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Medizintechnik-Patent der Woche Linderung von Parkinson-Symptomen durch Injektion von Dopamin direkt ins Gehirn

Ein Gastbeitrag von Christian Metzger 2 min Lesedauer

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Aus der Fülle an Einreichungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) und Europäischen Patentamt (EPA) präsentiert die Devicemed-Redaktion wöchentlich das „Patent der Woche“. Heute: Linderung von Parkinson-Symptomen durch Injektion von Dopamin direkt ins Gehirn.

​​David Devos, Caroline Moreau und Team sind für den Europäischen Erfingerpreis in der Kategorie Forschung nominiert.(Bild:  Europäisches Patentamt)
​​David Devos, Caroline Moreau und Team sind für den Europäischen Erfingerpreis in der Kategorie Forschung nominiert.
(Bild: Europäisches Patentamt)

Weltweit leiden etwa zehn Millionen Menschen an der Parkinson-Krankheit. Auch wenn niemand genau weiß, was die Krankheit auslöst, steht fest, dass ein Mangel an Dopamin im Gehirn die Symptome verschlimmert.

Dieser Mangel lässt sich allerdings nur schwer beheben, da Dopamin mit herkömmlichen Methoden der Medikamentenverabreichung (Tabletten, Injektionen in Venen, Arterien oder Muskeln) nur schwer richtig zu dosieren ist und daher oftmals nicht in der eigentlich erforderlichen Konzentration im Gehirn zur Verfügung steht.

Wie sieht die patentierte Lösung aus?

Die beiden französischen Forscher David Devos und Caroline Moreau haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Dopamin direkt dorthin gebracht werden kann, wo es gebraucht wird – ins Gehirn.

Hierzu wird mit der Hilfe von Robotertechnologie ein Katheter mit einer Präzisions-Dosierpumpe implantiert und so positioniert, dass das Dopamin direkt in eine bestimmte Gehirnregion injiziert werden kann. Dadurch steht das Dopamin in exakt der benötigten Menge dort zur Verfügung, wo es gebraucht wird.

Da die Forscher in Versuchen nachweisen konnten, dass Dopamin seine Wirkung verliert, sobald es oxidiert, haben sie eine Lösung entwickelt, bei der das Dopamin von der Herstellung bis zur Verabreichung unter anaeroben Bedingungen gehalten wird. Geschützt wird das Verfahren durch das Europäische Patent EP 3142651 B1.

Warum ist das interessant?

Das vorliegende Patent ist ein gutes Beispiel für ein breites Grundlagenpatent, das die Basis für einen neuartigen Behandlungsansatz liefert.

Geschützt sind alle pharmazeutischen Dopamin-Lösungen zur Behandlung von Parkinson, die von ihrer Formulierung bis zu ihrer Verabreichung unter anaeroben Bedingungen gehalten werden. Die Art und Weise, wie die Lösung dabei ins Gehirn befördert wird, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle.

Die beiden Forscher haben gemeinsam das Unternehmen Inbrain Pharma gegründet, um diese Parkinson-Behandlungsmethode nun auf den Markt zu bringen. Das Patent wird es ihnen ermöglichen, die bisherigen Investitionen in Forschung, Entwicklung und klinische Studien wieder einzuspielen und große Pharmakonzerne auf Abstand zu halten.

Die Erfinder sind für den Europäischen Erfinderpreis nominiert, der am 9. Juli vom Europäischen Patentamt verliehen wird.

Patentdaten

  • Aktenzeichen: EP 3142651 B1
  • Anmeldetag: 12.05.2015
  • Veröffentlichungstag: 12.12.2018
  • Anmelder: Centre Hospitalier Régional et Univ de Lille, FR; Université de Lille 2 Droite et Santé, FR; Univ du Littoral Côte d'Opale, FR
  • Erfinder: Devo David, FR; Moreau Caroline, FR; Laloux Charlotte, FR; Devedjian Jean-Christophe, FR

Christian Metzger
Als Patentanwalt und Ingenieur unterstützt Christian Metzger Medizintechnik-Unternehmen beim Aufbau eines Patentportfolios, das die eigenen Innovationen vor Nachahmung schützt und den strategischen und unternehmerischen Bedürfnissen entspricht. Insbesondere dort, wo Medizintechnik auf Software und Digitalisierung trifft und digitale Maschinen entstehen.

Dabei kann er auf seine breite technologische und industrielle Erfahrung zurückgreifen, die er auch in seinen Jahren als Entwicklungsingenieur und – davor – als Unternehmensberater bei McKinsey & Company gesammelt hat.

Christian Metzger ist als Partner bei Realpatent Patentanwälte tätig, einer 1959 gegründeten Boutique-Patentanwaltskanzlei, die sich dem gewerblichen Rechtsschutz widmet.

Kontakt zu Christian Metzger auf Linkedin.

Bildquelle: Fotoatelier Starnberg (Nadine Abzouzi)

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