Suchen

Reiter HG Geiger Kunststofftechnik Auf Erfahrung kommt es an: Spritzgussexperte liefert in kürzester Zeit Baugruppen für Beatmungsgeräte

| Redakteur: Julia Engelke

Als die Bundesregierung zu Beginn der Corona-Pandemie verschiedenen deutschen Herstellern den Auftrag zum Bau von insgesamt 20.000 Beatmungsgeräten erteilte, um eine ausreichende Versorgung aller Notfallpatienten sicherzustellen, brachte das sowohl die Hersteller als auch die Zulieferfirmen an ihre Kapazitätsgrenzen. Auch die Reiter HG Geiger Kunststofftechnik GmbH in Hilpoltstein qualifizierte sich durch langjährige Erfahrung im Bereich Spritzgussteile und Systembaugruppen für Beatmungs- und Anästhesiegeräte als Systemlieferant, da sie innerhalb kürzester Zeit die geforderten Mengen produzieren konnte.

Firmen zum Thema

Die Filigranität der Einzelkomponenten sowie die Komplexität der daraus gebildeten Baugruppen macht in weiten Teilen eine manuelle Endfertigung erforderlich.
Die Filigranität der Einzelkomponenten sowie die Komplexität der daraus gebildeten Baugruppen macht in weiten Teilen eine manuelle Endfertigung erforderlich.
(Bild: Reiter HG Geiger Kunststofftechnik GmbH)
  • Filigrane Kunststoffspritzgussteile für die Intensivmedizin
  • Individuelles Spritzgießwerkzeug für jedes und frühzeitige Festlegung der idealen Fertigungsstrategie
  • Montage und Funktionsprüfung erfolgt im Sauberraum

„Mit dem Großauftrag der Bundesregierung für die möglichst schnelle Lieferung von Intensivrespiratoren zur Bewältigung der Corona-Krise stieg auch bei uns die Nachfrage nach entsprechenden Bauteilen wie beispielsweise Adaptern zur Atemgasaufbereitung sprunghaft an“, erklärt Eva Söhnlein, Geschäftsleitung der Reiter HG Geiger Kunststofftechnik GmbH. „Im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten wir bei einzelnen Bauteilen eine Steigerung von bis zu 400 Prozent.“ Die Produktionszahlen wurden innerhalb weniger Tage gesteigert, um die Nachfrage zu bewältigen. Reiter verfügt dabei über eine Expertise in verschiedenen Produktbereichen, sodass unterschiedlichste Bauteile angefragt wurden. Das Portfolio des fränkischen Unternehmens reicht dabei von Temperaturmesstüllen und Frischgasmesstüllen, die in der Sensortechnik zur Überwachung des Patienten in der Anästhesiephase benötigt werden, über Füll- und Anschlussadapter zur Vermeidung von Verwechslungen von Anästhesiemitteln bis hin zu komplexen Ventilbaugruppen zur Atemgassteuerung. „Unsere Komponenten werden auch zur Erfassung von Messwerten sowie der Steuerung und Regelung von Atemluftströmungen eingesetzt, die speziell bei Corona-Patienten permanent überwacht werden müssen“, berichtet Söhnlein. „Dank unserer langjährigen Erfahrung in diesem Bereich waren wir in der Lage, die Produktion der filigranen Bauteile in kürzester Zeit auf das notwendige Maß zu steigern, um die Herstellung von Intensivrespiratoren für Corona-Patienten durch unsere Auftraggeber so gut wie möglich zu unterstützen. Wichtig war hierbei auch eine gut funktionierende Lieferkette. Bauteile wie Dichtungen oder Federn werden von uns zugekauft. Durch die jahrelange gute Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten war es uns schnell möglich in dieser außergewöhnlichen Situation die Fertigungszahlen dem Bedarf anzupassen.“

Einhaltung hoher Qualitätsstandards auch unter Zeitdruck

Hinter der Herstellung der Baugruppen steht allerdings ein komplexer Prozess. So wird für jedes Bauteil ein eigens Spritzgießwerkzeug benötigt und die ideale Fertigungsstrategie muss frühzeitig festgelegt werden. Hier gibt es zahlreiche Einflussfaktoren wie den Werkstoff, das Einsatzgebiet oder die notwendigen Schritte zur Weiterbearbeitung und Fertigstellung der Baugruppe. Eine besondere Herausforderung stellen dabei die komplexen Geometrien und die engen Fertigungstoleranzen dar. Auch die eventuellen Fertigungstoleranzen von zugekauften Komponenten müssen im Vorfeld genau definiert und im Herstellungsprozess ausgeglichen werden. Darüber hinaus kommen bei der Produktion je nach Einsatzgebiet der Bauteile hochanspruchsvolle Kunststoffe mit bestimmten Materialeigenschaften zum Einsatz: Die Palette reicht von Hochtemperaturkunststoffen wie Polyetheretherketon (PEEK), das auch bei hohen Temperaturen bis zu 260 Grad Celsius physische Eigenschaften wie Biegefestigkeit und Zugfestigkeit aufweist, bis hin zu Polyphenylensulfid (PPS), das eine hohe chemische Beständigkeit besitzt. Weitere Werkstoffe sind Polyarylsulfone (PSU) und Polyphenylsulfon (PPSU), die über eine hohe Hydrolysestabilität verfügen und somit eine Sterilisation der Bauteile im Autoklaven ermöglichen.

„Trotz des enormen Drucks, der durch die hohe Nachfrage und die Knappheit an Bestandsgeräten in den Krankenhäusern ausgelöst wurde, mussten die Produkte höchsten Qualitätsanforderungen entsprechen“, erklärt Söhnlein. Um ein reibungsloses Funktionieren der Komponenten sicherzustellen, gelten auch für alle nachgelagerten Verarbeitungsschritte wie Ultraschall- und Laserschweißen, sowie mechanische Bearbeitungen hohe Qualitätsstandards. Die Filigranität der Einzelkomponenten sowie die Komplexität der daraus gebildeten Baugruppen macht in weiten Teilen eine manuelle Endfertigung erforderlich. Dies betrifft sowohl die Vormontage kleiner Baugruppen als auch die Montage ganzer Systembaugruppen. Die hohen Qualitätsanforderungen an die Produkte, die auch bereits vor der Corona-Krise gültig waren, machen außerdem eine lückenlos dokumentierte Funktionsprüfung von 100 Prozent der produzierten Komponenten mittels komplexer Prüfautomaten notwendig. Sowohl die Assemblage als auch die Qualitätskontrolle finden dabei im Sauberraum statt, um die technische Sauberkeit der Produkte nach DIN ISO 16232 sicherzustellen. „Es ist gerade in der Endmontage wichtig die richtige Balance zwischen Automatisierung und manuellen Arbeitsschritten zu finden. Wir haben Assemblage und Werkstückprüfung in einem Arbeitsschritt zusammengelegt, um zu vermeiden, dass Fertigungslose von Baugruppen bei der Endabnahme übersehen werden. Auf diese Weise können wir den hohen Qualitätsstandard unserer Produkte unter anderem für die Herstellung von Intensivrespiratoren sicherstellen“, resümiert Söhnlein.

Lesen Sie auch

Weitere Artikel über Auftragsfertigung und Fertigungseinrichtungen finden Sie in unserem Themenkanal Fertigung.

(ID:46866259)