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Digitale Revolution 4.0: Was tut sich in der Medizin(technik)?

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Daher werde die Umsetzung der Digitalisierung im Tagesgeschäft bei medizinischen Führungskräften künftig Bestandteil der Zielvereinbarungen werden. Die Digitalisierung der Medizin ist also nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern offensichtlich auch eine Führungsaufgabe.

Bundesgesundheitsminister Gröhe ist beeindruckt von der Visite 2.0

Und sie ist Thema für die Politik. So hat sich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe im Januar über das Projekt Visite 2.0 im Lukaskrankenhaus in Neuss informiert. Der Einsatz von Tablets erleichtert dort die Arbeitsprozesse und verbessert die Qualität der medizinischen Versorgung. Ärzte, Pfleger und Patienten profitieren von den Möglichkeiten der Digitalisierung, weil alle behandlungsrelevanten Informationen in Echtzeit am Krankenbett verfügbar sind. Gut einen Monat zuvor hatte Gröhe mit dem E-Health-Gesetz die Grundlage dafür geschaffen, dass sich Ärzte, Krankenhäuser und Kassen künftig digital austauschen können. „Die Visite 2.0 im Lukaskrankenhaus in Neuss ist ein tolles Beispiel, wie durch den Einsatz von Informationstechnik die Patienteninformation verbessert und Übertragungsfehler vermieden werden können“, sagte der Bundesgesundheitsminister nach seinem Besuch. Papierakten, wie sie in der überwiegenden Mehrzahl der rund 2.000 Krankenhäuser in Deutschland noch verwendet werden, gehören im Lukaskrankenhaus in Kürze der Vergangenheit an.

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300 Telemedizininitiativen in Deutschland

Auch am Telemedizinzentrum Aachen ist die Medizin 4.0 schon längst angekommen. Auf der Website finden sich zahlreiche konkrete Anwendungsbeispiele. Mittlerweile gibt es alleine in Deutschland rund 300 Telemedizininitiativen, die als innovative Projektideen Lösungsansätze für gesundheitswirtschaftliche Probleme liefern. Durch die Überbrückung von Zeit und Raum können aktuelle und zukünftige Probleme im Gesundheitswesen verringert werden – zum Beispiel in der Intensivmedizin. An der Uniklinik der RWTH Aachen wurde daher das Projekt Tele-Intensivmedizin (TIM) gestartet. Durch TIM wird hochspezialisierte, qualitativ exzellente universitäre Intensivmedizin in die Fläche gebracht.

Sind Menschen doch Autos? Risiken und Nebenwirkungen beachten

Doch die Digitalisierung löst vielerorts noch Diskussionsbedarf aus. So wurde etwa auf dem 11. Gesundheitswirtschaftskongress im vergangenen September provokant gefragt: „Medizin 4.0: Sind Menschen doch Autos?“ Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks jedenfalls hat sich redlich bemüht, die Angst vor ferngesteuerten Fließband-Behandlungen zu zerstreuen. Jedoch schränkt die Politikerin ein: „Wir müssen Risiken und Nebenwirkungen beachten“, so Prüfer-Storcks. „85 Prozent der Deutschen lehnen es ab, Gesundheitsdaten weiterzugeben.“

Doch die stockende Umsetzung einer übergreifenden IT-Infrastruktur, beispielsweise durch die elektronische Patientenakte, könnte Medizin 4.0 zum bloßen Schlagwort schrumpfen lassen. Frank Gotthardt, Vorsitzender des Vorstands der Compu Group Medical, mahnte in diesem Zusammenhang auf der Medica 2015: „Wir sollten weniger über Begrifflichkeiten sprechen als über die Möglichkeiten, welche sich mit einer Digitalisierung von Prozessen, der Kommunikation sowie der Arbeitsweisen im Gesundheitswesen ergeben. Denn Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern vielmehr Mittel zum Zweck.“ Am Ende gehe es darum, die Versorgung in Deutschland weiter zu verbessern, Prozesse effizienter zu gestalten und Mehrwerte für alle Beteiligten zu schaffen. Das Gesundheitswesen sei hier noch sehr anachronistisch aufgestellt und viele Möglichkeiten moderner Technologie würden noch nicht genutzt. Das müsse sich dringend ändern. „Kernvoraussetzung für eine erfolgreiche Digitalisierung des gesamten Gesundheitssystems sind Investitionen in eine funktionierende IT-Infrastruktur“, so Gotthardt weiter. Zudem sei es wichtig, die Wahrnehmung zu verändern, damit mögliche Risiken von neuen Produkten oder Methoden nicht so lange diskutiert werden, bis die damit verbundenen Chancen verpasst sind. Und das gilt nicht nur für die Medizin, sondern auch für die Industrie. Ansonsten wird die digitale Revolution 4.0 auf halbem Wege stecken bleiben.

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