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Interview: Start-ups in der Medizintechnik „Unsere Technologie ermöglicht es, komplexe Strukturen unabhängig von der Schwerkraft zu drucken“

Das Gespräch führte Bayern Innovativ 4 min Lesedauer

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Im Partnernetzwerk Gesundheit der Bayern Innovativ GmbH sind viele Start-ups, die die Gesundheitsbranche mit neuen Ideen voranbringen. Eines davon ist die 3Deus Dynamics GmbH. Was genau das junge Unternehmen macht, erzählt Clarisse Mabesoone, Geschäftsentwicklerin des Start-ups.

Clarisse Mabesoone ist Geschäftsentwicklerin bei 3Deus Dynamics.(Bild:  3Deus Dynamics)
Clarisse Mabesoone ist Geschäftsentwicklerin bei 3Deus Dynamics.
(Bild: 3Deus Dynamics)

Was genau macht 3Deus Dynamics? Was ist das Besondere an 3Deus Dynamics?

Clarisse Mabesoone: Das Unternehmen wurde vor fünf Jahren gegründet – wir sind also noch ein Start-up, wachsen aber schnell. Unser Ziel, entstanden aus dem Forschungsprogramm, aus dem wir hervorgegangen sind, ist es, die Grenzen des 3D-Drucks zu verschieben. Insbesondere ist der 3D-Druck von weichen Materialien wie Silikon eine große Herausforderung. Es ist, als würde man versuchen, Wasser zu drucken. Es bricht unter seinem eigenen Gewicht zusammen. Deshalb haben wir einen 3D-Druckprozess entwickelt, den wir ‚Dynamic Molding‘ nennen.

Unsere Technologie ermöglicht es, komplexe Strukturen unabhängig von der Schwerkraft zu drucken – etwas, das mit herkömmlichen Methoden nicht möglich ist. Wir drucken Silikon in einem Pulverbad und das Ergebnis ist ein fortschrittliches anatomisches Modell, das die mechanischen Eigenschaften von menschlichem Gewebe sehr genau nachbildet. Diese Organe sind nicht für die Implantation gedacht, sondern sollen den Einsatz von Tieren und Leichen im Training, bei Forschung und Entwicklung sowie bei In-vitro-Tests ersetzen. Beispielsweise kann uns ein Chirurg anonymisierte Patientendaten schicken – etwa die Form einer Aorta. Wir reproduzieren das Organ, damit der Eingriff im Vorfeld geübt werden kann. Es geht nicht um die Diagnose, sondern darum, die Operation so realistisch wie möglich zu planen und vorzubereiten, um das bestmögliche Ergebnis für den Patienten zu erzielen.

Was 3Deus Dynamics einzigartig macht, ist die Dynamic-Molding-Technologie – aber auch das Team. Viele unserer Mitarbeiter haben promoviert und sind hochspezialisiert in der Materialwissenschaft. Sie verstehen genau, wie Silikon reagiert und wie unsere Modelle gestaltet werden müssen, damit sie sich wie echte Organe verhalten. Und dann ist da noch unsere Vision: Wir möchten ethisch führend sein, indem wir den Einsatz von Tieren und Leichen in der Medizin deutlich reduzieren.

Was ist denn Ihre Mission? Was treibt Sie an?

Mabesoone: Was mir persönlich sehr am Herzen liegt, ist die Reduktion des Einsatzes von Tieren und Leichen. Erstens geht es natürlich um das Wohl der Tiere. Aber es gibt auch wissenschaftliche Argumente: Die Physiologie und Anatomie sind anders und der Körper verhält sich nicht wie der menschliche. Das bedeutet, dass man ein Medizinprodukt an einem Modell testet, das nicht akkurat ist, was wiederum die Aussagekraft der Tests schwächt. Was mich und unser Unternehmen wirklich antreibt, ist deshalb ein ethischer Anspruch: Tiere schützen, die Tests sicherer und präziser machen. Und dann gibt es natürlich noch die unternehmerische Perspektive: Wir möchten dazu beitragen, die Markteinführung von Medizinprodukten zu beschleunigen – durch kürzere, effizientere und kostengünstigere Testprozesse. Tierversuche sind nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch aufwendig und teuer. Ein Beispiel: Wenn man einem Schwein ein Stent-Graft einsetzt, muss es über Monate überleben. Das bedeutet Leiden für das Tier und hohen Aufwand und das Ganze wird an zehn bis 15 Tieren durchgeführt. Wenn wir diese Zahl auf zwei oder drei Modelle senken könnten, wäre das ein großer Fortschritt.

Und wie geht es jetzt gerade weiter mit 3Deus Dynamics?

Mabesoone: Unser übergeordnetes Ziel ist es, dass unsere anatomischen Modelle offiziell als vollwertige Alternative zur Verwendung von Tieren und Leichen anerkannt werden. Dies ist ein langer Weg, aber die nächsten Schritte sind klar: der Aufbau robuster klinischer Anwendungsfälle und die Sicherung der behördlichen Zulassung, um die Markteinführung von Medizinprodukten zu beschleunigen und gleichzeitig deren Entwicklung auf eine ethischere Weise zu gewährleisten. Ein wichtiger Meilenstein wird die Anerkennung sowohl durch die FDA als auch durch europäische benannte Stellen sein. Wir streben an, dass unsere Modelle nicht nur als unterstützendes Werkzeug betrachtet werden, sondern als echte Alternative. Heute werden sie noch eher als ergänzend denn als gleichwertig angesehen. Diese Anerkennung zu erreichen, würde einen Wendepunkt markieren – nicht nur für uns, sondern auch für die gesamte Branche, und andere Unternehmen dazu inspirieren, denselben ethischen Ansatz zu verfolgen. Wir machen bereits Fortschritte durch klinische Studien, und die vollständige Validierung unserer Technologie ist der entscheidende nächste Schritt.

Gibt es eine Art Fun Fact über 3Deus Dynamics?

Mabesoone: Der Name ist, zugegeben, vielleicht nicht der bescheidenste: ‚3Deus‘ steht für ‚drei Götter‘ und ‚Dynamics‘ bezieht sich auf unsere Technologie, das so genannte ‚Dynamic Molding‘. Das klingt vielleicht ein bisschen überheblich, ist aber eigentlich eher mit einem Augenzwinkern gemeint. Vielmehr geht es um die kreative Kraft, die hinter unserer Arbeit steht. Bei 3Deus fasziniert uns die Vorstellung, Dinge, aus dem Nichts erschaffen zu können – durch die Kombination von Material, einem intelligenten Prozess und einer großen Portion Fachwissen sowie Fantasie.

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