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Interview: Start-ups in der Medizintechnik „Die Faszination an der zugrunde liegenden Technologie spielt eine große Rolle“

Das Gespräch führte Bayern Innovativ 3 min Lesedauer

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Im Partnernetzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH sind viele Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die Terraplasma Medical GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Jens Kirsch, Geschäftsleitung des Start-ups, im Interview.

Jens Kirsch, Geschäftsleitung des Start-ups Terraplasma Medical(Bild:  Terraplasma Medical)
Jens Kirsch, Geschäftsleitung des Start-ups Terraplasma Medical
(Bild: Terraplasma Medical)

Was genau macht Terraplasma Medical? Was ist das Besondere an Terraplasma Medical?

Jens Kirsch: Terraplasma Medical stellt ein Medizinprodukt her, das mithilfe von kaltem atmosphärischem Plasma chronische und akute Wunden sowie dermatologische Hauterkrankungen behandelt. Dabei kann zum einen der Einsatz von Antibiotika und Antiseptika in der Wundbehandlung deutlich verringert werden, weil kalte Plasmen sehr effektiv gegen Bakterien wirken – auch gegen solche, die bereits Resistenzen gegenüber Antibiotika entwickelt haben. Zum anderen wird die Wundheilung durch eine gezielte Zellstimulation getriggert, so dass Wunden deutlich schneller heilen können.

Konkret wird die Umgebungsluft, die sich zwischen unserem Gerät und der Wunde bzw. der Haut befindet, mit elektrischer Energie angeregt. Das heißt, wir ionisieren diese Luft, also dieses Gasgemisch. Durch die Ionisation entsteht ein höher reaktives Gas, das sich v. a. aus reaktiven Sauerstoff- und Stickstoff-Spezies zusammensetzt. Dabei handelt es sich um Moleküle mit einem höheren Reaktionspotenzial. Kommen diese in Kontakt mit Bakterien, werden die Bakterien zerstört, während unsere menschlichen Zellen nicht beschädigt werden, da sie über stärkere Abwehrmechanismen verfügen. Was dabei zusätzlich passiert, ist die Induktion eines so genannten oxidativen Stresses. Diesen Stress kann man sich ein bisschen so vorstellen wie beim Training: Auch dort setzt man den Muskel gezielt unter Stress, wodurch er stärker wird. Ähnlich führt dieser Reiz dazu, dass sich eine bessere und schnellere Zellneubildung in unseren Zellen formiert.

Die Behandlung selbst ist sehr einfach und lässt sich gut in den Wundbehandlungsablauf integrieren. Zunächst wird der Verband von der Wunde entfernt und die Wunde gereinigt. Anschließend setzt man unser Gerät vorsichtig auf die Wunde auf. An der Spitze befindet sich ein steriler Einmalaufsatz, um die Hygiene sicherzustellen. Die eigentliche Plasmabehandlung dauert etwa eine Minute. Danach wird die Wunde mit einem Standard-Wundverband wieder versorgt. Dieser Ablauf wird über einen Zeitraum von etwa sechs Wochen zehn- bis zwölfmal wiederholt. Das Tolle ist, dass wir in mehreren klinischen Studien zeigen konnten, dass in der Plasmagruppe in diesem Zeitraum tatsächlich über 54,3 Prozent der Wunden geschlossen waren, während es in der placebokontrollierten Gruppe nur etwa 5,7 Prozent waren. Daran sieht man sehr deutlich, welches Potenzial diese Therapie hat.

Was ist denn Ihre Mission? Was treibt Sie an?

Kirsch: Die gesamte Firma und auch das Produkt sind letztlich daraus entstanden, dass wir ein Gerät in den Markt bringen wollten, mit dem sich das Problem chronischer Wunden besser lösen lässt und mit dem Patienten gezielt behandelt werden können. Dieser konkrete medizinische Bedarf war von Anfang an ein zentraler Antrieb für uns. Auf der anderen Seite spielt natürlich auch die Faszination an der zugrunde liegenden Technologie eine große Rolle. Es ist für uns sehr spannend, ein solches Produkt überhaupt entwickeln zu können und zu sehen, wie es sich weiterentwickelt. Gleichzeitig ist es ein großer Ansporn zu wissen, dass wir das Produkt inzwischen in viele Länder der Welt exportieren können. Dadurch haben wir die Möglichkeit, dass auch die Patientinnen und Patienten in diesen Ländern von dieser neuen Therapieform profitieren können und Zugang zu einer Behandlung bekommen, die ihnen wirklich helfen kann.

Und wie geht es jetzt gerade mit Terraplasma Medical weiter?

Kirsch: In den letzten Wochen haben wir einen starken und etablierten Partner gewonnen, der uns nun bei dem nächsten großen Schritt begleiten wird. Gemeinsam mit diesem Partner arbeiten wir daran, unser Produkt auch in den US-amerikanischen Markt zu bringen. Das ist aktuell ein ganz zentraler Fokus für uns. Generell liegt unser Schwerpunkt derzeit darauf, in ausländischen Märkten weiterzuwachsen, wobei die USA dabei eine besonders wichtige Rolle spielen. Parallel dazu treiben wir aber auch weiterhin die technologische Weiterentwicklung voran. Das heißt, wir arbeiten an neuen Produktgenerationen, beschäftigen uns mit zusätzlichen Indikationen und erforschen, wie wir unsere bestehenden Technologien weiterentwickeln und in neue Produkte überführen können.

Gibt es eine Art Fun Fact über Terraplasma Medical?

Kirsch: Ein kleiner Fun Fact über Terraplasma Medical ist, dass meine Mitgründerin einmal als „die Bakterienkillerin“ bezeichnet wurde. Dieser Titel erschien auf der Titelseite einer großen Schweizer Zeitung.

Vielen Dank!

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