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Medizintechnik-Patent der Woche Automatisch nachjustierendes Mikroskop

Von Christian Metzger 2 min Lesedauer

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Aus der Fülle an Einreichungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) und Europäischen Patentamt (EPA) präsentiert die Devicemed-Redaktion wöchentlich das „Patent der Woche“. Heute: ein automatisch nachjustierendes Mikroskop.

Ein automatisch nachjustierendes Mikroskop(Bild:  Brainlab/EPA)
Ein automatisch nachjustierendes Mikroskop
(Bild: Brainlab/EPA)

Während einer komplizierten Gehirnoperation erfordert jeder Handgriff höchste Präzision. Obwohl jede Sekunde zählt, muss ein Neurochirurg innehalten, um das für den Eingriff verwendete Mikroskop manuell nachzujustieren – sei es, um ein anderes Hirnareal in den Blick zu nehmen oder um einem chirurgischen Instrument zu folgen.

Diese Unterbrechungen kosten wertvolle Zeit, erhöhen die Belastung und stören den Arbeitsfluss.

Genau hier setzt die Erfindung des deutschen Medizintechnikunternehmens Brainlab an, für die das europäische Patent EP 3664742 B1 erteilt wurde.

Wie sieht die patentierte Lösung aus?

Das Operationsmikroskop befindet sich am Ende eines gelenkigen Roboterarms. Der Operateur hält das chirurgische Werkzeug, mit dem er beispielsweise einen Tumor entfernt, in der Hand.

Eine Software analysiert ständig die Bilder, die von einer Kamera im Mikroskop aufgenommen werden, und erkennt daraus die Position des vom Chirurgen verwendeten Werkzeugs. Eine Steuereinheit steuert den gelenkigen Roboterarm so, dass das Mikroskop automatisch dem Werkzeug folgt, wobei ein „Dämpfungsfaktor“ berücksichtigt wird, damit das Mikroskop nicht zu nervös auf die kleinste Zuckung des Chirurgen reagiert.

Dadurch bleibt das Werkzeug stets im Fokus des Mikroskops, ohne dass der Chirurg es manuell nachjustieren muss. Dies spart wertvolle Zeit und ermöglicht eine kontinuierliche Konzentration auf den Eingriff.

Warum ist das interessant?

Die eigentliche Erfindung steckt hier in der Software. Genau genommen in der Kombination aus der Erkennung des Werkzeugs im Kamerabild und der darauf basierenden automatischen Nachjustierung des Mikroskops. Bezüglich der Hardware unterscheidet sich die Erfindung nicht von einem herkömmlichen OP-Mikroskop.

Das Patent ist daher ein schönes Beispiel dafür, dass Software patentierbar ist, wenn sie ein technisches Problem löst.

Patentdaten

  • Aktenzeichen: EP3664742B1
  • Anmeldetag: 11.07.2018
  • Veröffentlichungstag: 04.09.2024
  • Anmelder: Brainlab AG [DE]
  • Erfinder: Stopp Sebastian [DE]; Manus Johannes [DE]

Christian Metzger
Als Patentanwalt und Ingenieur unterstützt Christian Metzger Medizintechnik-Unternehmen beim Aufbau eines Patentportfolios, das die eigenen Innovationen vor Nachahmung schützt und den strategischen und unternehmerischen Bedürfnissen entspricht. Insbesondere dort, wo Medizintechnik auf Software und Digitalisierung trifft und digitale Maschinen entstehen.

Dabei kann er auf seine breite technologische und industrielle Erfahrung zurückgreifen, die er auch in seinen Jahren als Entwicklungsingenieur und – davor – als Unternehmensberater bei McKinsey & Company gesammelt hat.

Christian Metzger ist als Partner bei Realpatent Patentanwälte tätig, einer 1959 gegründeten Boutique-Patentanwaltskanzlei, die sich dem gewerblichen Rechtsschutz widmet.

Kontakt zu Christian Metzger auf Linkedin.

Bildquelle: Fotoatelier Starnberg (Nadine Abzouzi)

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