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Misumi Maschinenbauer im Anti-Corona-Einsatz

Redakteur: Julia Engelke

Seit Anfang 2020 stemmen sich Ärzte und Pflegekräfte auf der ganzen Welt gegen COVID-19. Dafür, dass sie dabei gut geschützt sind, tragen nicht zuletzt Maschinenbauer wie MBL Solutions Sorge: Innerhalb von nur vier Monaten entwickelte das Unternehmen aus Apulien eine der ersten italienischen Maschinen für die Herstellung medizinischer Gesichtsmasken. Das gelang auch dank des Supports durch den Bauteilexperten Misumi.

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MBL Solutions entwickelte mit LPMA-100 eine der ersten italienischen Maschinen zur Maskenproduktion.
MBL Solutions entwickelte mit LPMA-100 eine der ersten italienischen Maschinen zur Maskenproduktion.
(Bild: MBL Solutions)

Corato nahe Bari im Juli 2020: Dutzende Interessierte aus Wirtschaft, Politik und Presse sind angereist, um eine Maschine in Augenschein zu nehmen, die in Italien ein überregionales Echo hervorgerufen hat. Sogar der landesweite Fernsehsender Rai News 24 berichtete über LPMA-100, eine vollautomatisierte Maschine für die Produktion von Gesichtsmasken für medizinisches Personal. Der Grund für das große öffentliche Interesse: In vielerlei Hinsicht ist diese Anlage eine außergewöhnliche Errungenschaft. So entwickelte der Hersteller MBL Solutions sie innerhalb von vier Monaten – der Hälfte der Zeit, die normalerweise für die Konstruktion einer derartigen Maschine benötigt wird. Darüber hinaus ist LPMA-100 eine der ersten Maschinen, mit denen in Italien Mundschutze produziert werden; vor der Pandemie wurden Gesichtsmasken ausschließlich importiert, insbesondere aus China. Dass MBL Solutions das „Mundschutzprojekt“ schnell und erfolgreich abschließen konnte, ist auch der vielfältigen Unterstützung durch sein Partnerunternehmen Misumi zu verdanken. Das betonte MBL-Geschäftsführer Luigi Maldera während seiner Rede im Rahmen der Präsentation in Corato.

Pionierarbeit in Lockdown-Zeiten

Vor der Pandemie produzierte MBL Solutions größtenteils Verpackungstechnologie, Robotersysteme, Mikrowellen für industrielle Anwendungen und Maschinen für die Herstellung von Photovoltaik-Paneelen. Berührungspunkte mit dem Medizinsektor gab es jedoch kaum. Das sollte sich im Frühjahr 2020 ändern: MBL Solutions startete die Entwicklung einer Maschine „made in Italy“ für die Herstellung von Mundschutzen. Zu jenem Zeitpunkt war Italien das durch die Pandemie am stärksten betroffene Land Europas. Gleichzeitig herrschte eine Knappheit an medizinischem Equipment, und dieses musste oftmals importiert werden. Entsprechend trieben die italienische Regierung und die regionalen Autoritäten die Eigenproduktion medizinischer Produkte voran. Für Hersteller wie MBL Solutions sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung: Sie entgingen einerseits dem Lockdown, mussten sich andererseits aber binnen kurzer Zeit auf einem neuen Gebiet beweisen. „Der Faktor Zeit war der wesentliche Aspekt für den Erfolg des Mundschutzprojektes. Dabei ging es für uns insbesondere darum, die Vorlaufzeiten für die benötigten Komponenten zu minimieren“, erklärt Maldera.

