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Freudenberg Medical Ein Jurist als CEO im Technologie-Konzern

| Autor: Peter Reinhardt

Am 1. August hat Max Gisbert Kley das Amt des CEO von Freudenberg Medical übernommen. Noch vor Erreichen der 100-Tage-Marke nimmt Devicemed den Juristen unter die Lupe – und erfährt dabei Erstaunliches.

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Der Jurist Dr. Max Gisbert Kley ist seit 1. August CEO von Freudenberg Medical.
Der Jurist Dr. Max Gisbert Kley ist seit 1. August CEO von Freudenberg Medical.
(Bild: Freudenberg Medical)

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Sohn eines Chirurgiemechanikers ebenfalls Chirurgiemechaniker wird ist hoch. Nicht minder hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Sohn eines Juristen und Industriemanagers ebenfalls Jurist und Industriemanager wird. So auch bei Dr. Max Gisbert Kley, der seit 1. August CEO von Freudenberg Medical ist. Sein Vater Max Dietrich Kley war Finanzvorstand bei der BASF, sein Onkel Karl Ludwig Kley Vorstandsvorsitzender von Merck, der Großvater Gisbert Kley Vorstand der Siemens AG – allesamt Juristen. Und doch sagt Kley, es sei für ihn kein fest gesetztes Karriereziel gewesen, einmal CEO zu werden. Genauso wenig, wie er schon immer in die Medtech-Branche wollte. Auch wenn er rückblickend feststellt, dass er hier mal besser gleich hätte anheuern sollen, statt sich seine ersten Sporen in Übernahmeschlachten der Telekommunikationsbranche zu verdienen.

Bei Freudenberg läuft es wie am Schnürchen

Doch seit dem Eintritt in den Freudenberg-Konzern Ende 2000 verlief die Karriere von Kley wie am Schnürchen. Zuletzt hatte er als President von Freudenberg Medical ohnehin schon die Verantwortung für das Geschäft in Europa, für alle M&As weltweit und das Komponentengeschäft. Es war also quasi nur folgerichtig, dass er die Gesamtverantwortung übernahm, als sein Vorgänger Jörg Schneewind das Unternehmen im Sommer im gegenseitigen Einvernehmen verließ.

Nach außen hin sichtbar ist der Umzug seines Büros das deutlichste Zeichen für diesen Karriereschritt. Bisher hatte Kley sein Büro in der Konzernzentrale in Weinheim. Die Nähe zu den Stabsstellen Finanzen und Recht war einfach wichtig für seinen Aufgabenfokus. Doch dieses Büro ist inzwischen geräumt. Wenn Kley nicht unterwegs ist, dann ist er nun am Standort von Freudenberg Medical in Kaiserslautern anzutreffen. Na klar. Denn Nähe ist ihm wichtig.

Der Übergang selbst erfolgte mehr oder weniger nahtlos. Kunden bekannt, Produkte bekannt, Mitarbeiter bekannt. Trotzdem hat Kley zunächst viele Antrittsbesuche gemacht. „Ideen abholen und Prioritäten klarmachen“, so beschreibt er diese Zeit. Es ist wohl typisch für ihn. So oft wie möglich sucht er den Kundenkontakt. Mindestens einmal die Woche gelinge ihm das auch. Ungefiltertes Feedback will er bekommen. „Nichts ersetzt das direkte Gespräch“, so seine Maxime.

Man glaubt ihm, wenn er sagt, der Kunde sei der Star

Also übernimmt er als frischgebackener CEO auch gerne die Rolle des Gastgebers für eine Veranstaltung des Medizintechnik Clusters Mannheim und hält einen Vortrag über den Wandel vom Auftragsfertiger zum Entwicklungspartner für Medizintechnikhersteller. Dabei steht er fest am Boden, spricht sehr gestenreich. Der Vergleich mit dem Mammutbaum, dessen Äste sich im Wind vor dem Vortagsraum in der Villa Hermannshof, wiegen drängt sich auf: fest verwurzelt, doch immer in Bewegung – und stark. Den Raum mit 100 Zuhörern durchdringt er ohne Mikrofon bis in die letzte Stuhlreihe.

Man merkt, Kley ist seit vielen Jahren bei Freudenberg. Die Firmengeschichte kennt er aus dem Effeff, sein Publikum unterhält er eloquent mit Anekdoten. Kein Wunder, ist doch die Sprache das Handwerkszeug des Juristen. Dabei hilft ihm sicher, dass er nicht nur freundlich aussieht, er ist es auch. Wird er angesprochen, begibt er sich auf Augenhöhe. Man glaubt ihm, wenn er sagt, der Kunde sei der Star.

