anhaltend hohem Niveau liegen die Aktivitäten im Segment Health-IT. Zu nennen ist hier exemplarisch die Übernahme des Bildgebungsspezialisten Rein Medical durch die japanische Gruppe JVC-Kenwood, die damit ihr Bildgebungssegment ausbaut. Auf ähnlichen Pfaden bewegen sich Philips mit der Akquisition des Bildgebungs- und Navigationsspezialisten EPD Solutions und im gleichen Segment auch die niederländische RVC mit der Übernahme der auf Digitalisierung in der Radiologie spezialisierten Allgeier Medical IT.

Viel Bewegung im Segment Implantate und Orthopädie

Im bereits seit längerem sehr bewegten Segment Implantate und Orthopädie hat sich die Schweizer Medartis durch einen IPO neues Wachstumskapital besorgt. Auffällig ist im 1. Halbjahr ferner die ausgeprägte Aktivität von Finanzinvestoren auf der Käufer- und Verkäuferseite. Exemplarisch sind hier zu nennen:

Der Einstieg von Capvis und Partners Group beim österreichischen Dentaltechniker Amann-Girrbach

Die Übernahme der Acutronic-Gruppe durch die APAX-Portfoliogesellschaft Vyaire Medical, Chicago.

Auch die Venture-Capital-Transaktionen haben in diesem Bereich seit längerem ihren festen Platz, wie aktuell anhand der immerhin 22 Mio. Euro erreichenden Serie-B-Finanzierung des Kardiologie-Start-Ups Tricares oder der ähnlich großen Serie-B-Finanzierung des Zyklustracker-Entwicklers Ava erkennbar.

Der lange Schatten von Amazon

Nicht zuletzt ist der in vielen Branchen bereits spürbare „Amazon-Effekt“ nun auch endgültig im Bereich Healthcare angekommen. Amazon hat nicht nur mit der Ankündigung, gemeinsam mit Partnern eine eigene Krankenkasse zu gründen, Aufsehen erregt. Auch die Akquisition der Online-Apotheke Pill Pac und der damit verbundene Einstieg ins Apothekengeschäft sorgten für Furore. Darüber hinaus hat Amazon sein Marketplace-Geschäft im Bereich Medical Supply massiv ausgeweitet. Im Business-to-Business (B2B) werden Krankenhäuser, Ärzte und Zahnärzte direkt mit Medizinprodukten wie Einmalhandschuhen, Masken, Spritzen und ähnlichen Verbrauchsmaterialien beliefert. Es bleibt abzuwarten, wann sich hierzu in größerem Umfang auch Produkte der Medizintechnik gesellen. Ähnliches streben Konkurrenten wie Alibaba etc. an.

Der in vielen Branchen spürbare „Amazon-Effekt“ ist nun auch endgültig im Bereich Healthcare angekommen. Darauf müssen sich Medizinprodukte-Hersteller und -Händler einstellen, da sich Amazon und andere letztlich aus ihren Margen bedienen werden.
Der in vielen Branchen spürbare „Amazon-Effekt“ ist nun auch endgültig im Bereich Healthcare angekommen. Darauf müssen sich Medizinprodukte-Hersteller und -Händler einstellen, da sich Amazon und andere letztlich aus ihren Margen bedienen werden.
(Bild: gemeinfrei / CC0)

Zwar ist sich Amazon bewusst, dass das Marketplace-Geschäftsmodell nicht ohne Anpassungen auf die Healthcare-Industrie zu übertragen ist, über kurz oder lang dürften sich durch diesen Markteintritt jedoch wie bereits in anderen Branchen geschehen erhebliche Rückwirkungen auf die etablierten mehrstufigen Handelsstrukturen und auf die Einkaufsorganisationen in größeren Unternehmen der Medizinbranche und des Gesundheitssektors ergeben. Medizinprodukte-Hersteller und -Händler müssen sich daher mit Blick auf diese Einflüsse auch vertriebsseitig neu positionieren, da sich Amazon und andere letztlich aus ihren Margen bedienen werden.

Die Chancen der Digitalisierung nutzen

Dabei wird es entscheidend darum gehen, soweit möglich die Chancen der Digitalisierung zu nutzen und sich technologisch, sicherheitstechnisch und qualitativ an die Spitze der Entwicklung zu stellen. Für Produzenten in Segmenten mit begrenzten Möglichkeiten für technologische USPs und für Händler gilt es umso mehr, sich durch geeignete Mehrwert-Angebote und umfassende Leistungspakete der reinen Preisvergleichbarkeit zu entziehen.

Die absehbare Neuordnung dieser Supply-Chain-Strukturen dürfte sich ihrerseits auf das Transaktionsgeschehen der nächsten Jahre auswirken und addiert sich damit zu den Effekten, die die Digitalisierung für die Hersteller von Medizintechnik und Medizinprodukten mit sich bringen. Mergers & Acquisitions (M&A), kapitalmarktgetriebene Reorganisationen und die verschiedenen Spielarten von Kooperationen und Joint Ventures werden vor diesem Hintergrund weiterhin Mittel der Wahl bleiben, um die anstehenden Veränderungen erfolgreich umzusetzen.

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* Der Autor: Dr. Christian Bridts ist Gründer und Geschäftsführer von Bridts Corporate Finance, München. Für Devicemed betrachtet er exklusiv zwei Mal pro Jahr deutschlandrelevante M&As auf dem Medtech-Markt.

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