Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Israel ist bereits gegen das Coronavirus geimpft – und zwar vollständig. Zwar kommt auch in Deutschland die Impfkampagne langsam ins Rollen, wir hinken aber noch immer weit hinterher. Woran liegt das? Dr. Vincent Vercamer vom Medtech-Unternehmen Withings beobachtet deutliche Unterschiede im Gesundheitswesen und erklärt, warum Digitalisierung und Innovationsförderung zu einem besseren Krisenmanagement führen.
Vincent Vercamer ist Head of Health Innovation & Strategy for Europe bei Withings.
(Bild: Withings)
Israels Tempo im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie wird weltweit beneidet. Und das zu recht: Innerhalb kürzester Zeit setzte sich das kleine Land am Toten Meer an die Spitze der weltweiten Impfquoten und gibt dort bis heute den Takt an. Mittlerweile sind fast 60 Prozent der rund 9 Millionen Einwohner (Stand 31. Mai 2021) vollständig geimpft. Selbst Großbritannien, das zuletzt in Europa für seine Ambitionen gelobt wurde, kommt gerade einmal auf 40 Prozent. In Deutschland sind es nur magere 20 Prozent. Die Frage lautet: Wie kann es sein, dass Israel so erheblich viel schneller und erfolgreicher ist als Deutschland und andere europäische Länder?
Zielführender als der Hinweis auf die überschaubare Größe des Landes oder die Krisenerprobtheit Israels ist ein Blick auf die Umsetzung der Impfstrategie im Gesundheitswesen – Stichwort Digitalisierung im Healthcare-Bereich. Denn hier gibt es einige wesentliche Unterschiede, die den klaren Vorsprung der Israelis nachvollziehbar machen.
Faktor 1: Der richtige Einsatz von Gesundheitsdaten
Das Datenmanagement ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im Kampf gegen die Pandemie: Um neue digitale Lösungen aufzubauen, die den Patienten und der Forschung zugutekommen, muss die Nutzung und Wiederverwendung von Daten entmystifiziert werden. Wir wissen bereits aus eigener Erfahrung, dass die Nutzung von Daten entscheidend ist, um den Zustand von Patienten zu überwachen und Prozesse zu beschleunigen. Jedoch mangelt es in der Umsetzung erheblich.
Das Gesundheitssystem in Israel hingegen ist effizienter und digital gut aufgestellt. So fördert es den Einsatz von vernetzten Geräten und elektronischen Gesundheitsakten für die Telemedizin. Zudem werden klinische Studien bereitgestellt, um den Krankenhäusern dabei zu helfen, neue digitale Therapeutika zu entwickeln. Landesweite Forschungsstudien sind innerhalb kurzer Zeit möglich. Dank des digitalisierten Gesundheitssystems können die Informationen in Israel regelmäßig aktualisiert und die statistische Analyse kann auf dem aktuellen Datensatz fast in Echtzeit durchgeführt werden.
Faktor 2: Enge Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Gesundheitswesen
Für Organisationen, Institutionen und Wirtschaftsunternehmen ist es ein wesentlicher Erfolgsfaktor, dass zum Beispiel Ärzt:innen und Ingenieur:innen am selben Ort arbeiten. Israelische Krankenhäuser unterhalten oft Zentren für Healthcare-Innovationen, um neue Lösungen zu entwickeln, die Patient:innen und medizinischem Fachpersonal gleichermaßen helfen. Solche Innovationsprojekte entstehen durch die enge Zusammenarbeit von klinischen Expert:innen und Ingenieur:innen in speziellen Bereichen innerhalb der Krankenhäuser. Gemeinsam entwickeln sie Innovationen für Praktiken, Verhaltensweisen, Technologien oder Prozesse, die von medizinischen Teams in die Praxis umgesetzt werden.
Diese Innovationsplattformen erleichtern und beschleunigen die Umsetzung von Innovationen in den verschiedenen Bereichen und umfassen alle Arten von Projekten, zum Beispiel Medikamente, medizinische Geräte, mobile Anwendungen oder Web-Plattformen. Sie dienen auch als Gateway für Partnerschaftsanfragen aus der Industrie. Neben der medizinischen Komponente bieten Innovationsplattformen auch zusätzliche Dienstleistungen an, die Start-ups den Zugang zum Markt erleichtern.
Faktor 3: Gesundheitswesen profitiert von wirtschaftlichem Erfolg der Unternehmen
In Israel sind auch Krankenhäuser über Inkubatoren und Investmentfonds in Health-Tech-Unternehmen investiert, wovon beide Seiten profitieren. Unternehmen können die Infrastruktur nutzen, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, während die Einrichtungen am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt sind.
Alle Aspekte der Finanzierung werden abgedeckt: von frühen Pilotprojekten (Start-up-Gründung, Seed-Finanzierung und Inkubation) bis hin zur großen kommerziellen Expansion (Venture-Capital-Finanzierung, Partnerschaften mit großen internationalen Unternehmen). Eine Beteiligung der Krankenhäuser führt dazu, dass medizinische Teams unmittelbar von der hochmodernen Technologie profitieren können. Etwaige Gewinne helfen den Einrichtungen, auch künftig in vielversprechende Start-up-Lösungen zu investieren.
Fazit: Lernen statt klagen
Der Fortschritt bei der Digitalisierung, der Einsatz von Medtech-Lösungen und die Förderung von innovativen Start-ups hat ganz entscheidenden Einfluss auf den Erfolg in Notsituationen wie der aktuellen Covid-19-Pandemie. Israel ist nicht deshalb so viel schneller und erfolgreicher bei der Umsetzung von Gegenmaßnahmen, weil das Land kleiner oder konsequenter in der Umsetzung ist. Vielmehr ist das dortige Gesundheitswesen digitaler aufgestellt und fördert Innovationen besser als zum Beispiel das Gesundheitswesen in Deutschland, das als eines der besten in Europa gilt. Effiziente neue Innovationsplattformen und agile Ansätze können dabei helfen, die Krise zu meistern. Statt nur neidisch nach Israel zu schauen, sollten wir den Blick auf die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie richten – und uns das ein oder andere abgucken.
Stand: 08.12.2025
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* Vincent Vercamer ist Head of Health Innovation & Strategy for Europe bei Withings. Das französische Medtech-Unternehmen entwickelt intelligente Gesundheits-Produkte und -Dienstleistungen wie etwa Hybrid Smartwatches und smarte Blutdruckmessgeräte.