Die Coronavirus-Pandemie hat den Trend hin zu digitalen Gesundheitslösungen deutlich beschleunigt. Dank gestiegener Investitionen in neue Gesundheitstechnologien ist die Transformation des Gesundheitswesens nicht mehr aufzuhalten. Dabei sind Video-Sprechstunden erst der Anfang.
Die Corona-Pandemie beschleunigt die neue Rolle digitaler Technologien im Gesundheitswesen. In Zukunft werden Ferndiagnosesysteme und künstliche Intelligenz die Patientenerfahrung von Grund auf verändern.
Das Zusammenspiel fortschrittlicher Technologien im Gesundheitswesen ist schon seit einiger Zeit ein Schwerpunktthema. Im Februar 2019 organisierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das erste Symposium zur Zukunft digitaler Gesundheitssysteme. Die Veranstaltung sollte verdeutlichen, wie Technologien helfen können, "Ungleichheiten abzubauen und die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bevölkerung zu verbessern“. Die zweite Ausgabe war im März 2020 geplant, wurde aber wegen Covid-19 verschoben.
Doch obwohl der Ruf nach Innovationen im Gesundheitswesen schon länger immer lauter wurde, konnte niemand das Jahr 2020 und seine Folgen vorhersagen. Die Pandemie ist zur treibenden Kraft für die Einführung digitaler Technologien geworden. Mit der steigenden Belastung der Gesundheitssysteme hat sich der Einsatz neuer Lösungen beschleunigt. Wir haben erlebt, wie schnell digitale Tools verfügbar sind und welche Vorteile sie für Patienten und Gesundheitsdienstleister bringen. Dieser Trend lässt sich nicht mehr aufhalten.
Vertrauen in Technologie wiederherstellen
Die Pandemie hat zu höheren Investitionen im Gesundheitswesen geführt; IHS Markit zufolge werden die globalen Ausgaben bis 2021 voraussichtlich auf 8,8 Billionen US-Dollar steigen. Gleichzeitig wurden laut Speedinvest und der VC-Plattform Dealroom nahezu rekordverdächtige Summen in die europäische Health-Tech-Industrie investiert. Gefragt sind Innovationen, mit denen eine bessere Patientenversorgung möglich ist. Von Video-Sprechstunden und der Fernüberwachung – auch in Kombination mit Wearables – bis hin zu künstlicher Intelligenz (KI) wird immer deutlicher, wie Gesundheitsprozesse sich mit digitalen Technologien radikal transformieren lassen.
Neuerungen im Gesundheitswesen stoßen allerdings immer wieder auf mangelndes Vertrauen und eine große Portion Skepsis – Beispiel elektronische Patientenakte. Oft sind die Erwartungen daran, was neue Technologien leisten können, zu groß; ihre Umsetzung kann damit nicht Schritt halten. Die Pandemie hat aber ihren Teil dazu beigetragen, die Akzeptanz für E-Health-Lösungen zu steigern. Die Notwendigkeit, medizinische Leistungen aus der Ferne zu erbringen, hat Ärzte dazu gezwungen, neue Arbeitsmethoden zu erproben. Und die Video-Sprechstunde hat vielen die Angst vor dem Bildschirm genommen.
Künstliche Intelligenz als Unterstützung
Beim Thema KI besteht manchmal die unbegründete Sorge, dass Computer menschliche Ärzte überflüssig machen sollen. Doch die Interaktion zwischen Arzt und Patient lässt sich natürlich nicht ersetzen. Vielmehr wird KI eine Art Assistenzrolle übernehmen, so dass Ärzte effektiver arbeiten können.
Beispiel Symptomerhebung und Triage: Hier werden die Beschwerden der Patienten erfasst und priorisiert. Im Krankenhaus kann das bedeuten, dass der Patient ein paar Stunden warten muss, bis der Arzt entweder Entwarnung gibt und ihn nach Hause schickt, oder bis er stationär aufgenommen wird. In beiden Szenarien muss der Arzt den Patienten erst persönlich sprechen, die Symptome erfragen und eine detaillierte Anamnese erheben. Das ist ein notwendiger Teil seines Aufgabenbereichs. Doch die Zeit, die der Arzt mit den Patienten verbringt, die gar nicht im Krankenhaus sein müssen, lenkt Ressourcen ab von den Fällen, die dringend Hilfe benötigen.
KI kann hier eine wichtige Rolle übernehmen, indem sie die Symptome schon vor dem Krankenhausbesuch detailliert erfasst und Hinweise für die Triage liefert, so dass medizinisches Personal den Patienten schneller der richtigen Behandlung zuweisen kann. Dank fortlaufendem maschinellem Lernen wird eine solche Lösung mit jedem Einsatz besser und das Ergebnis, das sie liefert, mit der Zeit immer genauer. Zusätzlich kann die KI-Plattform Daten, die von einem Medizinprodukt – etwa einem tragbaren Diabetesmessgerät – gesammelt wurden, automatisch analysieren, mit den Symptomen abgleichen und in den Diagnosealgorithmus aufnehmen.
Die Ärzte bekommen so alle Informationen, die sie benötigen, auf einen Blick – und das, bevor sie den Patienten überhaupt persönlich gesehen haben. Die Datenanalyse durch die KI gibt ihnen einen fundierten Hinweis darauf, wie ernst das Problem sein könnte. Für den Patienten wiederum bedeutet der Zugang zu einem solchen Gesundheitstool, dass er schneller die richtige medizinische Versorgung erhält.
Stand: 08.12.2025
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Die Rolle der Tech-Giganten
Die großen Technologie-Unternehmen wie Microsoft, Apple, Google und Amazon werden bei der Einführung von Neuerungen in der Medizin voraussichtlich eine wichtige Rolle spielen. Schließlich ist Gesundheitstechnologie ein krisenresistenter Sektor, der kontinuierlich wächst – und damit attraktiv für innovationsfreudige Tech-Giganten. Mit ihrer Reichweite könnten diese Unternehmen dazu beitragen, die Gesundheitsversorgung für alle zugänglicher zu machen: also patientenorientierter, verfügbarer und intuitiver. Ähnlich wie Online-Banking und mobile Apps die Nutzererfahrung von Bankkunden radikal verändert haben, hat moderne Technologie das Potenzial, das Gesundheitswesen zu revolutionieren.
Das Coronavirus hat Gesundheitsdienstleister gezwungen, in der Patientenbetreuung neue Wege zu beschreiten. Viele Patienten erleben jetzt die digitale Gesundheitsversorgung, die schon seit Jahren versprochen wird. Und es gibt noch viel Raum für Innovationen, von KI-gestützten Gesundheits-Apps, die mit Wearables integriert sind, bis hin zu smarten Fernüberwachungs-, Diagnostik- und Teletherapiesystemen. Selbst wenn die Pandemie irgendwann überwunden ist – die Innovationen werden bleiben.
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* Der Autor: Piotr Orzechowski ist CEO von Infermedica, einem E-Health-Unternehmen, das sich auf KI-gestützte Lösungen für die Vordiagnose und die Triage von Patienten spezialisiert hat.