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12. Compamed Frühjahrsforum gewährt tiefe Einblicke in innovative Implantat-Technologien

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Degradierbare Werkstoffe für selbstauflösende Implantate

Bei vielen Implantaten geht es um eine möglichst lange Lebensdauer, bei manchen aber auch darum, dass sie nicht dauerhaft im Körper verbleiben. Am Fraunhofer IFAM in Dresden wurde als Lösung für die Behandlung größerer Knochendefekte ein degradierbares Magnesiumimplantat mit einer Faserstruktur entwickelt. Diese dient dem Knochen als Leitstruktur während des Wachstums, das durch die günstigen biomechanischen Eigenschaften des Implantats besonders stimuliert wird. Gleichzeitig ermöglicht die Struktur das Einwachsen der Blutgefäße. Parallel mit dem Heilungsprozess baut sich das Implantat ab. Bisher wurden größere Knochenschäden hauptsächlich durch patienteneigene Knochen implantologisch versorgt. Allerdings steht dieser natürlich nur begrenzt zur Verfügung. Außerdem birgt die Entnahme – zumeist aus dem Beckenkamm – zusätzliche Risiken für den Patienten. Eine Alternative stellt synthetischer Knochenersatz dar, der aber mechanisch oft nur wenig belastbar sowie durch dauerhafte Störungen der Bildgebung ungünstig ist. Als ideale Lösung gelten daher degradierbare Werkstoffe, also solche Implantate, die nach erfolgter Heilung verschwinden – so wie das innovative Magnesiumimplantat des Fraunhofer IFAM Dresden.

Ausgangspunkt der technologischen Entwicklung ist die Fertigung von Magnesium-Kurzfasern durch Extraktion aus der Schmelze. Die Fasern werden dann gleichmäßig abgelegt sowie durch Erwärmung miteinander verbunden und verdichtet. Die so hergestellten Implantate besitzen sehr gute mechanische Eigenschaften und vor allem ausgezeichnete Korrosionseigenschaften, die den physiologischen Anforderungen besonders gerecht werden. Im Tiermodell konnte damit nach 12 Wochen eine zunächst langsame Korrosion festgestellt werden, nach 24 Wochen war der Großteil der metallischen Implantate dann verschwunden. „Unsere wichtigsten kommerziellen Anwendungen sind die Osteosynthese und kardiovaskuläre Stents“, betont Dr. Peter Quadbeck, Teamleiter Advanced Materials am Fraunhofer IFAM. Die Eigenschaften der Produkte haben auch Unternehmen überzeugt. So plant die Botiss Biomaterials GmbH als Lizenznehmer die Umsetzung des Werkstoffs in der Oral-Chirurgie und evaluiert derzeit den Aufbau einer geeigneten Fertigungskette.

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Schwertkatheter erleichtern die Punktion von Blutgefäßen

Die Punktion von Blutgefäßen ist mannigfacher Alltag in der Medizin. So ist sie auch der erste Schritt, um Katheter in derartige Gefäße einzubringen, die Patienten unter anderem mit Medikamenten und Infusionen versorgen – unverzichtbar zudem bei allen Notfällen, bei denen Bluttransfusionen gebraucht werden. In der Regel wird bei der Anwendung von Punktionssystemen zur Öffnung von größeren Blutgefäßen die so genannte Seldinger-Technik verwendet, die bereits 1953 veröffentlicht wurde. Diese Technik ist zeit-, platz- und materialaufwändig, zudem benötigt der ausführende Arzt im Normalfall einen Assistenten.

Die Seldinger-Technik beinhaltet viele Einzelschritte, die Prozedur dauert bis zu 30 Minuten. Vor diesem Hintergrund hat die Ebnet Medical eine bemerkenswerte Neuentwicklung vorgestellt: Unter der Bezeichnung Swordcath wurde ein Punktionssystem geschaffen, das bereits alle notwendigen Komponenten enthält und anwendungsfreundlich verpackt ist. „Unser System nutzt eine neue intuitiv erlernbare Punktionstechnik und kombiniert eine kleine Punktionsnadel mit einem größeren Katheter“, berichtet Dr. Jens Ebnet, Gründer und Geschäftsführer der gleichnamigen Firma. Die neue Lösung, die inzwischen in vielen Ländern zum Patent angemeldet ist, soll neben einem erheblichen Zeitgewinn die bisher notwendige Assistenzperson einsparen. „Mit der Entwicklung des Swordcath adressieren wir einen sehr breiten Markt, denn allein die Anlage von Kathetern in Blutgefäße wird weltweit millionenfach jedes Jahr durchgeführt“, so Ebnet, der im Moment Partner für die klinischen Tests sucht, die als nächster Schritt erfolgen müssen.

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* Klaus Jopp, freier Wissenschaftsjournalist, Hamburg

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