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Engel/Med.con

Trends beim Spritzgießen medizintechnischer Teile

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Moderne Werkzeugkonzepte lohnen sich

Das alles dient den übergeordneten – und nebenbei bemerkt nicht ganz neuen – Zielen, den Ausstoß zu erhöhen und zugleich den Ausschuss und die Kosten zu senken. Eine entscheidende Rolle kommt bei alledem den verwendeten Werkzeugen zu. „Investitionen in moderne Werkzeugkonzepte lohnen sich“, so Lhota weiter. Nur im Zusammenspiel aller Beteiligten sei es heute möglich, komplexe Prozesse robust abzubilden.

Wie das geht, erfahren die Med.con-Teilnehmer nicht nur in der Theorie. Im Engel-Technikum ist für sie eine Demonstrationsanlage zur Herstellung von Tropfkammern für die Infusions- und Transfusionstherapie aufgebaut. Gemeinsam mit Hack Formenbau ist es Engel gelungen, die Mehrkomponenten-Hohlkörper inklusive eingelegtem Filter mittels Werkzeug mit Kernsegment-Drehtechnik in nur einem Arbeitsschritt auf einer Spritzgießmaschine zu fertigen. Klar, dass diese innovative Lösung in den Pausen für reichlich Gesprächsstoff unter den Teilnehmern sorgt, zumal mit einer vollautomatischen Roboterlösung zur Entnahme, Übergabe an eine Station zur Dichtigkeitsprüfung und anschließender Ablage ein weiterer Hingucker integriert ist.

Zur Diskussion über die Bedeutung der Werkzeugtechnik regt auch der Vortrag von Klaus Bühler, Leiter Engineering bei Braunform bei. Mit Med Molds hat Braunform schon im Jahr 2010 einen Standard für den Einsatz in Reinräumen entwickelt. Heute legt der Präzisionswerkzeugbauer besonderes Augenmerk auf sogenannte erweiterte Dienstleistungen. Dazu gehöre auch die Einführung eines Teams für Projektmanagement. „Denn von guten Werkzeugbauern wird heute erwartet, dass sie Konstruktionsschwächen und -fehler in den Zeichnungen der Kunden aufdecken und korrigieren“, so Bühler.

Fehleinschätzungen über das Werkstoffverhalten

Mehr Unterstützung bei der Umsetzung innovativer Spritzgießlösungen durch die Rohstoffindustrie fordert indes Professor Dr. Georg Steinbichler: „Ein Großteil der Kunststoffe ist heute hinsichtlich Additivierung und Materialschädigung im Verarbeitungsprozess für Hersteller von Spritzgussteilen für Medizintechnikprodukte zum ,Blackbox-System‘ geworden. Untersuchungen haben unter anderem gezeigt, dass die Schädigung von Kunststoffen zum Beispiel im Plastifizierprozess durch höhere Scherkräfte infolge höherer Schneckendrehzahlen deutlich unkritischer ist als eine längere Verweilzeit unter Verarbeitungstemperatur, wie sie beispielsweise bei Produktionsunterbrechungen oder dem Abstellen von Produktionsanlage.“ Profunder Wissenstransfer zur Vermeidung von Verarbeitungsproblemen ist hier erforderlich.

Wettbewerbsfähige Spritzgießfertigung von Medizinprodukten

Aber Steinbichler fordert nicht nur von anderen Industrien, er gibt den Teilnehmern auch selbst eine Vielzahl an Impulsen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in der Spritzgießfertigung von Medizinprodukten mit auf den Weg. So erinnert er beispielsweise an die Möglichkeiten der Energieeinsparung bei Plastifiziersystemen. 25 Prozent Energieeinsparungen seien durch Isolierung der Massezylinder möglich. Den gleichen Betrag verspreche die Granulatzufuhr mit Vortrocknungstemperatur. Steinbichler erinnert in diesem Zusammenhang an die EU-Regelung 2012/27/EU, EED-Art. 8: Danach sind bis Dezember dieses Jahres alle Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern und über 50 Mio. Jahresumsatz verpflichtet, ein nach nach DIN EN ISO 50001 zertifiziertes Energiemanagementsystem einzuführen.

Effizienzsteigerungen durch Six Sigma und Lean-Management

Mit dem Potenzial von Effizienzsteigerungen durch Management-Methoden wie Six Sigma und Lean-Strategien hat sich Oliver Pfannschmidt, Geschäftsführer Balda Medical, wie kaum ein anderer beschäftigt. „Wir haben versucht, zu verstehen, was dahinter steckt“, ermuntert er die Teilnehmer als letzter Vortragender, die eigenen Prozesse kritisch unter die Lupe zu nehmen und gibt selbst das „faszinierende Ergebnis“ der Wertstromanalyse eines Granulatkorns auf dem Weg vom Rohmaterial bis zum Kunden zum Besten: „72 Tagen Durchlaufzeit stehen gerade mal 13,5 Sekunden Wertschöpfungszeit gegenüber.“

Fazit: Auf seiner Medizin-Fachtagung Med.Con gibt der Spritzgießmaschinenhersteller Engel Einblicke in aktuelle Trends und Entwicklungen. Besonderes Augenmerk wurde dieses Jahr der Bedeutung des Werkzeugbaus gewidmet. Doch die Veranstaltung Hannover war die letzte im aktuellen Zyklus, der Europa, die USA und China umfasste. Im Moment ist noch offen, wann es die nächste Med.con geben wird.

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