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Herz- und Gefäßmedizin ist ohne Digitalisierung nicht mehr denkbar

| Redakteur: Peter Reinhardt

Über 1,7 Millionen Fälle von Herzkrankheiten werden jährlich in Deutschland stationär behandelt, viele weitere ambulant. Ohne technische Systeme wie EKG, Angiographie oder Herz-Lungen-Maschine wäre dies nicht denkbar. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und transdisziplinäre Technologieansätze erweitern hier permanent die Möglichkeiten.

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Am Klinikum Nürnberg erweitern Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und transdisziplinäre Technologieansätze laufend die Möglichkeiten der Herz- und Gefäßmedizin.
Am Klinikum Nürnberg erweitern Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und transdisziplinäre Technologieansätze laufend die Möglichkeiten der Herz- und Gefäßmedizin.
( Bild: Reinhardt / Devicemed )
  • Netzwerke sind die Unternehmensform der Zukunft
  • Digitaler Zwilling für optimierte, personalisierte Behandlungen
  • Besichtigung zweier Hybrid-OPs

Viele innovative Ideen wurden beim Branchentreff des Forums Medtech Pharma am 16. Juli 2019 im Herz- und Gefäßzentrum am Klinikum Nürnberg diskutiert. Dabei wurde sehr deutlich, dass Ideen für neue Ansätze in Diagnose und Therapie sowohl von Seiten der Ärzte als auch aus der industriellen Forschung stammen. Wo die Idee auch immer herkommt - zur Realisierung sind ein frühzeitiger Austausch und eine enge Kooperation zwischen allen Beteiligten nötig. Denn die Bandbreite aktueller Forschungs- und Entwicklungsthemen in der Herz- und Gefäßmedizin ist enorm. Im Blickfeld stehen insbesondere die personalisierte Behandlung, Customer Experience von Patienten und Anwendern sowie gesteigerte Behandlungserfolge als Konsequenz.

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Was braucht moderne Hochleistungsmedizin?

„Hochleistungsmedizin braucht interdisziplinäre Zusammenarbeit, unabhängig von regionalen Einflussbereichen“ stimmte denn auch Prof. Dr. Günter Niklewski, Vorstand Medizin und Entwicklung am Klinikum Nürnberg die gut 40 Teilnehmer des Branchentreffs ein. Eben jene interdisziplinäre Zusammenarbeit sei am Klinikum Nürnberg in beispielgebender Weise gelungen. Und noch etwas brauche Hochleistungsmedizin: Größe. „Viele andere Einrichtungen sind viel zu klein, um Hochleistungsmedizin zu erbringen. Aber Patienten haben noch Probleme, sich an diese Zentralisierung zu gewöhnen“, so Niklewski

Patienten aus Einsen und Nullen?

„Auch der Einsatz digitaler Methoden in der Medizin führt in der Bevölkerung immer wieder zu Verunsicherung“, ergänzt David Winneberger, der sich bei Siemens Healthineers um Themen der Digitalisierung in der kardiovaskulären Gesundheitsversorgung kümmert. Informationskampagnen, die das Verständnis fördern, dass digitale Systeme immer nur unterstützende Funktion haben, aber nie den menschlichen Faktor in der Behandlung ersetzen werden, seien deshalb wichtig.

Winneberger liefert auch gleich ein aktuelles Beispiel der Digitalisierung für die medizinische Versorgung: den digitalen Zwilling. Dabei werden digital erfasste Daten zur detaillierten Charakterisierung individueller Patienten analysiert. Sie bilden die Basis für die Entwicklung einer optimierten, personalisierten Behandlung. Ein Ansatz, den unter anderem Siemens Healthineers intensiv verfolgt.

Intelligente Algorithmen unterstützen den Arzt

Unterstützung für Ärzte bieten aber auch intelligente Algorithmen, die mit Methoden aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz krankhaft veränderte Herzklappen genau vermessen, um Implantate passgenau auswählen und einsetzen zu können. Daran forschen auch Herzchirurgen aus dem Klinikum Nürnberg unter Leitung von Prof. Theodor Fischlein.

Mit dieser individualisierten Medizin können Therapien immer gezielter eingesetzt werden. Die Erarbeitung geeigneter Kriterien für diese Auswahl braucht klinische Expertise, möglichst viele Daten und intelligente Algorithmen. Prof. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Kadiologie im Klinikum Nürnberg erforscht diese Kriterien unter anderem im Bereich der Protexted PCI – einem Pumpensystem, das Patienten während kritischer Herzeingriffe versorgt.

Auch Medizinproduktehersteller arbeiten an digitalen Systemen

Aber auch die Medizinproduktehersteller arbeiten an digitalen Systemen für unterschiedlichste Bereiche und Anwendungssituationen. Dazu gehören beispielsweise mobilere Möglichkeiten zur Röntgenbildgebung oder digitale Prozesse in der Nachsorge, bei der durch intelligente Vernetzung von Modulen und Informationen Patienten im Anschluss an operative Eingriffe besser unterstützt werden können.

Um Entwicklungen wie diese mit Anwendern aus der Medizin zu diskutieren bringt der Branchen-Treff des Forum Medtech Pharma Experten und Interessierte bei einem seiner Netzwerk-Mitglieder zusammen. Dabei wird in kurzen Vorträgen das Thema in der Tiefe betrachtet, Führungen bieten zudem wertvolle Einblicke und Raum für Austausch. Am Herz- und Gefäßzentrum des Klinikums Nürnberg konnten die Teilnehmer als abschließendes Highlight eines informativen Nachmittags noch die beiden Hybrid-OPs besichtigen.

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