Effizientere Beschaffung

Mit Misumi, einem Spezialisten für Maschinenbauteile, arbeitet MBL Solutions seit 2019 eng zusammen. Der Startschuss zur Kooperation fiel während einer Roadshow des europäischen Teams von Misumi, im Rahmen derer die Vorteile der Online-Konfiguration von Bauteilen präsentiert wurden. Dabei wurde deutlich, dass MBL Solutions dank der Vielzahl der verfügbaren Komponenten und mithilfe der Beratung durch das technische Personal von Misumi sehr viel Zeit in den Bereichen Entwicklung, Produktion, Supply-Chain-Management und Lieferung einsparen kann. Misumi verfolgt ein Total-Cost-Saving(TCS)-Konzept, das es Kunden ermöglicht, über den gesamten Beschaffungsprozess zeitraubende Arbeitsschritte einzusparen. Auf Kundenseite verbleiben lediglich die intuitive Konfiguration und die Bestellung der Komponenten im Online-Shop. Darüber hinaus liefert Misumi bis zu 70 Prozent der Bauteile, die für eine Applikation benötigt werden, und konsolidiert damit mehrere Anbieter, was die Beschaffung deutlich effizienter macht. „Im Zentrum unseres Angebots steht kein Produkt, sondern ein Konzept: unser Online-Katalog. In diesem können unsere Kunden aus vielen unterschiedlichen Komponenten einfach und schnell die passenden finden und präzise nach individuellen Anforderungen konfigurieren“, sagt Antonio De Pace, Senior Business Specialist aus der Mailänder Vertriebsniederlassung von Misumi, und fügt hinzu: „Das ermöglicht es uns, die wichtigsten Anforderungen von MBL Solutions zuverlässig zu erfüllen: eine schnelle und pünktliche Lieferung bei hoher Produktqualität.“

Misumi unterstützte den Maschinenbauer MBL Solutions mit Bauteilen wie Ketten und Kettenrädern.
Misumi unterstützte den Maschinenbauer MBL Solutions mit Bauteilen wie Ketten und Kettenrädern.
(Bild: MBL Solutions)

Frühzeitig auf Extremsituation eingestellt

Misumi betreibt ein stetiges Monitoring der Zielmärkte, um auf Veränderungen wie beispielsweise durch die Corona-Pandemie vorbereitet zu sein und Kunden bei ihrer Umstellung zu unterstützen. Die Konsequenz: Das Unternehmen forciert die Produktion und Bevorratung von Bauteilen, die für die Fertigung bestimmter dringend gebrauchter Produkte benötigt werden, und agiert gleichermaßen als Berater und Lieferant. So auch bei MBL Solutions: Durch die enge Zusammenarbeit mit der technischen Abteilung und dem Einkauf des Kunden trug Misumi zum erfolgreichen Abschluss des LPMA-100-Projekts bei. Dass die Maschine innerhalb von nur vier Monaten entwickelt werden konnte, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Misumi rund 40 Prozent der benötigten mechanischen Bauteile aus einer Hand lieferte: Linearwellen, Kugellager, Umlenkrollen, Zahnräder, Unterlegscheiben, Riemen, Positionierstifte, Bolzen und viele mehr. Dadurch konnte MBL Solutions die Anzahl der Zulieferer drastisch reduzieren und damit viel Zeit in den Bereichen Lieferantenmanagement und Konstruktion einsparen.

Fazit: Zusammenarbeit führt zum Erfolg

Die Maschine, die MBL Solutions unter Verwendung der Misumi-Komponenten entwickelte, bildet das Herzstück einer vollautomatisierten Produktionslinie: LPMA-100 produziert die Masken aus Vlies, die dann auf einer Sterilisationseinheit von Microglass mit Infrarot-Heating-Technologie sterilisiert werden und abschließend eine Verpackungsmaschine von Laferpack durchlaufen. Auf diese Weise entstehen bis zu 150 hygienische und fertig verpackte Masken pro Minute. Bis Anfang Oktober 2020 verkaufte MBL Solutions 20 Exemplare seiner vollautomatisierten Produktionslinie. Luigi Maldera resümiert: „Zusammenkommen ist ein Beginn, Zusammenbleiben ist ein Fortschritt, Zusammenarbeiten ist ein Erfolg – dieses Zitat von Henry Ford lässt sich sehr gut auf unser LPMA-100-Projekt beziehen. Denn dass wir dieses zu einem erfolgreichen Abschluss bringen konnten, haben wir insbesondere der großen Unterstützung durch unsere Partner wie Misumi zu verdanken.“

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