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Staging bei Rhabdomyosarkomen PET ohne auffällige Markherde könnte Knochenmarkentnahme ersparen

Von Guido Deußing 3 min Lesedauer

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Bei 301 Patienten mit einem FDG-aufnehmenden Rhabdomyosarkom gab es nur einen Fall, in dem die Knochenmarkprobe Tumorzellen enthielt, die PET aber keine auffälligen Markherde zeigte. In einer methodisch eingeschränkten Gegenrechnung kam die Knochenmarkdiagnostik auf 70 Prozent Sensitivität. Die Autoren stellen die Knochenmarkprobe als Goldstandard infrage – ein Verzicht bleibt jedoch an drei Bedingungen geknüpft.

Die PET erfasst das Knochenmark über einen großen Teil des Körpers und kann räumlich verteilte Herde sichtbar machen. Die Knochenmarkprobe untersucht dagegen nur kleine Bereiche an den Beckenkämmen. Die Studie prüfte, ob bei einer unauffälligen Ganzkörper-PET unter festgelegten Voraussetzungen auf die invasive Entnahme verzichtet werden kann.(Bild:  Guido Deußing / KI-generiert)
Die PET erfasst das Knochenmark über einen großen Teil des Körpers und kann räumlich verteilte Herde sichtbar machen. Die Knochenmarkprobe untersucht dagegen nur kleine Bereiche an den Beckenkämmen. Die Studie prüfte, ob bei einer unauffälligen Ganzkörper-PET unter festgelegten Voraussetzungen auf die invasive Entnahme verzichtet werden kann.
(Bild: Guido Deußing / KI-generiert)

Eine FDG-PET/CT oder FDG-PET/MRI könnte beim Staging von Rhabdomyosarkomen einen Teil der Knochenmarkentnahmen überflüssig machen. Darauf deutet eine internationale retrospektive Studie im „Journal of Clinical Oncology“ hin. An der Studie waren 18 Zentren beteiligt, acht davon in Deutschland – darunter die Universitätsmedizin Halle.

Rhabdomyosarkome sind die häufigsten Weichteilsarkome bei Kindern und Jugendlichen. Die bisherige Knochenmarkentnahme aus beiden Beckenkämmen ist invasiv und kann räumlich verteilte Tumorherde verfehlen. Die PET macht dagegen stoffwechselaktives Gewebe mithilfe der schwach radioaktiv markierten, zuckerähnlichen Substanz FDG sichtbar.

Hauptauswertung bei 301 FDG-aufnehmenden Tumoren 

Die Hauptkohorte umfasste 313 Patienten, die vor Chemotherapie und Tumorentfernung mit PET/CT oder PET/MRI untersucht worden waren. Bei 301 nahm der Primärtumor FDG auf; auf diese Gruppe beziehen sich die zentralen Kennzahlen. Bei 54 Patienten zeigten PET und Knochenmarkprobe einen Befall, bei 222 waren beide unauffällig. 

In 24 Fällen erkannte nur die PET verdächtige Markherde. Bei einem Patienten enthielt nur die Knochenmarkprobe Tumorzellen. Mit der Probe als Referenz erreichte die PET 98 Prozent Sensitivität und 90 Prozent Spezifität. Der negative Vorhersagewert lag gerundet bei 100 Prozent. Der eine übersehene Patient hatte keine weiteren bekannten Metastasen und starb später an seiner Erkrankung.

Gegenrechnung stellt Goldstandard infrage

Auch die Knochenmarkprobe ist keine fehlerfreie Referenz: Beidseitige Gewebezylinder von mindestens 0,5 Zentimetern Länge lagen nur bei 151 der 313 Patienten vor. Zudem kann die Probe Herde außerhalb der Entnahmestellen verfehlen. Die Autoren werteten deshalb zusätzlich jeden positiven Hinweis aus PET oder Knochenmarkprobe als Befall. Gegenüber dieser gemeinsamen Bezugsgröße erreichte die PET 99 Prozent Sensitivität und einen negativen Vorhersagewert von 100 Prozent. Für die Knochenmarkdiagnostik ergaben sich 70 beziehungsweise 90 Prozent.

Die Rechnung ist nicht unabhängig: Die 24 ausschließlich in der PET auffälligen Fälle gelten automatisch als echter Befall, obwohl die Herde nicht gezielt biopsiert wurden. Deshalb erreichen unter dieser Definition beide Verfahren auch 100 Prozent Spezifität und 100 Prozent positiven Vorhersagewert – ein positiver Befund kann rechnerisch nicht falsch sein. Die Autoren folgern dennoch, dass die Knochenmarkprobe nicht länger als Goldstandard gelten sollte. Zur neuen fehlerfreien Referenz wird die PET dadurch nicht.

Die Verlaufsdaten stützen die klinische Bedeutung der nur in der PET sichtbaren Befunde. Für die Berechnung des progressionsfreien Überlebens lagen ausreichende Daten von 272 Patienten aus der Hauptkohorte vor. Bei 23 von ihnen zeigte nur die PET einen Markbefall; gegenüber Patienten ohne Markbefund betrug die Hazard Ratio 1,90. Für die Berechnung des Gesamtüberlebens waren 307 Patienten auswertbar. Zu dieser Gruppe gehörten 25 Patienten mit ausschließlich bildgebendem Markbefund; die Hazard Ratio lag bei 2,71. Das sind keine absoluten Überlebensraten. Zudem wurden andere Einflussfaktoren nicht herausgerechnet.

In der gesamten Hauptkohorte war der PET-sichtbare Knochenmarkbefall bei 27 Patienten auf nur einen bis fünf Herde begrenzt. Eine Probe aus dem Beckenkamm kann an solchen Veränderungen vorbeigehen.

Verzicht nur unter drei Bedingungen

Die Autoren halten einen Verzicht nur für vertretbar, wenn die PET vor Chemotherapie und Tumorentfernung erfolgt, der Primärtumor FDG aufnimmt und die Untersuchung den gesamten Körper abdeckt. Fehlt eine Voraussetzung, empfehlen sie weiterhin die beidseitige Knochenmarkdiagnostik.

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Die Ganzkörperaufnahme ist relevant: 22 der 313 Primärtumoren lagen auf Höhe der Knie oder darunter. 75 Untersuchungen erfassten nicht den ganzen Körper; bei weiteren 16 war der Aufnahmebereich unbekannt.

Noch keine bestätigte Standardänderung

Die Studie wurde rückblickend durchgeführt; Patienten mit metastasierter oder FOXO1-rearrangierter Erkrankung waren überrepräsentiert. Vor allem auffällige PET-Aufnahmen oder Fälle mit positiver Probe wurden erneut beurteilt. Ein unabhängiges Referenzverfahren fehlte.

Ob ein Verzicht die Stadieneinteilung, Therapieentscheidung oder den Krankheitsverlauf beeinflusst, wurde nicht prospektiv geprüft. Die Ergebnisse stellen den bisherigen Goldstandard infrage, begründen aber noch keine allgemeine Änderung des diagnostischen Ablaufs.

Quelle

Mercolini F, Just M, Shulkin BL, et al. Omitting Bone Marrow Sampling in FDG-Avid Rhabdomyosarcoma With 2-[18F]FDG PET-Negative Marrow: Results From an International Retrospective Study. J Clin Oncol. Published online August 24, 2026. doi:10.1200/JCO-25-03080. Einschließlich Data Supplement, Tabellen S1, S7 und S9.