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Mecuris Digitale Orthesenwerkstatt: Individuelle Orthesen leicht gemacht

| Redakteur: Julia Engelke

Das Münchener Medizintechnikunternehmen Mecuris hat im April 2020 seine Online-Plattform „Mecuris Solution Platform“ um eine digitale Orthesenwerkstatt erweitert. Das neue Tool eröffnet Orthopädietechnikern eine einfache, intuitive und zeitsparende Möglichkeit, Orthesen in digitalen Workflows entweder komplett zu erstellen oder Teilschritte zu nutzen.

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Auch die jüngsten Patienten können bei der Gestaltung ihrer Orthese in der digitalen Orthesenwerkstatt mithelfen.
Auch die jüngsten Patienten können bei der Gestaltung ihrer Orthese in der digitalen Orthesenwerkstatt mithelfen.
(Bild: Mecuris )
  • Digitale Orthesenwerkstatt: Orthesen können schneller gestaltet und individueller hergestellt werden
  • Anstelle eines Gipsabdrucks erfolgt ein 3D-Scan des jeweiligen Körperteils
  • Orthopädietechniker kann auf ein Netzwerk starker Partner, gerade im Bereich des industriellen 3D-Drucks, zugreifen

Die Orthetik, also die Anpassung von Hilfsmitteln an Gliedmaßen, macht den Hauptanteil der Arbeit von Orthopädietechnikern aus. Gerade hier ist ein besonders hohes Maß an Individualität gefragt, denn wenn die Orthese drückt, scheuert oder gar weh tut, wird sie vom Anwender nur schlecht angenommen und ungern getragen. Orthopädietechniker sind von Haus aus Tüftler und Handwerker, die ihre Kunden individuell und optimal versorgen wollen. Allerdings verhindern ein großer Kosten- und Zeitdruck sowie ein starker Wettbewerb, dass sie diesen Anspruch jedes Mal so erfüllen können, wie sie es möchten. So zahlt eine Krankenkasse beispielsweise nur starre Sätze für klar definierte Hilfsmittel. Verwendet der Orthopädietechniker mehr Zeit für die Individualisierung seiner Produkte, kann er nicht mehr kostendeckend arbeiten. Genau in diesem Dilemma schafft die digitale Orthesenwerkstatt Abhilfe. Durch die Übersetzung klassischer Prozessschritte in digitale Workflows lassen sich die Orthesen nicht nur individuell gestalten, sondern auch schneller herstellen. Zumindest für „Standardfälle”. Damit kann der Orthopädietechniker mehr Zeit am Patienten aufwenden. „Die Mecuris Solution Platform im Bereich Orthetik zu erweitern, war für uns eine logische Konsequenz“, sagt Peter Fröhlingsdorf, CEO bei der Mecuris GmbH. „Sowohl die Anzahl an Arbeitsaufträgen, als auch der Bedarf an Individualisierung ist hier sehr hoch, sodass die Orthopädietechniker in diesem Bereich besonders stark von der digitalen Unterstützung profitieren können.“

Klassischer Herstellungsprozess

Wie Orthopädietechniker von der Plattform profitieren können, wird im direkten Vergleich zur klassischen Herstellung deutlich. Letztere ist vergleichsweise zeitintensiv: Nach einer Anamnese macht der Orthopädietechniker zunächst einen Gipsabdruck, den er dann in ein haltungskorrigiertes Positiv umwandelt. Um diese sogenannte Zweckform herum verarbeitet er schließlich den Kunststoff für die Schiene. Es folgt eine Nachbearbeitung und das Anbringen der Verschlüsse, bevor er die Orthese an den Patienten anpassen kann. Neben der Zeit als Kostenfaktor sind auch der Materialaufwand, die Abfallproduktion sowie der Energieverbrauch der Maschinen in der physischen Werkstatt vergleichsweise höher als bei der digitalen Erstellung und dem 3D-Druck.

Was kann die digitale Orthesenwerkstatt?

Für die digitale Orthesenwerkstatt hat Mecuris diese traditionellen Arbeitsschritte zur Erstellung von Orthesen in digitale Workflows übersetzt und stellt diese in der digitalen Orthesenwerkstatt zur Verfügung. Statt einem Gipsabdruck erfolgt ein 3D-Scan des jeweiligen Körperteils, der die Form des Anwenders exakt einliest und an die Software übermittelt. Auf der Mecuris Solution Platform kann der Orthopädietechniker nun die Schiene digital erstellen und anpassen. Dabei wird er Schritt für Schritt durch die Arbeitsabläufe geführt. Die Auswahl an digitalen Werkzeugen ist bewusst übersichtlich gestaltet, sodass sie ohne lange Einarbeitungszeit eingesetzt werden können. Einzelne Arbeitsschritte sind zudem mithilfe der Mecuris-Algorithmen teilautomatisiert, sodass der Techniker die Wahl hat, ob er lediglich das Ergebnis eines einzelnen teilautomatisierten Arbeitsschrittes überprüft oder mithilfe der digitalen Werkzeuge selbst Hand anlegt. Gemeinsam mit dem Patienten wählt er anschließend das Wunschdesign aus, bevor die Schiene im 3D-Druck passgenau gefertigt wird. Um bis zu 60 Prozent lässt sich die Arbeitszeit in der physischen Werkstätte so reduzieren. Gleichzeitig ist auch der Energie- und Materialverbrauch geringer,

Eingebunden in eine optimal aufeinander abgestimmte digitale Wertschöpfungskette ‒ von der Software- und Produktentwicklung über die Produktion hinweg ‒ gewinnt der digitale Workflow weiter an Vorteilen: Durch ein Netzwerk starker Partner, gerade im Bereich des industriellen 3D-Drucks, profitiert der Orthopädietechniker von einer gebündelten Expertise, die er automatisch mit nutzt. EOS, weltweiter Technologieanbieter im industriellen 3D-Druck, ist für Mecuris wertvoller Forschungs- und Entwicklungspartner und bringt seine langjährigen Erfahrungen für medizinische 3D-Druck-Anwendungen ein. So hat Mecuris stets Zugang zu aktuellsten Ergebnissen und Innovationen bei zertifizierten Werkstoffen, Systemen und Prozessen. Zusammen mit zertifizierten Druckzentren wie z.B. der Formrise GmbH, werden diese definierten Systeme auf die EOS-Maschinen gebracht, um einen qualitativ hochwertigen Druck und eine optimale Weiterverarbeitung auszuführen.

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