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Maxon Maxon: mehr als Motor

| Redakteur: Julia Engelke

Maxon, gegründet 1961, ist ein Schweizer Unternehmen mit Hauptsitz in Sachseln (Zentralschweiz). Seit mehr als 50 Jahren dreht sich alles um kundenspezifische Antriebslösungen, Qualität und Innovation. Dass Maxon mehr als nur Motor ist, zeigt sich in den Lösungen für den Kernmarkt Medizintechnik.

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Andreas Philipp, Leiter des Bereichs Pulverspritzguss bei Maxon, zeigt eine Keramikspindel.
Andreas Philipp, Leiter des Bereichs Pulverspritzguss bei Maxon, zeigt eine Keramikspindel.
(Bild: Maxon Motor)
  • Thermische Eigenschaften von Antrieben in medizinischen Geräten
  • Exomotion Handorthese: funktionelles und zuverlässiges Hilfsmittel im Alltag
  • Spritzgussabteilung für Keramik und Metall

Die von Maxon entwickelten und gebauten DC-Motoren werden überall dort eingesetzt, wo die Anforderungen hoch sind und Ingenieure keine Kompromisse eingehen wollen. Maxon-Antriebssysteme treiben die Nasa-Rover auf dem Mars an. Sie sind in Insulinpumpen eingebaut und in chirurgischen Handgeräten. Man findet sie in humanoiden Robotern oder in hochpräzisen Industrieanlagen.

Im Juli 2019 trennte sich Maxon Motor vom Wort „Motor“ und trat neu unter der Marke „Maxon“ auf. Das hatte mehrere Gründe. Einerseits wandelte sich das Unternehmen von einem Motoren- und Komponentenhersteller zum Spezialisten für präzise Antriebssysteme mit dem Fokus auf vier Kernmärkte (Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Industrieautomation, Mobility Solutions). Andererseits passte Maxon die Unternehmensstruktur an und positioniert sich als starke Gruppe mit globaler Präsenz. Der Antriebsspezialist will damit vor allem den Systemgedanken sowie sein breit gefächertes Produktsortiment in den Vordergrund stellen und sich nicht mehr nur auf das Wort Motor reduziert sehen.

Medizintechnik fordert heraus, belohnt aber auch mit Umsatz

Was es bedeutet, eben diese präzisen mechatronischen Antriebssysteme streng nach ISO 13485 mit der typisch Schweizer Qualität im Hochlohnland Schweiz zu entwickeln und zu produzieren, erklärt Business Development Manager Fabian Schnyder. In kundenspezifischen Projekten werden in der Regel Proof-of-Concept-Einheiten für den Kunden auf Basis der relativ großen Produktplattform erstellt. So kann schnell und agil gehandelt und das Produkt kundenspezifisch optimiert werden. Aber auf welche Eigenschaften kommt es bei Antrieben für die Medizintechnik besonders an? „Entscheidend ist – wie immer bei Elektromotoren – der Arbeitspunkt. Wie hoch muss die Leistung sein? Welche Dynamik ist notwendig? Wie verhält sich das Gesamtsystem? Aber bei Motoren für die Medizintechnik kommt eine weitere, entscheidende Frage hinzu: Wie verhält sich das System thermisch? Die Temperatur dieser hocheffizienten Antriebe spielt eine große Rolle, vor allem, wenn sie in implantierbaren Systemen im Körper arbeiten sollen. Dann dürfen Temperaturgrenzen nicht überschritten werden, da Eiweiß bei hohen Temperaturen reagiert“, betont Schnyder. Eine der größten Herausforderungen ist zudem, die Zeitspanne bis zur Finalisierung des Produkts möglichst kurz zu halten. Teilweise sind die Beschaffungszeiten am Markt exorbitant, etwa bei Halbleitern oder Magneten. Da kann es schon sechs Monate dauern, bis die Komponenten lieferbar sind. Darüber hinaus müssen die Lieferanten in der Medizintechnik Materialzertifikate mitliefern sowie einen Erstmusterprüfbericht und Fähigkeitsnachweise, dass sie auch unter seriellen Bedingungen produzieren können. Jedes Medizinteil benötigt neben der Zeichnung eine Materialspezifikation, die Informationen darüber enthält, was geprüft werden muss, was zu 100 Prozent geprüft werden muss, wie es gereinigt und verpackt werden muss oder welche Dokumente mitgeliefert werden müssen. Der Nachweisaufwand für ein medizintechnisches Bauteil ist sehr hoch.

Wie die Anwendung nach erfolgreichem Nachweis aussehen kann, zeigt eine Orthese der HKK Bionics. Das junge, von Ulmer Hochschulabsolventen gegründete Unternehmen entwickelt und vermarktet neuartige, aktive bionische Orthesen. Der Leitsatz „Empowering motion“ vereint hochmoderne Technologien und innovative Fertigungsmethoden gepaart mit traditioneller orthopädietechnischer Handwerkskunst zu einem kompakten Hightech-Produkt. Das passt genau zur Philosophie von Maxon. Die Exomotion-Handorthese wurde als funktionelles und zuverlässiges Hilfsmittel für den Alltag entwickelt, um die Greiffunktion gelähmter Hände wiederherzustellen. Die Symbiose aus orthopädietechnischer Handwerkskunst und modernster Technologie ermöglicht, durch eine filigrane, außenliegende Exomechanik, das gezielte Öffnen und Schließen jedes einzelnen Fingers.

Vielseitig: Motoren im Mars-Roboter, in Insulinpumpen oder der Prothese

Für seinen Beitrag zur Mars-Mission ist Maxon weit über die Grenzen industrieller Anwender hinaus bekannt. Nun will Maxon auch zur Sonne fliegen. Solar Orbiter ist im Februar gestartet und soll Wissenschaftlern neue Erkenntnisse über die Sonne liefern. Beim Bau der Raumsonde hat die Schweizer Forschung und Industrie eine wichtige Rolle gespielt. Dazu gehören auch Antriebe von Maxon.

Dass das Unternehmen auch eine eigene Spritzgussabteilung für Keramik und Metall unterhält, wissen dagegen nur wenige. Hier werden nicht nur Keramikspindeln produziert, sondern auch Spezialteile für die Medizintechnik. Keramik ist ein hervorragendes Material, um Getriebe zu verstärken. Aus diesem Grund hat der Antriebsspezialist vor 20 Jahren eine eigene Pulverspritzguss-Abteilung gegründet. „Wir sind das einzige Unternehmen, das dem Kunden Motor, Getriebe und Keramikspindel aus einer Hand bieten kann“, sagt Produktmanager Walter Kuhn. Abteilungsleiter Andreas Philipp ergänzt: „Keramik kommt zum Einsatz, wenn alle anderen Materialien versagt haben.“

In der aktuellen Covid-19-Situation ist die Nachfrage nach Antrieben für Beatmungsgeräte, Laborautomaten oder Wärmebildkameras hoch. Gleichzeitig führt sie aber auch zu Engpässen in der Materialversorgung und zu Auftragsrückgängen. Maxon hält seine Motoren jedoch nicht an, sondern stellt mithilfe von Kurzarbeit und einem Sparprogramm die Betriebssicherheit über die kommenden Monate sicher.

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