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Medizintechnik-Patent der Woche Ein Therapieroboter gegen Einsamkeit

Ein Gastbeitrag von Christian Metzger 2 min Lesedauer

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Aus der Fülle an Einreichungen beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) und Europäischen Patentamt (EPA) präsentiert die Devicemed-Redaktion wöchentlich das „Patent der Woche“. Heute: ein Therapieroboter gegen Einsamkeit.

Lovot, der emotionale Roboter(Bild:  Groove X/DPMA)
Lovot, der emotionale Roboter
(Bild: Groove X/DPMA)

Die Welt wird immer einsamer. Seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nimmt die soziale Isolation weltweit schleichend zu. Heute berichtet in manchen Gesellschaften mehr als ein Drittel der Erwachsenen von gelegentlicher oder häufiger Einsamkeit in ihrem Leben.

Einsamkeit ist nicht nur für diejenigen traurig, die darunter leiden. Ärzte betrachten sie zunehmend als ein großes Problem für die öffentliche Gesundheit und weisen darauf hin, dass soziale Isolation zu Depressionen, Angstzuständen, körperlichen Beschwerden und sogar vorzeitigem Tod führen kann.

Das japanische Unternehmen Groove X will hier Abhilfe schaffen. Der Therapieroboter Lovot soll beim Nutzer – ähnlich wie ein digitales Haustier – Gefühle von Liebe und Kameradschaft wecken.

Wo liegt das Problem?

Aus der Psychologie ist bekannt, dass Menschen auch deshalb Zuneigung zu Haustieren entwickeln, weil deren Handlungen Ausdruck eines freien Willens sind und vom Grad der Vertrautheit abhängen.

Die Herausforderung für einen Therapieroboter besteht also darin, freien Willen und Vertrautheit zu simulieren.

Wie sieht die patentierte Lösung aus?

Genau hier setzt das deutsche Patent DE112017001573B4 der japanischen Firma Groove X an. Das Patent betrifft die Art und Weise, wie der Therapieroboter Lovot seinen Benutzer begrüßt, wenn dieser nach längerer Abwesenheit in Begleitung einer anderen Person nach Hause kommt.

Der Roboter ordnet verschiedenen Personen einen speziellen Wert an Vertrautheit zu, der auf früheren Handlungen (Streicheln, Umarmen, gemeinsam verbrachte Zeit) basiert. Dieser Vertrautheitswert wird bei der Begrüßung der Person berücksichtigt. Der Hauptbenutzer des Roboter hat dabei typischerweise den höchsten Vertrautheitswert.

Wenn eine Begleitperson mit niedrigerem Vertrautheitswert zuerst durch die Tür kommt, wird die Begleitperson freundlich begrüßt. Sobald jedoch der Hauptbenutzer durch die Tür kommt und vom Roboter als Benutzer mit einem höheren Vertrautheitswert erkannt wird, unterbricht der Roboter die Begrüßung der Begleitperson und begrüßt den Hauptbenutzer in einer etwas überschwänglicheren Art, z. B. durch kräftiges Rudern mit den Armen.

Warum ist das interessant?

Das vorliegende Patent ist ein Softwarepatent. Denn es ist die Software, die das Verhalten des Roboters steuert. Software ist allerdings nur dann patentierbar, wenn sie ein technisches Problem löst.

Das vorliegende Patent zeigt eindrucksvoll, dass auch die glaubwürdige Simulation von Vertrautheit, Zuneigung und freiem Willen ein technisches Problem darstellt und technische Lösungen in diesem Bereich patentierbar sind.

Patentdaten

  • Aktenzeichen: DE112017001573B4
  • Anmeldetag: 16.03.2017
  • Veröffentlichungstag: 05.10.2017
  • Anmelder: Groove X Inc [JP]
  • Erfinder: Hayashi Kaname [JP]

Christian Metzger
Als Patentanwalt und Ingenieur unterstützt Christian Metzger Medizintechnik-Unternehmen beim Aufbau eines Patentportfolios, das die eigenen Innovationen vor Nachahmung schützt und den strategischen und unternehmerischen Bedürfnissen entspricht. Insbesondere dort, wo Medizintechnik auf Software und Digitalisierung trifft und digitale Maschinen entstehen.

Dabei kann er auf seine breite technologische und industrielle Erfahrung zurückgreifen, die er auch in seinen Jahren als Entwicklungsingenieur und – davor – als Unternehmensberater bei McKinsey & Company gesammelt hat.

Christian Metzger ist als Partner bei Realpatent Patentanwälte tätig, einer 1959 gegründeten Boutique-Patentanwaltskanzlei, die sich dem gewerblichen Rechtsschutz widmet.

Kontakt zu Christian Metzger auf Linkedin.

Bildquelle: Fotoatelier Starnberg (Nadine Abzouzi)

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