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Interview: Start-ups in der Medizintechnik „Wir haben von Anfang an im 3D-Druck von Knochen mitgewirkt“

Das Gespräch führte Bayern Innovativ 3 min Lesedauer

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Im Partnernetzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH sind viele Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die Agensmed GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Daniel Seitz, Geschäftsführer des Start-ups, im Interview.

Daniel Seitz ist Geschäftsführer von Agensmed.(Bild:  Agensmed)
Daniel Seitz ist Geschäftsführer von Agensmed.
(Bild: Agensmed)

Was genau macht Agensmed? Was ist das Besondere an Agensmed?

Daniel Seitz: Agensmed agiert im Bereich des 3D-Drucks mit allem, was Knochen betrifft. Das Besondere ist, dass es aus einer fast 20 Jahre bestehenden Arbeitsgruppe und später einer gemeinnützigen GmbH hervorgegangen ist, die von Anfang an im 3D-Druck von Knochen mitgewirkt hat. Hier wird mit größerer Anwendungsorientierung und viel Gründlichkeit gearbeitet – ein Ansatz, der in Start-ups nicht immer möglich ist. Agensmed hat Methoden entwickelt, um individualisierte Knochen herzustellen, und diese sorgfältig verifiziert. Das besondere Know-how liegt in einem Verfahren, mit dem aus vollsynthetischen, aber komplett resorbierbaren Materialien Knochenersatz hergestellt wird, der in kurzer Zeit biologisiert und vollständig umgebaut wird – dass es funktioniert, wissen wir aus der Veterinärmedizin, etwa bei Implantaten für Pferdezähne und Hunde. Das Material besteht aus einer optimierten Mischung verschiedener Calciumphosphate – also dem gleichen Mineral wie natürliche Knochen, jedoch ohne organischen Anteil. Durch den 3D-Druck erhält es eine doppelte Porosität, die einzigartig ist. Deshalb nennen wir es auch „RePore“. Es besteht aus kleinen Granulatkügelchen, die ein hoch poröses Material ergeben, in das Zellen einwachsen. Diese Kombination aus Mineral und Biologie wird vom Körper gut angenommen, abgebaut, umgebaut – und so entsteht neuer Knochen.

Zusätzlich fertigen wir 3D-Operationsmodelle aus gipsbasiertem Material – nicht biologisch, aber ideal, um Operationen zu üben. Wir wandeln CT-Daten effizient und wissenschaftlich geprüft um, achten auf anatomische Korrektheit und drucken mit einem Material, das sich wie Knochen anfühlt und auch so bearbeitet werden kann. Mit diesen „Boneplan“-Modellen werden dann Operation geplant und trainiert.

Was ist Ihre Mission? Was treibt Sie an?

Seitz: Die Agensmed bringt Innovationen auf den Markt, die wegweisend für die Gesundheitsversorgung von morgen sind, aber auch gut in das Kostengefüge des Gesundheitssystem hineinpassen. Eine besondere Rolle spielen hier 3D-gedruckte, individuelle Lösungen. Wir möchten, dass patientenspezifische Versorgung zunehmend für alle zur Verfügung steht. Solche Implantate realisieren wir als so genannte „Patient-Match-Devices“, die einfacher bestellt und direkt abgerechnet werden können. Damit wird ein individuelles Implantat geschaffen, ohne dass der Arzt allein die gesamte Verantwortung tragen muss. Genau daran arbeiten wir aktuell – und setzen von Anfang an darauf, einen standardisierten und zertifizierten 3D-Druckprozess aufzubauen. Unsere Lösungen wurden vorher in einem unabhängigen Institut durch gründliche Forschung in Richtung Anwendung entwickelt. Das gibt uns eine sehr gute Grundlage für sicheres und fundiertes Arbeiten.

Und wie geht es weiter mit Agensmed?

Seitz: Wir stehen für die klinischen Prüfungen in den Startlöchern. Wir haben schon eine Reihe sehr engagierter und spannender Ärzte mit an Bord. Dafür bereiten wir uns erst einmal auf die nächste Investorenrunde vor. Ein Bonus für die anstehende Finanzrunde: Es wurde ein neues EU-Projekt bewilligt, in dem wir eine sehr gute anteilige Förderung erhalten haben, die uns hilft, auch zulassungstechnisch weiterzukommen. Hierdurch wird der Einsatz der Investitionen sozusagen gehebelt, und wir profitieren von einem europäischen Netzwerk, in dem sogar direkte Kunden dabei sind. Was derzeit auch optimistisch stimmt: Die sonst gefürchtete Zertifizierung nach der MDR sieht durch die Zusammenarbeit mit dem TÜV Süd sehr vielversprechend aus. Wenn wir Glück haben, dauert es nicht mal zwei Jahre, bis die ersten Patienten untersucht werden können. Das ist gut angelaufen, und wir hoffen, dass wir die Zertifizierung zeitnah bekommen – und nicht erst in fünf Jahren.

Gibt es einen Funfact über Agensmed?

Seitz: Ja, da gibt es tatsächlich eine schöne Geschichte. Unser Boneplan-Modell wird oft verkauft mit dem Hinweis, dass es von der Knochenerscheinung her sehr realistisch ist. Wir haben mal für die Wilhelminenaue in Bayreuth einen Elchknochen kopiert – da wurde ein echter Elchknochen gefunden, und den sollten wir mit unserem Material ausdrucken, weil man natürlich das Original nicht dort auslegen konnte. Tatsächlich haben dann randalierende Jugendliche den mal kaputt bekommen – und sie haben dafür ziemlich viel Kraft gebraucht. Ein Splitter davon wurde später von einem Gärtner gefunden, der selbst Jäger ist. Und offenbar war unser Knochen so realistisch, dass er tatsächlich dachte, es sei ein echtes Knochenfragment. Das war ein echtes Kompliment – denn Jäger sind ziemlich gut im Erkennen von echten Knochen.

Vielen Dank für das Interview!

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