France

Roboterautomation
Zeitbrecher für Knochenheiler

Ein Gastbeitrag von Udo Hipp* 4 min Lesedauer

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Um orthopädische Implantate fristgerecht in höchster Qualität liefern zu können, setzt ein Fertigungsunternehmen auf knapp zwei Duzend 5-Achs-Bearbeitungszentren. Bei seiner jüngsten Investition entschied sich der Lohnfertiger erstmals für eine Roboterautomation – und profitiert in mehrfacher Hinsicht.

Der Greifer des Roboters ist komplett aus Edelstahl – Aluminium würde die medizinischen Implantate kontaminieren.(Bild:  maikgoering photography motion picture design)
Der Greifer des Roboters ist komplett aus Edelstahl – Aluminium würde die medizinischen Implantate kontaminieren.
(Bild: maikgoering photography motion picture design)

Florian Lukats sieht an den Auftragsbüchern, wann Winter ist. Er leitet die Fräserei bei Hg Medical in Raisting, einer Gemeinde am südlichen Ende des Ammersees. Der Lohnfertiger hat sich auf die besonderen Bedürfnisse der Medizinbranche spezialisiert. Im Winter steigt die Nachfrage nach den Produkten, die hier im Dreischichtbetrieb entstehen: orthopädische Implantate zur Osteosynthese. Die kleinen Platten – oft aus Titan, manchmal aus Edelstahl – überbrücken Frakturen und ermöglichen so ein natürliches Zusammenwachsen des Knochens in kürzerer Zeit.

Das Unternehmen begann 2007 mit zwei Fräsautomaten, zwei Drehmaschinen und zwei Mitarbeitern. Heute sind allein in Raisting etwa 190 Personen beschäftigt. Das 2015 gegründete Zweitwerk in den USA zählt mittlerweile rund 40 Angestellte. Die maschinelle Ausstattung ist ebenfalls gewachsen: „Wir haben 19 Bearbeitungszentren von Hermle in Deutschland und vier in den USA, weitere fünf sind in Raisting geplant. Zusätzlich bauen wir gerade in den USA unser drittes Werk auf, das von der Kapazitätsgröße her identisch zu diesem sein soll“, erläutert Lukats. Der starke Bezug zu den Vereinigten Staaten ist historisch bedingt: Hg Medical ist aus dem europäischen Vertriebszentrum eines amerikanischen Anbieters orthopädischer Hilfsmittel und Schuhe entstanden. „Bis heute sind rund 90 Prozent unserer Kunden in den USA zuhause“, ergänzt Lukats.