Die Schweizer Medtech-Branche ist trotz der vielen Herausforderungen im Kontext der Europapolitik robust. Das zeigt eine aktuelle Branchenstudie. Negativ werden dagegen die Auswirkungen der neuen Medizinprodukteregulierung der Europäischen Union und des Drittstaat-Verhältnisses der Schweiz zur EU bewertet.
Eine neue Branchenstudie zeigt: Mit rund 67.500 Beschäftigten erwirtschaftete die Schweizer Medizintechnikbranche 2021 einen Umsatz von 20,8 Milliarden Franken. (Symbolbild)
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Wie robust ist die Schweizer Medizintechnikindustrie? Antwort darauf gibt die jüngste Branchenstudie „Schweizer Medizintechnikindustrie“ von Swiss Medtech und der Helbling Gruppe. Basis ist eine von März bis Mai 2022 durchgeführte Umfrage, an der über 500 in der Schweiz tätige Medtech-Unternehmen teilgenommen haben.
Die Schweizer Medizintechnikbranche wächst trotz der vielen Herausforderungen in den letzten Jahren weiter. Dies Dank großem Einsatz und hoher Agilität der Unternehmen, so das Ergebnis der Studie. Die Medtech-Industrie hat allein in den vergangenen zwei Jahren 4.500 neue Arbeitsplätze in der Schweiz geschaffen. Mehr als jede hundertste Arbeitskraft in der Schweiz ist in der Medizintechnik tätig. Mit rund 67.500 Beschäftigten erwirtschaftete die Branche 2021 einen Umsatz von 20,8 Milliarden Franken. Das Umsatzwachstum der letzten beiden Jahre beträgt 7,6 Prozent und liegt damit über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.
Wenig überraschend ist dabei der Effekt der Pandemie: Sektoren wie die In-vitro-Diagnostik und Laborbedarf sind aufgrund ihrer zentralen Rolle bei der Bewältigung der Pandemie massiv – um über zwanzig Prozent – gewachsen. Demgegenüber verzeichnen Sektoren wie Orthopädie und Traumatologie ein gedämpftes Wachstum über die Betrachtungszeit, weil planbare Eingriffe zurückgestellt wurden. Der Umsatz in der Zahnmedizin war aufgrund der Lockdowns im Jahr 2020 rückläufig, während 2021 mit neunzehn Prozent Wachstum ein Nachholeffekt erkennbar ist.
Deutschland der wichtigste Handelspartner
Die Schweizer Medizintechnikindustrie erwirtschaftete 2021 einen Handelsbilanzüberschuss von 5,9 Milliarden Franken und trug damit 11,5 Prozent zur positiven Handelsbilanz der Schweiz bei. Die EU ist unverändert der wichtigste Handelspartner: Rund die Hälfte der Schweizer Medtech-Exporte geht in die EU. Umgekehrt stammen fast sechzig Prozent unserer Importe aus der EU. Von den Mitgliedstaaten ist Deutschland der mit Abstand wichtigste Handelspartner der hiesigen Medtech-Industrie.
Peter Biedermann, Direktor von Swiss Medtech, sagt dazu: „Die Unternehmer haben das gemacht, was sie auszeichnet. Sie haben nicht lamentiert, sondern sind früh dem Aufruf von Swiss Medtech gefolgt und haben sich mit großem Einsatz auf die Zeit ohne EU-Binnenmarkt vorbereitet. Annähernd alle Schweizer Medtech-Unternehmen haben es geschafft, die zusätzlichen Drittstaat-Anforderungen für den Export rechtzeitig zu erfüllen.“
Auswirkungen der MDR: Höhere Kosten, weniger Innovationen, weniger Produktvielfalt
Die vorliegenden nationalen Ergebnisse zu den Auswirkungen der Medical Device Regulation (MDR) bestätigen die im Juli 2022 veröffentlichten Ergebnisse einer repräsentativen, europaweiten Umfrage des europäischen Dachverbands Medtech Europe. Die MDR kommt nicht gut weg. Der administrative Mehraufwand führt zu Kostensteigerungen bei den Medtech-Unternehmen, bindet intern viele Forschungs- und Entwicklungskapazitäten zulasten von Innovationen und führt zu einer Ausdünnung des Produktportfolios. Europaweit geben gemäß der Medtech-Europe-Umfrage 50 Prozent der Hersteller an, ihr Portfolio aufgrund der MDR zu verkleinern. In der Schweiz sind es 60 Prozent.
Drei Viertel der Schweizer Unternehmen fordern eine Öffnung des Schweizer Markts für Produkte mit außereuropäischen Zertifikaten. Die europäische Umfrage unterstreicht diese Forderung: 50 Prozent der Befragten geben dem EU-Markt für die Erstzulassung ihrer neuen Produkte keinen Vorrang mehr. Die mit der Implementierung der MDR verbundenen Probleme werden immer offensichtlicher – in ganz Europa. Ein Versorgungsengpass, sowohl für Bestands- als auch für neue Produkte, zeichnet sich ab. In der Schweiz kommt erschwerend hinzu, dass viele ausländische Hersteller nicht mehr bereit sind, die aufgrund des Drittland-Status errichteten administrativen Hürden für den kleinen Markt Schweiz in Kauf zu nehmen. „Die Schweiz ist gut beraten, wenn sie ihren Handlungsspielraum für die Beschaffung von Medizinprodukten zur Versorgungssicherung der eigenen Bevölkerung diversifiziert und neu auch Medizinprodukte mit einer FDA-Zulassung anerkennt“, so Biedermann.
Neues Schlüsselthema: Nachhaltigkeit wird relevant für den Marktzugang
Die Medtech-Branche muss sich den vielfältigen Herausforderungen der Zukunft stellen. Darunter fällt nebst der digitalen Transformation auch jene hin zu mehr Nachhaltigkeit. Angefangen bei der Gewinnung der Rohstoffe über die Produktion und Distribution bis zum Recycling durchdringt das Thema Nachhaltigkeit die gesamte Industrie. Waren vor fünf Jahren rund die Hälfte der Schweizer Medtech-Unternehmen aktiv in diesem Bereich, sind es heute mehr als zwei Drittel. Dabei sind branchenweit gesehen die großen und mittleren Unternehmen den kleinen voraus. Nebst der Eigeninitiative vieler Unternehmen gibt die Regulierung das Tempo vor. Mit dem European Green Deal steht eine umfassende Neuregulierung in den Bereichen Klima- und Umweltschutz auf europäischer Ebene an. „Die Notwendigkeit einer klimaneutralen, energieeffizienten und ressourcenschonenden Geschäftstätigkeit stellt die Medtech-Industrie vor Herausforderungen. Sie ist aber auch eine Chance. Wer sich frühzeitig vorbereitet, hat einen Wettbewerbsvorteil. Nachhaltigkeit wird zu einem hochrelevanten Marktzugangskriterium“, sagt Biedermann.
Stand: 08.12.2025
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