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Interview: Start-ups in der Medizintechnik „Die Medizinprodukteherstellung ist kein einfacher Weg“

Das Gespräch führte Bayern Innovativ 3 min Lesedauer

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Im Partnernetzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH sind viele Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die Angiolutions GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Dr. Isabel N. Schellinger, Mitgründerin des Start-ups.

Dr. Isabel N. Schellinger ist Mitgründerin von Angiolutions.(Bild:  Angiolutions GmbH)
Dr. Isabel N. Schellinger ist Mitgründerin von Angiolutions.
(Bild: Angiolutions GmbH)

Was genau macht Angiolutions? Was ist das Besondere an Angiolutions?

Dr. Isabel N. Schellinger: Ich glaube besondere Sachen gibt es einige, aber vielleicht in Bezug auf das Produkt. Im Moment sind wir die erste Firma, die ein Klasse-III-Medizinprodukt, also ein implantierbares Device, bauen und entwickeln möchte, das in die Aorta eingebaut wird, also die große Hauptschlagader, das größte Blutgefäß des Menschen, um mit diesem Produkt eine Erkrankung in ihrem Frühstadium aufhalten, die im Moment im Frühstadium keine Behandlung hat: nämlich das sogenannte abdominelle Aortenaneurysma. Das ist eine krankhafte Aussackung in der Aorta, die immer weiter wächst. Und dadurch wächst auch die Gefahr, dass diese Aussackung einreißt und der Mensch dann verblutet. Das abdominelle Aortenaneurysma ist eine Erkrankung des älteren Menschen – Patienten sind meistens älter als 60 Jahre und auch hauptsächlich Männer. Aber wenn Frauen betroffen sind, sind diese meistens schwerer betroffen und sterben früher. Das Produkt basiert auf einer Stent-Plattform – es ist aber kein Stent, sondern beeinflusst durch sein Design vor allem die biomechanischen Eigenschaften der Gefäßwand.

Das Besondere in Bezug auf das Gründungsteam ist, dass es aus Ärzten aus der Gefäßmedizin und Herz-Kreislauf-Medizin besteht. Dr. Uwe Raaz und ich haben uns bei einem wissenschaftlichen Forschungsaufenthalt in den USA an der Universität Stanford kennengelernt, und ich glaube, das spiegelt sich im Spirit von Angiolutions wider, weil wir aus der Forschung kommen und wir alle sehr patientenorientiert sind. Neben dem sehr innovativen Produkt, ist es daher aus meiner Sicht das Team, was Angiolutions ausmacht.

Was ist denn Ihre Mission? Was treibt Sie an?

Dr. Schellinger: Als Arzt sieht man eine bestimmte Anzahl Patienten in seinem Leben. Die Zeit, in der ich eine Patientin oder einen Patienten sehe ist aber begrenzt. Und wir hatten die Vorstellung: wenn ich jetzt in die Forschung gehe und da etwas Neues entwickle, mit dem man das Leben der Patienten verbessern oder schützen kann, dann hat man so viel mehr Möglichkeiten, Menschen zu helfen, als das jetzt an einem gegebenen Tag in der Klinik oder in der Praxis sein könnte. Und das ist, glaube ich, was einen auch gerade durch die Tiefen dieser Reise bringt, weil – wir alle wissen – Medizinprodukteherstellung ist kein einfacher Weg. Es gibt es viele Herausforderungen – entwicklungstechnisch, regulatorisch und so weiter – aber wenn man sich immer wieder vor Augen führt, dass es um die Patienten geht, dann hält man durch.

Und wie geht es jetzt gerade weiter mit Angiolutions?

Dr. Schellinger: Noch ist unser Produkt nicht zertifiziert. Allerdings werden wir dieses Jahr die erste klinische Studie durchführen und da sind wir schon auch alle sehr gespannt. Das ist natürlich jetzt ein großer Meilenstein und auch ein großer Wendepunkt in der Firmengeschichte und wir alle haben lange darauf hin gearbeitet. Die Studie wird jetzt in den nächsten Monaten starten und wir hoffen natürlich, dass die Studie genauso gut verläuft wie die Vorversuche verlaufen sind. Die sehr positiven Ergebnisse der Präklinik stimmen uns optimistisch. Drücken Sie uns auf jeden Fall die Daumen!

Gibt es eine Art Fun Fact über Angiolutions?

Dr. Schellinger: Oh ja, da gibt es wahrscheinlich viele, jetzt muss ich einmal überlegen. Ein Fun Fact ist entstanden, bevor wir in den Start-up-Bereich gegangen sind: Wir hatten unser erstes Pitch Deck und waren noch sehr stark in der Wissenschaft verwurzelt, so dass wir uns mit dem Markt etc. eigentlich gar nicht intensiv auseinandergesetzt hatten. Das hat glaube ich zu sehr viel Verwunderung bei den Investoren geführt. Natürlich hat sich das inzwischen geändert.

Ein weiterer sehr schöner Fun Fact: Wir haben 2020 die erste Risikokapitalfinanzierung bekommen und sind dann 2021 operativ gestartet und seitdem ist das Team zwar gewachsen, aber wir haben niemanden verloren. Und das ist für uns ein sehr schönes Gefühl, dass sich jetzt so eine kleine Familie gefunden hat, die sich für dieses Thema begeistert und ich glaube, das spricht schon auch ein bisschen für die Firmenkultur.

Vielen Dank für das Interview!

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