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Industrie fordert höhere Forschungsgelder
Dr. Kai Kück, Leiter Forschung und Entwicklung bei den Drägerwerken, bestätigt zwar, dass Deutschland nicht zuletzt infolge vieler Sprunginnovationen von kleinen Unternehmen international gut positioniert sei, allerdings richtet er auch eine deutliche Forderung an die versammelten Staatssekretäre: „Die aufgezählten 60 Mio. Euro Fördergeld sind bei einem Branchenumsatz von mehr als 22 Mrd. Euro vergleichsweise niedrig.“ „Da geht noch mehr“, so sein klarer Apell, auf den die versammelten Staatssekretäre jedoch eine Antwort schuldig bleiben. Dabei wüsste Kück zusätzliche Fördergelder nur zu gut einzusetzen: „Es geht darum, den originären Patientennutzen festzustellen.“ Entsprechende Lösungen ließen sich auch garantiert exportieren, so seine Überzeugung. „Es ist wichtig, den Blick auf internationale Märkte zu richten beziehungsweise zu bewahren.“
„Die Bedeutung der Versorgungsforschung wird unterschätzt“
Kritische Töne kommen auch von Prof. Dr. med. Wolfgang Hoffmann von der Universität Greifswald. „Die Bedeutung der Versorgungsforschung wird unterschätzt. Unsere Partner aus der Industrie sind da viel weiter als die Kostenträger – vor allem die großen Krankenkassen“, so Hoffmann. Für die Zukunft wünscht er sich daher gemeinsame Aktionen aller auf dem Podium versammelten Organisationen, um als Teil einer konzentrierten Qualitätsoffensive passende Rahmenbedingungen für die frühe Forschung zu schaffen.
Dr. Frank Verheyen, Direktor des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG ),sieht durchaus Nachholbedarf im Bereich der Kommunikation – vor allem mit kleinen und mittleren Unternehmen: „In der gesetzlichen Krankenversicherung müssen wir häufig unter Unsicherheiten entscheiden. Daher ist Versorgungsforschung mit einem Methodenmix unerlässlich.“
Wann kommt die neue EU-Medizinprodukteverordnung?
Natürlich kann derzeit in Berlin keine Podiumsdiskussion zum Thema Medizintechnik stattfinden, ohne dass über den Status der geplanten neuen EU-Verordnung gesprochen wird. Dazu Stroppe: „Die Zulassung über Benannte Stellen ist der richtige Weg.“ Aber dieser Weg müsse europaweit zu den gleichen Ergebnissen führen. Wenn das nicht gelinge, werde es zur staatlichen Zulassung kommen. „Aber das wollen wir nicht“, schiebt er gleich hinterher.
Wie es nach der Europawahl weitergehe, sei indes völlig offen. „Im schlimmsten Fall beginnt alles wieder bei Null“, so Stroppe weiter. Aber er dränge auf eine schnelle Lösung. „Denn wir brauchen die neue Verordnung.“ Als Industrievertreter zeigt sich Kück von der unklaren Lage in Sachen EU-Verordnung völlig unbeeindruckt: „Wir lassen uns nicht ausbremsen, sondern entwickeln wie gehabt weiter.“
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