Die besten Lehrer der Welt gibt es in Indien

Fast wirkt er noch ein bisschen jugendlich, sodass es schwerfällt, in ihm den Manager und Verhandlungsführer zu sehen, der sich Zeit seines Berufslebens mit Mergers & Acquisitions beschäftigt hat. Aber er ist unbestritten erfolgreich in dem, was er tut. Also kann er wohl doch auch hart sein. Verhandeln habe er von den besten Lehrern der Welt gelernt, den Indern, sagt Kley über sich selbst und erinnert sich lachend an die Zeit seines Auslandsreferendariats bei der Deutsch-Indischen Handelskammer im Jahr 1995 in Neu Delhi.

Aufgewachsen und ausgebildet an verschiedenen Stationen in München, dem Ruhrgebiet und der Pfalz spricht Kley ohne Dialekt. Diverse Auslandsaufenthalte tun hier ihr Übriges. Auch wer ihm häufiger begegnet muss nachfragen, um zu erfahren, wo er herstammt. Gleichsam schwer einzuordnen ist er beruflich: „Ich bin zwar Jurist, habe aber Spaß an Technik und weiß gefährlich genug, um meinen Ingenieuren ein paar schwierige Fragen zu stellen.“, sagt er verschmitzt. Der Typ, der sein Gegenüber unter Druck setzt, ist er dennoch eher nicht. Hart in der Sache, aber dennoch um eine gute Atmosphäre und gegenseitigen Respekt bemüht. Das wundert nicht. „Denn auf die Akquise folgt bei Freudenberg die Integration – und da wäre eine vergiftete Atmosphäre eine denkbar schlechte Ausgangslage“, macht Kley deutlich.

So feinfühlig wie ein Neurochirurg

Einer der genau diesen Prozess gemeinsam mit Kley durchlaufen hat, ist Dr. Michael Hoffmann, Gründer und CEO der Hemoteq AG, die im vergangenen Jahr von Freudenberg übernommen wurde. „So feinfühlig wie ein Neurochirurg hat er agiert, ohne auch nur einen Moment sein Ziel aus den Augen zu verlieren“, wundert sich Hoffmann im Grunde heute noch, wie es Kley gelungen ist, die damalige Verkäufergruppe schon frühzeitig aufzuspalten, deren Schmerzgrenze auszuloten, um sich bald darauf doch die Gefolgschaft entscheidender Teile des Managements zu sichern.

Hoffmann selbst war sich zu Beginn der Verhandlungen nicht sicher, ob er als Start-up-Gründer überhaupt in die Struktur eines Konzerns integrierbar ist. Doch Kley habe genau das möglich gemacht. „Der ist einfach verdammt gut“, bescheinigt er ihm und meint damit nicht nur, dass Kley stets bestens informiert und technisch versiert ist, sondern vor allem auch diskussionsbereit und -fähig, sodass es bei Hemoteq heute besser laufe als jemals zuvor.

Bei M&As ist der Vertrag das Produkt

Man kann also festhalten: M&As, das passt zum Juristen. Denn letztlich geht es hier ums Verhandeln, Produkt ist der Vertrag. Für seinen Arbeitgeber verfolgt Kley den klaren Auftrag, organisch und durch Akquisitionen zu wachsen. Darauf setzt der Freudenberg-Konzern – und damit auch Freudenberg Medical und Kley. Dass er in einem Interview mit Devicemed vor drei Jahren sagte „ der eigentliche Fokus ist auf organisches Wachstum über die gesamte Breite gerichtet“ erklärt er rückwirkend damit, in der Folge der Beteiligung an den beiden Firmen Cambus Medical in Irland und Medventure in den USA zunächst einmal die Strukturen nachgezogen zu haben.

Was ist Freudenberg Medical in fünf Jahren?

Das ist inzwischen längst geschehen – und so darf dem neuen CEO die Frage nach den nächsten Zielen nicht erspart bleiben. Was ist Freudenberg Medical in fünf Jahren? „Der führende Medizintechnikzulieferer“, antwortet Kley wie aus der Pistole geschossen. „In unseren Kernmärkten“, kommt nach kurzem Zögern der Jurist im CEO durch und präzisiert die Antwort.

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Über den Autor

 Peter Reinhardt

Peter Reinhardt

Chefredakteur, DeviceMed - Für Profis der Medtech-Branche